Wie gegen Altersarmut vorsorgen?

Altersarmut

Das Thema Altersarmut zieht sich inzwischen durch alle gegenwärtigen Generationen. Nicht nur die aktuellen Rentenempfänger, sondern auch zukünftige Rentenbezieher klagen über düstere Aussichten, wenn sie ihre jährliche Renteninformation in den Händen halten. Über 84% sind laut einer Forsa-Umfrage der Meinung, dass die Rente im Alter nicht ausreichen wird. Junge Menschen können noch gar nicht absehen, wie sich ihre Vermögenssituation während ihres Erwerbslebens entwickelt. Klar ist nur: Den gewohnten Lebensstandard kann die gesetzliche Rentenversicherung im Alter allein nicht bieten. Darüber hinaus wird sie so niedrig sein, dass Gering- und Normalverdiener sich im als Altersarmut definierten Einkommensbereich befinden werden. Zusätzliche private Altersvorsorge ist deshalb unverzichtbar. Welche Alternativen gibt es und was eignet sich für wen?

Problem Altersarmut

Die Rentenpolitik in Deutschland besteht aus einem 3-Säulen-Modell, gesetzlicher, betrieblicher und privater Rente. Während die Rentenreformen der vergangenen Jahre vor allem zum Ziel hatten, die Deutschen zur privaten Altersvorsorge zu bewegen, wurde das gesetzliche Rentenniveau immer weiter gesenkt. In 2040 soll es 43% des aktuellen Durchschnittseinkommens betragen. In 1990 erhielten Rentner noch 55%, derzeit sind es 47,8%.

Normal- und Gutverdiener ohne zusätzliches Einkommen zur gesetzlichen Rentenversicherung erleiden deshalb erhebliche Einbußen. Für den Erhalt des gewohnten Lebensstandards sind zunächst rund 70-80% des letzten Nettoeinkommens erforderlich. Mit der gesetzlichen Rente ist dieser Anspruch nicht zu erfüllen. Unbekannter Faktor sind auch zukünftige Rentenanpassungen.

Zusätzliche Problematik: Die Rentenbezüge müssen versteuert werden, wenn der Grundfreibetrag überschritten wird. Derzeit unterliegen 69% der Rente der Versteuerung nach dem persönlichen Steuersatz, Tendenz steigend mit dem Renteneintrittsjahr. Bei Renteneintritt in 2040 sind 100% zu versteuern.

Doch auch die staatlich geförderten Riester- und Rürup-Renten der privaten Altersvorsorge sind ab Beginn der Rentenbezüge voll steuerpflichtig und keine steuerfreie Zusatzrente. Trotzdem kann sich die private Riester-Rente für rentenversicherungspflichtige Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen lohnen. Für Selbständige & Freiberufler, die vor allem von Steuervorteilen während der Beitragsphase profitieren wollen, gibt es das Pendant Rürup-Rente.

Der Bezug einer Betriebsrente, die eine der besten Alternativen der zusätzlichen Versorgung im Alter darstellt, scheitert für viele Arbeitnehmer mit geringem Einkommen am Wandel des Arbeitsmarkts. Bei immer kürzer werdender Betriebszugehörigkeit, befristeten Arbeitsverträgen und Einsparungsmaßnahmen von freiwilligen Sozialleistungen der Arbeitgeber fällt die Vereinbarung einer Betriebsrente auch für Normalverdiener häufig flach. Wer eine hat, sollte sie keinesfalls aufgeben.

Notdürftiges Stopfen des Rentenlochs

Als Hauptursache für die leere Rentenkasse und das damit entstandene Rentenloch gelten die höhere Lebenserwartung und die steigenden Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung. Dem gegenüber stehen zu wenig Einnahmen durch Rentenbeiträge. Demografischer Wandel macht die Deutschen im Alter deshalb ärmer. Zwischen 1992 und 2012 stiegen diese Ausgaben um knapp 100 Mrd. EUR und ließen sich durch die Rentenbeiträge nicht mehr finanzieren. Durch Bundeszuschüsse aus Steuereinnahmen wird dieses Loch derzeit notdürftig gestopft.

Letztendlich werden aber langfristig Steigerungen der Rentenbeiträge und im Gegenzug die Senkung des Rentenniveaus erforderlich sein. Laut Gesetz dürfen die Rentenbeiträge bis zum Jahr 2020 nicht über 20% angehoben werden. Für das Rentenniveau gilt bis dahin ein Mindestsicherungsniveau von 46%, darunter darf es nicht gesenkt werden. Lange dauert es bis zum Jahr 2020 aber auch nicht mehr.

