Aktien für Anfänger – das richtige Aktiendepot

Aktien Sparbuch

Aktien für Anfänger

Viele Vermögensanlage- und Sparmodelle auf Zinsbasis sind inzwischen unattraktiv geworden. Hat sich Kapital angesammelt, welches nicht benötigt wird, möchte man es gerne investieren, aber auch etwas dafür bekommen. Bei der aktuellen Zinsentwicklung ist dies kein lohnenswertes Geschäft, also ein Grund, sich nach lukrativeren Alternativen umzusehen.

Auch private Kleinanleger denken deshalb immer häufiger über den Kauf von Aktien nach, um von guten Unternehmensentwicklungen zu profitieren. Langfristige Investments in profitable, große Werte der Hauptindizes und eignen sich z.B. auch zur Altersvorsorge.

Begonnen hat der Trend der Aktienanlagen für private Kleinanleger bereits vor vielen Jahren, vor allem mit der anfänglichen Popularität der Telekom-Aktie, die zu einem regelrechten Hype wurde. Telekom-Aktien wurden als Aktien für Anfänger seinerzeit regelrecht zum Kulturgut der privaten Kleinanleger, die ihre ersten Schritte an der Börse versuchten. Man war als Aktionär an einem bekannten, deutschen Großunternehmen der aufstrebenden Telekommunikationsbranche beteiligt, hatte Stimmrechte, wurde zur Hauptversammlung eingeladen, Essen und Getränke sowie Werbegeschenke inklusive, und konnte vor Publikum (später) unbequeme Fragen an den Vorstand stellen, eine andere Welt im Gegensatz zum historischen Sparbuch.

Vor dem Börsengang der Telekom wurden besonders die privaten Kleinanleger ins Visier als künftige Aktionäre genommen, denn zum Ausgabepreis konnte sich seinerzeit fast jeder einige Stückaktien leisten. Erwartungsgemäß war die Nachfrage groß und der Run auf die Telekom-Aktien enorm. Man hoffte damals auf gewaltige Kurssprünge und einige Nachwuchs-Aktionäre hielten die Aktien beharrlich, leider vergeblich. Viele private Kleinanleger verloren viel Geld, statt die Aktien wie geplant möglichst bald gewinnbringend wieder zu verkaufen. Auch, weil sie keinerlei Erfahrung mit Aktien, Unternehmenskennzahlen und dem Markt hatten. Die meisten Telekom-Aktionäre hatten auch nicht vor, in die Aktien langfristig zu investieren, der Kursanstieg um ein Vielfaches war das Objekt der Begierde. Dann würde man nach dem Verkauf der teuren Aktien vom Gewinn langersehnte Anschaffungen machen können, für die man sonst hätte einen Kredit aufnehmen müssen. Heute mutet das doch sehr naiv an, damals war es eines der schlagendsten Argumente für ein Telekom-Investment.

Aktieninvestitionen sind keine kurzfristige Geldanlage wie z.B. die festverzinsliche Anlage auf ein Festgeld-Konto für 3 oder 6 Monate, wo das Kapital nach Ablauf wieder frei verfügbar ist. Hektische Verkäufe bei fallenden Kursen aus Angst vor Verlusten oder der Kauf großer Aktienpakete eines Newcomers an der Börse bergen hohe Kapitalrisiken. Deshalb ist es sinnvoll, sich zunächst mit dem Anlageziel und der Vorgehensweise zu beschäftigen. Zocken und hochriskantes Spekulieren sind der schnelle der Tod eines Aktiendepots und sichere Kapitalvernichter.

Voraussetzungen für den Aktienhandel

Eröffnung eines Aktiendepots

Aktien können nur über ein Aktiendepot bei einer Bank, einer Direktbank oder einem Online-Broker verwaltet werden, im Aktiendepot werden die Aktien verwahrt. Dies geschieht heute natürlich nicht mehr physisch durch den Erhalt einer Papierurkunde über die Beteiligung an einem Unternehmen in Aktienanteilen, sondern elektronisch.

Hat man bei der Bank bereits ein Konto, kann hier auch problemlos die Eröffnung des Depots erfolgen. Die Legitmation erfolgt in der Bankfiliale. Auch Depots bei der Bank können über das Online-Banking natürlich ebenfalls online geführt werden. Für ein Aktiendepot bei einem Online-Broker ist eine Legitimierung durch ein Ausweispapier (Reisepass oder Personalausweis) erforderlich, in der Regel durch ein Post-Ident-Verfahren. Hier legt der künftige Depot-Inhaber die ausgefüllten Formulare zur Depoteröffnung in der Postfiliale mit seinem Ausweis vor. Die Post bestätigt nach Abgleich der Angaben in Formular und Ausweis die Identität und der Antragsteller kann die Unterlagen mit der Bestätigung an die Depot-Bank oder den Online-Broker senden.

