Bullen, Bären, Tauben & Schwäne – Die Sprache der Börse

Ad-hoc-Meldungen der Börsenunternehmen sind für Anleger häufig schwer zu entschlüsseln. Zu viele Sprachgirlanden, zahlreiche Fachbegriffe, Verben, Adjektive und keine verständliche, klare Aussage. Sind die Jahresergebnisse nun gut oder schlecht? Wurden die Vorgaben und Ziele erreicht oder nicht?

Durch die geltenden Ad-hoc-Pflichten müssen Börsenunternehmen sowohl positive als auch negative Mitteilungen wahrheitsgemäß und fristgerecht veröffentlichen. Sie nutzen die Börsensprache aber oft nicht nur als Fachjargon, sondern auch als Verschleierungstaktik, wenn sie negative Nachrichten mitteilen müssen. Das Kind wird selten direkt beim Namen genannt und häufig überlesen Investoren, welche Tatsachen wirklich dahinterstecken, auf die sie eigentlich reagieren müssten. Selbst völlig verfehlte Unternehmensziele werden verpackt, als hätte man einen großen Erfolg erzielt und müsse allenfalls kleine Anpassungen vornehmen.  

Ein Börsenlexikon ist eine sinnvolle Hilfe, die Börsensprache zu erlernen, die teils eleganten Umschreibungen in den Unternehmensmitteilungen oder Marktberichten enthalten sie aber meistens nicht. In unserem Beitrag erfahren Sie, wie Sie die Sprache der Börse besser verstehen und mitreden können.

Welche Begriffe und Umschreibungen sind für Anleger & Trader wichtig und was verbirgt sich dahinter? Wie werden Marktsituationen beschrieben?

Die wichtigsten Begriffe an der Börse

Vorgänge an der Börse werden in den Börsennachrichten und von Analysten mit einigen Fachbegriffen und Metaphern versehen, die das Marktgeschehen beschreiben. Die bekanntesten stellen wir Ihnen hier vor:

Die Tierwelt der Börse

Besonders symbolträchtig sind an der Börse Bulle und Bär nach dem Vorbild der USA. Vor der Frankfurter Börse stehen sie als lebensgroße Skulpturen und verkörpern die Sinnbilder Bulle für steigende und Bär für sinkende Kurse an der Börse. Von einem bullischen (Amerkanisch: bullish) Markt spricht man optimistisch über steigende, von bärisch (Amerikanisch: bearish) pessimistisch über sinkende Börsenkurse, dem Auf und Ab der Märkte.

Im Zusammenhang mit Bullen und Bären gibt es aber noch andere Marktphasen. Die Bärenmarktrallye beschreibt zwar eine kurze, deutliche Erholung, zeigt aber kein Ende des bärischen Marktes an, sondern man geht von einem weiteren Abwärtstrend aus.

Bei Bullenfallen deutet der Kursverlauf kurz die steigende Richtung an, fällt dann aber weiter. Die Bärenfalle bezeichnet hingegen eine kurz sinkende Kursentwicklung, die dann weiter steigt. Im Gegensatz zur Bärenmarktrallye sind die Abstände jedoch nur sehr kurz und nicht so deutlich.

Doch es gibt noch mehr Tiere in der Finanzwelt. Schwarze Schwäne gelten als besonders gefürchtet. Sie charakterisieren überraschende, unvorhergesehene Ereignisse mit äußerst negativen Konsequenzen, gleich einem Terroranschlag wie den 11. September oder einem großen Erdbeben, die anschließend erklärbar sind. Schwarze Schwäne erzeugen starke, auch nicht rationale Reaktionen. Der Begriff wurde durch den Börsenhändler und Publizisten Nassim Nicholas Taleb geprägt, der ihn in 2007 in Zusammenhang mit Anlegern brachte, die unwahrscheinliche Ereignisse, die viel häufiger eintreten als allgemein angenommen vorkommen, missachten.

Die Geldpolitik der Zentralbanken wie Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat unmittelbare Auswirkungen auf die Börse, hier gibt es Tauben und Falken.