Zu wenig Geld für die private Altersvorsorge

Für viele Menschen mit geringem Einkommen ist die private Altersvorsorge zu teuer. Sie müssen für die staatlich geförderte Riester-Rente einen Vertrag abschließen, der während der Beitragsphase bis zum Renteneintritt bedient werden muss.  Zwar kann bei Zahlungsschwierigkeiten auch ein vorübergehendes Ruhen des Vertrages vereinbart werden, erfüllt jedoch nicht den Zweck, sich eine zusätzliche private Rente aufzubauen. Wer nichts einzahlt, bekommt später auch nichts ausgezahlt. Wer wenig einzahlt, bekommt auch wenig.

Das angesparte Kapital aus Riester- und Rürup-Renten ist nur für eine lebenslange Rente ab dem Renteneintrittsalter, frühestens ab dem 60. bzw. 62. Lebensjahr, vorgesehen. Wird vorher z.B. aufgrund einer finanziellen Notlage Liquidität benötigt, ist aus dem Riester- oder Rürup-Vertrag nichts zu holen. Die private Altersvorsorge leidet auch unter der aktuellen und langfristig ausgerichteten Niedrigzins-Politik, angemessene Renditen bleiben deshalb bis auf Weiteres aus.

Wer dauerhaft auf die Grundsicherung der gesetzlichen Rente angewiesen ist, und diese Zahl hat sich bei den über 65-Jährigen seit 2003 mehr als verdoppelt, gilt als arm. Ursprünglich wurde die Grundsicherung nur als Überbrückung für Notsituationen des Rentenbeziehers konzipiert, nicht als dauerhafte Rente. Immer mehr kommen aus der Grundsicherung jedoch nicht mehr heraus und als langfristiges, einziges Einkommen im Alter ist sie zu knapp bemessen, um in Deutschland angemessen leben zu können. Hinzu kommen Inflation und sinkende Kaufkraft.

Wie kann man gegen Altersarmut vorsorgen?

Wer keine weiteren Einnahmequellen wie z.B. Wohn- oder Hauseigentum, Erbschaften, eine gute Betriebsrente oder privates Vermögen neben der gesetzlichen Rentenversicherung hat, sollte privat vorsorgen.

Riesterrente

Riester-Rente

Zum einen gibt es für Arbeitnehmer staatliche geförderte Riester-Renten, von denen allerdings nur Gutverdiener durch Steuervorteile oder junge Menschen, die die volle Förderung über eine lange Beitragszeit ausschöpfen können, profitieren.

Rürup-Rente

Selbständige & Freiberufler können ebenfalls staatlich geförderte Rürup-Produkte nutzen, auch hier steht jedoch vor allem der Steuervorteil während der Ansparphase im Vordergrund, nicht eine überdurchschnittlich hohe Zusatzrente.

Weitere kapitalgedeckte Finanzprodukte

Kapitalgedeckte Vorsorge-Produkte gibt es jedoch z.B. auch als Lebensversicherung, die im Gegensatz zu den staatlich geförderten Verträgen nicht an ein festgelegtes Renteneintrittsalter gebunden ist. Auch hier können die Versicherer infolge der Niedrigzinsen nur noch einen Garantiezins von 1,25% geben und den Versicherten gegebenenfalls durch Überschussbeteiligungen zu einer Rendite verhelfen, mehr als für die traditionellen Sparanlagen wie Tages- oder Festgeld und Sparbuch ist das aber allemal.

Investitionsmöglichkeiten für Gutverdiener

Wer von seinem Einkommen höhere Beträge in die private Altersvorsorge investieren kann, kann beispielsweise auch die risikoreicheren Geldanlage-Möglichkeiten mit höherer Rendite nutzen. Neben Aktien- oder Geldmarkt-Investitionen kommen gegebenenfalls auch Alternative Investments in Frage.

Wasser

Fonds-Sparen

Fonds-Sparen ist eine weitere Möglichkeit, auch bereits mit geringen Beiträgen Kapitalvermögen aufzubauen. Diese Form der Vermögensbildung eignet sich auch als Geldanlage für Studenten, die erst später ins Berufsleben eintreten und mit niedrigen Beträgen flexibel sparen können.

