BaFin verbietet Nachschusspflichten im CFD-Handel

Vor genau sechs Monaten, am 8. Dezember 2016, veröffentlichte die deutsche Finanzmarktaufsicht BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) beinen Entwurf einer Allgemeinverfügung zur Abschaffung von Nachschusspflichten im CFD-Handel. Am 8. Mai 2017 wurde die neue Regelung zur Verbesserung des Anlegerschutzes nun verpflichtend für alle Broker unter deutscher BaFin-Regulierung umgesetzt.

Welche Konsequenzen hat dies für Trader von Hebelprodukten und Broker? In unserem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige zum Thema.

Neuregelung der BaFin zur Abschaffung der Nachschusspflichten keine Überraschung

Am 8. Mai 2017 meldete die deutsche Regulierungsbehörde die Erlassung einer Allgemeinverfügung nach § 4b WpHG (Wertpapierhandelsgesetz). Demnach wird die Vermarktung, der Vertrieb sowie der Verkauf von finanziellen Differenzkontrakten (CFD = Contracts for Difference) mit Nachschusspflichten gegenüber Privatanlegern verboten.

Bereits im Dezember kündigte die BaFin Überprüfungen der Nachschusspflichten bei den in Deutschland regulierten CFD-Brokern an. In unserem Artikel BaFin nimmt deutsche CFD-Broker ins Visier – Abschaffung der Nachschusspflicht für Privatanleger haben wir seinerzeit hierüber bereits ausführlich informiert. Die Umsetzung überrascht deshalb nicht und wirkt sich für Anleger durchweg positiv aus. Innerhalb von 3 Monaten müssen deutsche CFD-Broker die neuen Bedingungen der Finanzmarktaufsicht umgesetzt haben, d.h. dann dürfen definitiv keine Produkte mit Nachschusspflichten im Handel mit Hebelprodukten mehr angeboten werden.

Hierbei handelt es sich also keineswegs um ein generelles CFD-Verbot, sondern lediglich um den Wegfall einer möglichen Bedingung, auf welche viele Broker bereits zuvor verzichtet haben.

Zum Hintergrund für die Abschaffung der Nachschusspflichten äußert sich die BaFin in einer Stellungnahme dahingehend, dass Verlustrisiken für Privatanleger kaum kalkulierbar sind. In der Tat verkennen Anleger das Risiko durch die Hebelwirkung oft erheblich.

Nach Informationen des CFD-Verbands ergab eine Erhebung von Nachschusspflichten jedoch eine vergleichsweise geringe Anzahl. Bei etwa 70 Millionen Transaktionen in 2015 wurden lediglich maximal 3.000 Nachschüsse gezählt. Darüber hinaus fielen diese vor allem in einen jeweils dreistelligen Bereich in EUR, von der Höhe her also als eher gering zu bezeichnen.

Auswirkungen auf den Markt kaum nennenswert

Inzwischen können Privatanleger bereits seit längerem zwischen zahlreichen regulierten Brokern im deutschen Markt wählen, um CFDs zu handeln. Die Mehrzahl, nämlich 9 von 10 Anbietern, verzichtet bereits auf die Nachschusspflichten. Der Verzicht seitens des Brokers verursacht diesem normalerweise höhere Kosten, die er über die Handelskosten kompensieren müsste. Der Wettbewerbsdruck hat diese Konsequenz allerdings zum größten Teil zu verhindern gewusst, so dass Privatanleger auch bei in Deutschland regulierten Brokern ohne Nachschusspflichten auch in der Vergangenheit bereits zu günstigen Preisen handeln konnten, wie z.B. bei der Consorsbank.

Die übrigen Broker, die derzeit noch mit dem Geschäftsmodell Nachschusspflichten arbeiten, werden sich deshalb den durchschnittlichen Kosten der Wettbewerber anpassen müssen, um keine Kunden zu verlieren. Für diese Broker aufwändig dürften hingegen höhere Investitionen z.B. in Systemumstellungen oder erforderliche Neuverhandlungen mit Handelspartnern sein.

Ebenfalls ohne Nachschusspflichten handeln Trader Forex & CFDs beispielsweise bei ActivTrades, iForex, FXCM, Varengold, QTrade, FairPrice-Broker, Direktbroker-FX oder Forexyard.

 
Jetzt bei activtrades anmelden!und Bonus kassieren!

BaFin hält sich bisher mit Verboten & Änderungen im Handel sehr zurück

Bisher hält sich die BaFin in Sachen Regulierungs-Änderungen durch Begrenzungen und Verbote im Gegensatz zu einigen anderen Regulierungsbehörden wie in Frankreich, Belgien und auch Großbritannien sehr zurück. Unter den europäischen Regulierern gehört die BaFin neben der britischen FCA zu den zuverlässigsten. Um ihrem guten Image als strenge deutsche Finanzmarktaufsicht und stetiger Verbesserer des Anlegerschutzes gerecht zu werden, wird die BaFin sich vermehrt mit dem Broker-Markt und dessen geltenden Bedingungen beschäftigen müssen.