Börsensprache Tauben

Tauben sind Wirtschaftsexperten, Politiker und Zentralbank-Räte, die eine lockere Geldpolitik zur Steigerung der Konjunktur vertreten, z.B. die Niedrigzins-Politik der EZB. Durch billiges Geld, welches in die Märkte gepumpt wird, sind Anleger zu risikoreicheren Investitionen bereit, was sich positiv auf die Aktienkurse an der Börse auswirkt. Tauben gelten als friedlich und vertreten eine gemäßigte Geldpolitik, die – zu locker betrieben – allerdings auch Spekulationsblasen und Überbewertungen fördern kann.

Falken dagegen stehen für eine straffe Geldpolitik, die Spekulationsblasen und Inflation bekämpft und das Geld verteidigt – ohne weiteres in die Märkte fließen zu lassen. Für die Entscheidungsfindung der Zentralbanken ist es deshalb von Bedeutung, wie viele Tauben und Falken sich in den Gremien befinden, denn die Leitzins-Entscheidungen wirken sich unmittelbar auf die Börsenkurse aus.

Auf die Fauna beziehen sich auch die Bezeichnungen für das Verhalten von Anlegern. So werden sie als Herdentiere abgetan, die sich den Investitionsentscheidungen der meisten anderen Börsianer anschließen und „der Herde folgen“.

Mehr Erfolg würden sie stattdessen durch antizyklische Investitionen erzielen, bevor die Herde sich dann für das Gegenteil entscheidet. Schnelligkeit ist an der Börse eine Tugend, die höhere Gewinne beschert, denn wer von Anfang an bei den Kurssteigerungen dabei ist, profitiert auch am meisten. Anleger, die erst „mit der Herde“ einsteigen, haben die höchsten Renditen bereits verpasst und gehen ein höheres Investitionsrisiko ein. Wenn die Herde erst einmal investiert hat, sind die Kurse oben, genau wie die Erwartungen der Anleger. Treten sie nicht ein, geht es mit dem Kurs schnell wieder bergab. Nicht immer muss der „Herdentrieb“ negativ sein, doch dann sind die Aktien bereits zu teuer, sie sollten sinnvollerweise gekauft werden, wenn sie zu einem niedrigen Kurs zu haben sind und eine positive Kursentwicklung wahrscheinlich erscheint.

Bei der Schwarmintelligenz geht man davon aus, dass viele Anleger bessere Entscheidungen treffen können als einer. In Bezug auf die Gründe gegen das Verhalten von Herdentieren ist sie allerdings genauso wenig geeignet. Beim Social Trading findet sie jedoch Anwendung, weil Trader die Schwarmintelligenz nutzen, um davon zu profitieren. Genaugenommen entscheiden sie sich aber auch nur für einzelne Anleger, den sie als sogenannte Follower folgen. Vorteilhaft ist dabei, das Wissen erfolgreicher Trader und einen besseren Einstiegszeitpunkt in den Handel zu nutzen.

 

Weitere Beschreibungen der Märkte

Die Bezeichnung Hausse (französisch Steigerung, Anstieg) bezeichnet den Bullen-Markt, einem mittel- bis langfristigen, nachhaltigen Anstieg der Kurse, Baisse (französisch Rückgang) den Bären-Markt, ein mittel- bis langfristiges, nachhaltiges Sinken der Kurse. Die Mittel- bis Langfristigkeit erfolgt aus einer entsprechenden Investoren-Einschätzung, ob die Kurse nachhaltig steigen oder sinken werden. Dadurch werden mehr Aktien ge- oder verkauft und die Umsätze an der Börse steigen über eine mittel- oder langfristige Periode.

Als freundlich bezeichnet man die Börse, wenn die Kurse im Allgemeinen steigen. Ist die Börse fest, heißt das nicht, dass sich die Kurse nicht nennenswert verändert haben, sondern dass sie um über 1 Prozent und mehr steigen. Bei einem zunächst leichten Kursanstieg und anschließendem Sinken bröckeln die Kurse. Lustlos ist die Börse, wenn nur wenige Umsätze erfolgen, d.h. die Anleger sind unmotiviert und sich nicht darüber im Klaren, ob sie kaufen oder verkaufen sollen. Behauptet sich die Börse, bedeutet das, dass trotz negativer Nachrichten, die die Kurse normalerweise beeinflussen, keine sinkenden Kurse zu verzeichnen sind, sondern sie sich auf dem Vortages-Niveau halten.