Während Banken in den allermeisten Fällen eine Depotgebühr verlangen, ist die Depotführung bei Online-Brokern und Direktbanken kostenlos. Auch die Transaktionskosten (Ordergebühren) sind bei Online-Depots häufig günstiger.

Einstufung des Anlegers in eine Risikoklasse

Seitens der Depot-führenden Bank oder des Online-Brokers wird der potentielle Anleger im Rahmen der Anlageberatung in eine Risikoklasse eingestuft. Dies erfolgt gemäß Wertpapierhandelsgesetz und der seit 2010 geltenden, verschärften Regularien der Finanz- und Anlageberatung. Die Risikoklassen-Einstufung ist zwingend für Bank und Online-Broker, die sich einen umfassenden Eindruck anhand der Angaben des Anlegers verschaffen müssen. Der Depotinhaber muss hierfür seine bisherigen Erfahrungen im Geldanlagebereich angeben.

Für Kapitalanlagen in Unternehmensaktien ist eine Einstufung in mindestens Risikoklasse 3 erforderlich, dies entspricht einem gewinnorientierten Anleger. Bei einem Wunsch des Anlegers nach einer Einstufung in eine höhere Risikoklasse muss dieser schriftlich bestätigen, dass die höhere Einstufung auf seinen eigenen Wunsch geschieht. Trotzdem liegt die Risikoklasse letztendlich also nach wie vor im Ermessen des Anlegers.

Die 5 Risikoklassen staffeln sich wie folgt:

Risikoklasse 1: Sicherheitsbewusste Anleger

Risikoklasse 2: Konservative Anleger

Risikoklasse 3: Gewinnorientierte Anleger

Risikoklasse 4: Risikofreudige Anleger

Risikoklasse 5: Spekulativ orientierte Anleger

Jeder Risikoklasse sind die Produkte zugeordnet, die der Eigenschaft des Anlegers entsprechen. Ab Risikoklasse 3 sind auch Aktien und Aktienfonds mit europäischen Titeln enthalten, in Risikoklasse 4 Aktien und Aktienfondes mit europäischen Nebenwerten und in Risikoklasse 5 Aktien und Aktienfonds aus den Emerging Markets. Mit einer Einstufung in die Risikoklasse 1 oder 2 sind also Anlagen in Aktien über das Depot nicht möglich.

Definition des Anlageziels

Zunächst sollte der Anleger ein klares Anlageziel für sich definieren, d.h. wie viel freies Kapital hat er für die Anlage in Aktien zur Verfügung, wie hoch ist seine Risikobereitschaft und was sind die Erwartungen an die Rendite aus dieser Geldanlage. Die Rechnung wenig Kapitaleinsatz, kein Risiko und hohe Rendite existiert leider nicht, so dass der Anleger eine realistische und ehrliche Einschätzung abgeben sollte.

Informationsquellen zu Aktienwerten

Vor einem Aktieninvestment in bestimmte Werte steht die Informationsbeschaffung. Börsennotierte Unternehmen haben eine Public Relations (PR)-Abteilung, die alle börsenrelevanten Informationen über das Unternehmen, Ad hoc-News, Pressemitteilungen, Kennzahlen wie Quartals- oder Halbjahreszahlen, Geschäftsberichte, Kurse und und historische Charts auf der Webseite veröffentlicht. PR-Mitarbeiter stehen normalerweise telefonisch und per Email während der Bürozeiten für Auskünfte zur Verfügung, solange sie nicht Unternehmens-internen Inhalts sind. PR-Arbeit erfolgt nicht nur für die Presse, sondern vor allem für (potentielle) Aktionäre, Kontaktaufnahmen sind also durchaus erwünscht.

Weitere Quellen sind die Unternehmensprofile auf der Webseite der Börse, an der das Unternehmen notiert ist, Wirtschaftspresse und der Unternehmens-, Börsen- und Wirtschaftsteil großer Tageszeitungen sowie Finanz- und Wirtschaftsportale im Internet. Außerdem finden sich beispielsweise auf den Nachrichtenseiten der größeren Banken Analystenempfehlungen zu den betreffenden Wertpapieren und bei Wirtschafts- und Nachrichtendiensten wie Reuters, Bloomberg etc. aktuelle Unternehmensnachrichten.