Zu den nächsten „Coups“ der BaFin dürften deshalb u.a. die Begrenzung der Hebel im Derivate-Handel wie in Großbritannien, aber auch ein mögliches Verbot von Leerverkäufen nicht institutioneller Trader gehören, da Nachschusspflichten insbesondere hier sehr hoch ausfallen können.

Fazit zur BaFin-Entscheidung zum Verbot von Nachschusspflichten im CFD-Handel

CFDs (Differenzkontrakte) sind hochspekulativ und bergen ein hohes Handelsrisiko infolge meist viel zu hoher Hebel. Diese Hebel funktionieren in beide Richtungen, d.h. sowohl bei steigenden als auch fallenden Kursen. Zwar können hohe Gewinne erzielt werden, genauso aber auch enorme Verluste. Eine Besonderheit ist die sogenannte Nachschusspflicht, die vom Trader im Verlustfall geleistet werden muss, auch wenn sein Trading-Konto kein ausreichendes Guthaben für den Ausgleich mehr aufweist und er die Ausgleichssumme anderweitig beschaffen muss.

Gewinne und Verluste ergeben sich im CFD-Handel aus der Differenz zwischen dem Einstands- und Ausstiegskurs des gehandelten Basiswertes. Verluste im Handel mit CFDs über das Handelskonto-Guthaben hinaus auch das sonstige Vermögen betreffen und weit über das vorhandene Handelskapital hinausgehen, wenn heftige Kursbewegungen erfolgen. Nachschusspflichten sind, sofern sie vom Broker aufgrund seines Geschäftsmodells gefordert werden, theoretisch unbegrenzt, so dass sie auch das gesamte Vermögen des Traders oder eben nicht vorhandenes Vermögen betreffen können.

Mit einem vergleichsweise geringen Kapitaleinsatz können bei CFDs weitaus höhere Volumina bewegt werden als beim Kauf oder Verkauf von Aktien- oder sonstigen realen Vermögenswerten und der Trader kann im CFD-Handel nicht nur von steigenden, sondern auch von fallenden Kursen profitieren, während er im klassischen Aktienhandel beim Verkauf des Wertes nach gefallenem Kurs einen Verlust erzielt wird. Gewinne und Verluste ergeben sich bei CFDs aus der Differenz zwischen dem Einstands- und Ausstiegskurs des gehandelten Wertes.

Der erforderliche Kapitaleinsatz bei Differenzkontrakten im Handel auf Margin besteht nur aus einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes des bewegten Handelsvolumens. Bei einer positiven Kursänderung, d.h. richtiger Einschätzung des Anlegers, erhält er den Differenzbetrag, bei einer negativen Kursänderung muss er den Differenzbetrag ausgleichen. Dieser Ausgleich des Unterschiedsbetrages muss bei negativer Kursänderung gegebenenfalls aus dem sonstigen Vermögen des Anlegers erfolgen. Entscheidend ist der Hebel, der für die Transaktion eingesetzt wird und die Höhe des tatsächlichen Handelsvolumens bestimmt.

Mit dem Wegfall der Nachschusspflichten durch Entscheidung der BaFin im Mai 2017, wonach die Umsetzung bei den noch mit Nachschusspflicht arbeitenden Brokern innerhalb der nächsten 3 Monate erfolgt sein muss, verbessert die Regulierungsbehörde den Anlegerschutz durch Verbot eines hohen Risikopotentials im Derivate-Handel. Das macht den Handel mit CFDs zwar nicht weniger spekulativ und selbstverständlich ändert sich dadurch das hohe Verlustrisiko nicht, wird aber zumindest eingeschränkt, da bei Verlust-Positionen Nachschüsse für Privatanleger generell ausgeschlossen werden.

Jetzt den richtigen Broker finden, anmelden & traden

In unseren Erfahrungsberichten haben wir unsere unabhängigen Test- und Bewertungsergebnisse der Forex-, CFD- und Binäre Optionen-Broker zusammengefasst. Dort finden Sie zahlreiche EU- und FCA-regulierte Broker, die neben ihrer Seriosität mit einem guten Service- und Leistungsangebot und günstigen Handelskosten überzeugen.

In den jeweiligen Bewertungen erfahren Sie unsere ausführlichen Testergebnisse, ob der Anbieter die Voraussetzungen für eine seriöse Einschätzung der Arbeitsweise erfüllt und wir ihn aufgrund seines Gesamtangebotes empfehlen. Sie können sich direkt über unsere Webseite beim Broker Ihrer Wahl anmelden und profitieren von objektiven Bewertungen im Anbieter-Vergleich.

Darüber hinaus erhalten Sie ausführliche Informationen zum Forex-, CFD- und Binäre Optionen-Handel in unseren Beiträgen und viele andere interessante Themen rund um’s Online-Trading.

 
Jetzt zu Degiround günstig online traden!
BaFin verbietet Nachschusspflichten im CFD-Handel was last modified: Mai 19th, 2017 by AngelaZ