Bei teils steigenden und teils sinkenden Kursen spricht man von einer uneinheitlichen Börse, denn die Kurse entwickeln sich nicht einheitlich in die gleiche Richtung. Bei stark sinkenden Kursen, wie z.B. unmittelbar nach dem Brexit, handelt es sich um einen Kursrutsch.

Ein Seitwärtsmarkt bewegt sich im Chart nur leicht schwankend, er gilt als stabil.

Unternehmensnachrichten sollten im Gesamtkontext gelesen & verstanden werden

Börsenunternehmen wenden für den sprachlichen Feinschliff von Ad-hoc-Meldungen, Geschäfts- und Lageberichten sowie Pressemitteilungen oft erheblichen Aufwand und Zeit auf.

Wie diese Nachrichten von den Anlegern aufgenommen werden, ist schließlich entscheidend für die folgende Kursentwicklung. Wer als Unternehmen Tacheles redet, wenn es sich um negative Mitteilungen handelt, wird an der Börse durch die Aktionäre abgestraft mit Verkäufen und fallenden Kursen. Wird die blumige Sprache hingegen besser beherrscht, reagieren Investoren in der Regel seltener.

Simple Tatsachen wie, man habe das erwartete Jahresergebnis voraussichtlich um x Mio. EUR verfehlt, werden so deutlich nicht gesagt. Stattdessen spricht man von einer Umsatz- oder Ergebniswarnung, das hört sich nicht ganz so dramatisch und präzise an, meint aber, wie auch der auch der Begriff Gewinnwarnung, dasselbe. Die Bezeichnung Gewinnwarnung wird deutlich, wie schon die Wortzusammensetzung an sich widersprüchlich ist und sie gilt als Paradebeispiel dieser sprachlichen Stilblüten. Der unerfahrene, noch nicht in der Börsensprache bewanderte Anleger wird sich fragen, warum warnt man vor einem Gewinn, wenn er doch positiv ist und den Aktionären Dividende einbringt?

Es sind jedoch nicht nur die Begriffe selbst, die für Einsteiger ins Börsengeschehen verwirrend sind. Hier spielen die Feinheiten eine große Rolle und ob die Meldung bereits erwartet wurde, Gerüchte unter Analysten und durchgesickerte Informationen darauf im Vorhinein hingewiesen haben. Ist das der Fall, fällt die Reaktion oft nur noch verhalten aus, man hatte ja schon damit gerechnet. Bei unerwarteten Mitteilungen reagiert der Markt sofort, abhängig von positiver oder negativer Aussage und Ausmaß, in die eine oder andere Richtung mehr oder weniger stark.

Bei einer Ergebniswarnung ist entscheidend, um welche Ergebnisse es sich handelt. Bei niedrigeren als den prognostizierten Umsätzen ist z.B. die Nachfrage gesunken oder ein Markt sogar ganz weggebrochen, die Frage ist, welcher Markt und warum, beispielsweise der russische Markt durch verhängte Sanktionen. Möglicherweise bestehen aber Alternativen, z.B. neue Märkte zu erschließen oder bestehende zu erweitern. Dann bliebe die Gewinnprognose hingegen gleich oder würde sich nur wenig ändern. Dies zeigt, dass das Unternehmen bereits gegensteuert, die Meldung also nicht durchweg negativ ist, sondern auch positive Aspekte hat.

 

Wissen für Trader – Die wichtigsten Händler-Fachbegriffe

Die Begriffe des Börsenhandels begegnen Tradern schon auf der Handelsplattform ihres Online-Brokers. Deshalb sollten sie die Wichtigsten kennen und richtig einordnen können, denn wer nicht weiß, was beispielsweise Hebel oder Margin sind, kann beim Handel viel Geld verlieren, weil er mangels Kenntnissen das finanzielle Risiko unterschätzt hat.

Ein Basiswert ist der gehandelte Wert, z.B. Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen oder Anleihen.

Die Dividendenrendite ist eine Kennzahl des prozentualen Anteils der Gewinnausschüttung am Aktienkurs. Hierfür wird die Dividende durch den Aktienkurs dividiert und mit 100 multipliziert. Sie ist außerdem eine wichtige Unternehmenskennzahl und gibt Auskunft über die Verzinsung des eingesetzten Kapitals gemessen am Tages-Aktienwert.