Musterdepot

Eine hilfreiche Maßnahme für unverbindliche Tests ist die Nutzung eines risikofreien Musterdepots ohne Kapitaleinzahlung, vergleichbar mit einem Demo-Konto. Hier können Anlagestrategien und Verlauf getestet werden und bei der Entscheidung für oder gegen einen ausgewählten Aktienwert sinnvoll unterstützen, bevor das tatsächliche Aktiendepot durch Kapitaleinzahlung aktiviert wird. Musterdepots werden sowohl von Banken und Online-Brokern als auch auf vielen Finanzseiten im Internet kostenlos angeboten.

Risikostreuung

In Verbindung mit einem verantwortungsvollen Risikomanagement ist eine Risikostreuung eine wichtige Komponente. Wer einen Großteil oder gar sein gesamtes verfügbares Anlagekapital in nur ein oder zwei Aktienwerte investiert, geht ein hohes Verlustrisiko ein. Gerade dann, wenn diese beispielsweise aus derselben Branche stammen, beide Börsenneulinge oder in neuen Technologien tätig sind. Unterschiedliche Branchen, eine Mischung aus Hauptindizes-Werten und einigen kleineren Werten etc. sind hier die weitaus vernünftigere Wahl. Anleger mit einem hohen Risikobewusstsein wählen z.B. ausschließlich große Werte aus Hauptindizes.

Bei der Risikostreuung sollte der Aktienanleger beachten, dass auch zu viele verschiedene Aktien ein Risiko sein können. Bei maximal 10-12 unterschiedlichen Werten sollte Schluss sein, sonst ist es nahezu unmöglich, sich bei allen Werten auf einem akzeptablen, aktuellen Informationsstand zu halten und sein Aktiendepot angemessen zu pflegen und gegebenenfalls zu bereinigen.

Häufige Intention bei Anfangsinvestitionen ist der Wille, einen Wert zu einem günstigen Kurs zu kaufen, z.B., wenn der Aktienkurs gerade fällt . Besser beraten ist der Anleger, wenn er abwartet, bis der Kursverfall stoppt und eine Trendwende eintritt, er also langsam wieder steigt, ansonsten besteht die Möglichkeit hoher Verluste.

Aktienkauf

Für den Kauf der Wertpapiere, für die sich der Anleger nach ausführlicher Information nun entschieden hat, gibt er nun eine Kauforder an die Depot-führende Bank oder den Online-Broker. Die Kauforder muss definiert sein, d.h. sollen die Aktien sofort und zum aktuellen Kurs oder zu einem bestimmten Preis bei Erreichen dieses Kurswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums gekauft werden. Bei Nichterreichen des Kurses innerhalb des vordefinierten Zeitraums verfällt die Order und wird nicht ausgeführt. Für den Kauf von Aktien sind branchenübliche Ordergebühren fällig, die von Bank zu Bank bzw. Online-Broker variieren.

Depot- und Risikomanagement

Auch wenn die Verwaltung des Depots seitens der Bank oder des Online-Brokers erfolgt, sollte der Anleger regelmäßig sein Depot überprüfen und die Entwicklung der gekauften Aktien verfolgen. Es kommt nicht selten vor, dass der Depot-Inhaber nach einer Zeit gar nicht mehr genau weiß, welche Wertpapiere er genau in welcher Stückzahl besitzt. Verfolgt er die Kursentwicklung und möglicherweise relevante Unternehmens-, Branchen- und Marktnachrichten, die den Kurs auch massiv negativ beeinflussen können, nicht, erleidet er gegebenenfalls einen erheblichen Verlust. Die Bank oder der Online-Broker sind nicht verpflichtet, ihn auf einen laufenden oder drohenden starken Kursverfall aufmerksam zu machen.

Dividendenzahlungen

Dividendenzahlungen und deren Höhe an die Aktionäre werden seitens des Unternehmens durch das entsprechende Organ, dem Aufsichtsrat, entschieden. In der Regel erfolgen Dividendenzahlungen nach Abschluss eines erfolgreichen Geschäftsjahres, in dem ein Gewinn erzielt wurde, es gibt aber auch Sonderdividenden, die unterjährig ausgezahlt werden können. Auch hierüber entscheidet der Aufsichtsrat des Unternehmens.