Kein Patentrezept für Geringverdiener & Arbeitslose

Schwierig ist die Rentensituation vor allem für Menschen, die in ihrem Leben nur niedrige oder keine Einkommen erzielt und dementsprechend wenig oder gar nicht in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben. Hierfür kann auch der Staat bisher keine Lösung präsentieren. Für zusätzliche Vorsorgemaßnahmen fehlt das Geld bei Geringverdienern und Arbeitslosen. Von den staatlichen Sozialleistungen können sie häufig mehr schlecht als recht leben, auf keinen Fall aber davon noch etwas sparen und für ihre Rente vorsorgen. Altersarmut trotz Rente betrifft in Deutschland vor allem Alleinstehende, insbesondere Frauen, deren Lebenserwartung zudem höher als die der Männer ist, aber auch andere Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise Migranten sind stark im Nachteil. Vorsorge-Produkte für diese benachteiligten Gruppen gibt es nicht. Zahlen sie in die Riester-Rente ein, wird sie sogar später auf die Grundsicherung im Alter angerechnet.

Fazit zur Vorsorge gegen Altersarmut

Während einige „Experten“ die Altersarmut als Schwarzmalerei abtun und sich arrogant auf doch noch rentable Aktiengeschäfte, Immobilienerwerb oder Erbschaften als Alternative zur schwierigen Altersvorsorgesituation beziehen, sieht das wahre Leben bei vielen Rentnern anders aus.

Leere Rentenkassen und zu wenige Beitragseinnahmen stehen immer mehr und immer älter werdenden Rentenempfängern gegenüber. Trotz der höchsten Rentenerhöhung seit Jahren in 2016 setzt sich der Trend zur Altersarmut fort. Die Rechnung ist trotz Rentenreformen nicht aufgegangen. Dachte man früher, aus gesetzlicher Rentenversicherung und guter betrieblicher Zusatzrente ließe sich ein komfortables Rentnerdasein finanzieren, ist das heute ohne eigenes Vermögen und weiteres Einkommen nicht mehr machbar. Das gesetzliche Rentenniveau sinkt und Betriebsrenten gibt es immer weniger. Unverzichtbar ist deshalb die private Altersvorsorge.

Wichtig ist, bereits frühzeitig mit der Vorsorge zu beginnen. Wer nur noch wenige Jahre bis zum Renteneintrittsalter hat, findet keine lohnenswerten Produkte mehr. Für junge Menschen lohnt sich häufig ein Riester-Vertrag, zumal die staatliche Förderung einen einmaligen Zuschuss von einer um 200 EUR erhöhten Grundzulage für Riester-Kunden unter 25 Jahren vorsieht. Außerdem können sie die volle Förderung über eine lange Laufzeit in der Ansparphase ausschöpfen, erhalten also mehr Geld vom Staat für die spätere, damit höhere Rente.

Gutverdiener können ebenfalls als Arbeitnehmer von Riester profitieren, wenn sie hohe Beiträge bis zur Obergrenze von maximal 2.100 EUR pro Jahr einzahlen. Der Beitrag beträgt 4% des jährlichen Bruttoeinkommens. Mehr ist allerdings auch nicht drin, so dass eine Steigerung der Rentenleistung durch freiwillig höhere Beiträge ausgeschlossen ist. Hier dreht es sich vor allem um den Steuervorteil und die Zuschüsse für kindergeldpflichtige Kinder.

Bei Riester kommt es für Normal- und Geringverdiener bzw. Arbeitslose vor allem auf die Familiensituation an. Von den Steuervorteilen profitieren sie bei geringen Beträgen wie dem Mindestbeitrag von 60 EUR zuzüglich Grundzulage und ohne Zuschuss für kindergeldpflichtige Kinder nicht. Für die lebenslange Rente ab einem Eintrittsalter von frühestens 60 bzw. 62 Jahren ist das ein minimaler monatlicher Betrag, da Versicherer zum Teil von einer sehr hohen Lebenserwartung ausgehen und die monatliche Auszahlung deshalb entsprechend niedrig ist.

Selbständige tun häufig nichts für die private Altersvorsorge. Sie unterliegen nicht der Rentenversicherungspflicht und können selbst entscheiden, ob sie für das Alter vorsorgen wollen. Gerade bei Selbständigen und Freiberuflern mit schwankendem Einkommen ist das dann oft nicht der Fall. Die Krux bei der Rürup-Rente für nicht rentenversicherungspflichtige Selbständige ist, dass man von den Produkten vor allem von den Steuervorteilen während der Beitragsphase profitiert. Bei stark schwankenden Einkommen kann das aber auch wenig Vorteile bringen und trotzdem ist die Rente dann wiederum in der Bezugsphase zum persönlichen Steuersatz voll zu versteuern. Deshalb eignet sich das Rürup-Modell vor allem für Selbständige & Freiberufler mit regelmäßigem und vergleichsweise konstantem Einkommen.