Verlust- und Risikominimierung durch Aktienverkauf

Aktienanlagen sollen langfristig möglichst rentabel sein und Renditen erzielen. Das ist leider nicht immer der Fall. Umso wichtiger ist ein Risikomanagement des Depots, zu dem auch die o.g. regelmäßige Überprüfung durch den Anleger gehört.

Befinden sich unter den Depotwerten längerfristig unrentable Investments, die nicht den Erwartungen des Anlegers entsprechen und bei denen auch keine Kurssteigerung mehr zu erwarten ist, sollte man sich hiervon trennen. Dies gilt natürlich auch für einen Kurs im freien Fall.

Beim Aktienverkauf erteilt der Anleger eine Verkaufsorder an die Bank oder den Online-Broker. Auch diese muss definiert sein bezüglich Stückzahl und Art der Order, Verkauf sofort zum aktuellen Kurs, zum bestmöglichen Preis oder vor Unterschreitung eines festgelegten Kursniveaus.

Die wichtigsten Orderarten im Aktienhandel

Markt-Order

Bei Abgabe einer Markt-Order erfolgt der Kauf oder Verkauf der Aktien zu dem nächsten verfügbaren Marktpreis, abhängig von der zum Zeitpunkt der Ausführung verfügbaren Marktliquidität und den -bedingungen kann der Kurs höher oder niedriger ausfallen als der bei Abgabe der Order angegebene.

Limit-Order

Eine Limit-Order ist eine Kauf- oder Verkaufsorder zu einem vom Anleger festgelegten oder für ihn günstigeren Kurs. Bei einem Kauf wird die Order zu dem festgelegten oder einem niedrigeren, also für Anleger günstigeren Kurs gekauft. Bei einem Verkauf zu dem festgelegten oder einem darüber liegenden Kurs.

Stop-Order

Eine Stop-Order sieht einen durch den Anleger festgelegten Kurs vor, zu dem die Aktie ge- oder verkauft werden soll, der nicht über- bzw. unterschritten werden soll.

Bei Kauf handelt es sich um eine Stop-Buy Order, d.h. eine Order wird dann ausgeführt, wenn der Kurs auf oder über dem Limit liegt, der Kauf erfolgt also nicht zu einem möglichst niedrigen Kurs. Liegt der Kurs über dem Limit wird aus der Order eine unlimitierte Market Order und die Aktie wird zum verfügbaren Preis gekauft. Bei starken Kursbewegungen ist es also auch möglich, dass der Kauf zu einem Kurs über dem Limit erfolgt.

Bei Verkäufen wird die Stop-Order als Stopp Loss-Order bezeichnet. Das Stop Loss-Limit wird unter den aktuellen Kurs gesetzt. Auch hier ändert sich die Order bei einem Kurs auf oder in diesem Fall unter dem Stop Loss-Limit in eine unlimitierte Market Order. Stop Loss-Order dienen wie der Name schon sagt der Verlustabsicherung.

Trailing Stop-Order

Eine Trailing Stop-Order ist eine Stop-Order, in der die Entfernung zwischen Stop und dem aktuellen Marktkurs eingegeben wird. Entwickelt sich der Marktkurs positiv nach oben, rückt die Stop Order automatisch nach, entwickelt er sich negativ nach unten und damit zum Nachteil für den Anleger, bildet der Stop die Marke, die während des weiteren Kursverlaufs nicht unterschritten werden soll.

Investionsempfehlungen im Internet

Einige Aussagen zu Investitionen, vor allem im Zusammenhang Aktien für Anfänger, sind im Internet gefährlich formuliert. So wird auf einer einschlägigen Seite beispielsweise dazu ermuntert, sein Aktiendepot einfach zu vergessen, nicht zu überprüfen und nicht zu bereinigen, damit die gekauften Aktien gemütlich und stetig Richtung Wertsteigerung des Portfolios tendierten. Natürlich hat das ein namhafter Investmentmanager gesagt, der ohnehin kein eigenes Geld verwaltet. Recht direkt wird auch noch dazu geraten, lieber zu viele als zu wenige Aktien zu kaufen. Das Gegenteil dieser verantwortungslosen Ratschläge ist der Fall.

Aktienanlagen sind auch für private Kleinanleger und Anfänger geeignet, wichtig ist vor allem ein angemessenes Risikobewußtsein und-management sowie eine gute und stets aktuelle Informationsbasis.

 

Aktien für Anfänger – das richtige Aktiendepot was last modified: Januar 28th, 2016 by AngelaZ