Der Nachteil dieser zwar staatlich geförderten, aber andererseits teuren privaten Altersvorsorge-Produkte ist, dass Versicherer, Banken oder Investmentgesellschaften kräftig mitverdienen. Bei Vertragsabschluss fallen teils erhebliche Kosten für Abschluss, Vertrieb und Verwaltung an, die bei Riester auf die ersten 5 Jahre Vertragslaufzeit, bei Rürup auf die gesamte Laufzeit, bis zum Beginn der Rentenauszahlung verteilt werden können. Solange die Produkte nur von kommerziellen Institutionen aufgelegt werden, wird sich daran nichts ändern. Abhilfe kann allenfalls eine derzeit diskutierte sogenannte „Deutschland-Rente“ vom Staat ohne kommerzielle Interessen schaffen. Möglicherweise kann sie auch für die finanziell schlechter Gestellten eine Alternative sein, um eine bezahlbare, private Vorsorge zu treffen. Dafür müsste allerdings auch die Regelung abgeschafft werden, dass staatlich geförderte, private Vorsorge auf die Grundsicherung angerechnet wird. Hier heißt es jedoch Abwarten.

Wer über eine Anwartschaft für eine Betriebsrente verfügt, und das ist nur jeder 2. Arbeitsnehmer, in kleineren Unternehmen nur jeder 4., hat schon einen wesentlichen Schritt für die Altersvorsorge getan. Vielen kleinen Unternehmen ist die Entgeltumwandlung in eine Betriebsrente zu kompliziert, deshalb bieten sie häufig erst gar keine an, zumal sie hohe Verwaltungskosten und Haftungsrisiken beinhaltet. Ausreichend ohne private Vorsorge ist eine Betriebsrente zusammen mit der gesetzlichen Rente jedoch in vielen Fällen auch nicht, denn für Betriebsrenten gilt die Regelung, dass höhere Krankenkassenbeiträge dafür anfallen und sich die Höhe der Auszahlung dadurch verringert. Weitere Vorsorge tut also auch hier in vielen Fällen Not.

Da klassische Geldanlagen wie Festgeld und Sparbuch aufgrund der Niedrigzinsen keine Zinserträge mehr bringen, bieten sich entweder kapitalgedeckte Geldanlagen wie Lebensversicherungen oder Fonds-Sparpläne an. Risikoreicher und teurer sind Investitionen in Aktien oder Geldmarktprodukte. Die Renditemöglichkeiten sind jedoch höher als beim Garantiezins von derzeit 1,25% der Versicherer. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte sich für Versicherungen oder Fonds entscheiden.

Höhere Renditen lassen sich oft auch mit Alternativen Investments, vorausgesetzt man verfügt über die nötigen Investitionssummen, erwirtschaften. Man kann aber auch bei Alternativen Investments auf Bankprodukte zurückgreifen und braucht sich nicht gleich an einem Windpark zu beteiligen. Hohen Wertzuwachs verzeichnen derzeit beispielsweise insbesondere Investitionen in Wasser, wie z.B. einige Wasser-Fonds, in denen Aktien von Unternehmen enthalten sind, die in Wasser-Technologie, -Infrastruktur oder -Förderung investieren.

Viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass das, was sie als zukünftige Rente in ihrer jährlichen Renteninformation ausgewiesen bekommen, erstens nur eine voraussichtliche Berechnung ohne jede Garantie ist und zweitens diese Beträge nur unter den heutigen Voraussetzungen und Regelungen berechnet werden können. Die Berechnung erfolgt unter der Voraussetzung, dass der Rentenbeitragszahler mindestens die Beitragshöhe der letzten 5 Jahre fortführt, und zwar bis zum Renteneintritt. Ob er auch in Zukunft „schon“ nach 45 Jahren Beitragszeit die Rente erhält, ist schwer abzusehen. Was heute gilt, kann bei leerer Rentenkasse morgen bereits wieder vorbei sein.

Insgesamt gesehen führt für die meisten Deutschen kein Weg an der privaten Altersvorsorge vorbei, sei es durch die staatlich geförderten Vorsorge-Produkte mit allen Vor- und Nachteilen oder durch private Geldanlage in Fonds, Aktien, Geldmarkt, Sparpläne, Immobilien oder Alternative Investments.

 

Wie gegen Altersarmut vorsorgen? was last modified: Juli 4th, 2016 by AngelaZ