Bei der technischen Chartanalyse werden Chartmuster historischer Kurse des Basiswertes interpretiert und auf die mögliche zukünftige Kursentwicklung übertragen. Hierfür werden unterschiedliche Strategien angewendet.

Mit einer Fundamentalanalyse wird die wirtschaftliche Unternehmensanlage, mögliche Entwicklung und das Risiko bewertet. Hierzu werden alle verfügbaren Angaben zum Unternehmen verwendet, wie z.B. Jahresabschlüsse, Kennzahlen usw. Analysten führen eine fundamentale Aktienanalyse durch, die Erkenntnisse darüber liefert, ob das Unternehmen über- oder unterbewertet ist. Hier wird der innere Unternehmenswert mit dem Aktienwert vergleichen.

Der Hebel gibt den prozentualen Gewinn auf die Investitionssumme an, wenn der gehandelte Basiswert-Kurs um 1% steigt.

Geht der Trader Long-Positionen ein, bedeutet das, dass er von steigenden Positionen profitieren will und kauft.

Die Margin bezeichnet die Summe, die für den Handel von Hebelprodukten als Sicherheit zu hinterlegen ist. Sie richtet sich nach der Höhe des Hebels und wird in Prozent angegeben.

Der Trader erhält einen Margin Call, wenn die zu hinterlegende Sicherheitsleistung einen bestimmten Prozentsatz des noch verfügbaren, gesamten Kapitals auf dem Handelskonto beim Handel auf Margin überschreitet.

Eine Nachschusspflicht im CFD-Handel besteht dann, wenn Verluste über das eingesetzte Kapital hinausgehen. Der Trader muss dann einen finanziellen Nachschuss leisten, um die Verluste, die über die Margin hinausgehen, auszugleichen.

Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis gibt der Spread an.

Short-Positionen gehen Trader ein, wenn sie von einem fallenden Kurs profitieren wollen und verkaufen. Dies wird auch als „short gehen“ bezeichnet.

Stop-Buy-Order kennzeichnen bestimmte Kursobergrenzen, die Trader als Kursmarken setzen. Ist die Obergrenze erreicht, wird der Basiswert gekauft.

Stop-Loss-Order werden als Marken bei bestimmten Kurswerten gesetzt. Bei Erreichen oder Unterschreiten des Mindestkurses wird der Basiswert sofort verkauft. Mit Stop Loss verringert der Trader das Verlustrisiko und muss den Kurs nicht laufend beobachten.

Die Volatilität gibt die Schwankungsbreite des Kurses eines Basiswertes innerhalb eines bestimmten Zeitraums an. Die Volatilität wird in Prozent als Risikokennzahl angegeben. Hohe Schwankungsbreiten bedeuten ein höheres Handelsrisiko.

Fazit zur Sprache der Börse

Die Börsensprache enthält zahlreiche Fachbegriffe aus dem finanz- und betriebswirtschaftlichen Bereich, aber auch sehr spezielle Bezeichnungen wie sie vor allem für die unterschiedlichen Marktphasen verwendet werden. Diese Begriffe gilt es zu kennen, um die Aussagen besser zu verstehen und als Anleger darauf gegebenenfalls reagieren zu können.

Viele Bezeichnungen sind in englischer Sprache, wie z.B. Long und Short gehen, lassen jedoch aus ihrer wörtlichen Bedeutung nicht erkennen, um was es sich handelt. Deshalb ist es wichtig, sich dieses Vokabular anzueignen und sicher zu beherrschen. Wer durch sprachliche Missverständnisse oder Unkenntnis die falschen Handelsentscheidungen trifft, kann über das vorhandene Handelsrisiko hinaus an der Börse viel Geld verlieren.

Mitteilungen von Börsenunternehmen, die für Einsteiger in den Handel oft nicht klar verständlich formuliert sind, sind häufig auch sehr nuancenreich geschrieben und die wahre Tatsache dahinter wird durch sprachliche Umschreibungen und Fachbegriffe verschleiert. Handelt es sich um negative Unternehmensnachrichten, werden gerne die „weichgespülten“ Umschreibungen genutzt. Ist der Zusammenhang dieser Aussagen dem Anleger nicht klar, sollte er sich die zeitnah anschließend erscheinenden Analystenmeinungen dazu ansehen, die oft weitaus verständlicher geschrieben sind und auch den Gesamt-Kontext berücksichtigen, z.B. bei der Bekanntgabe von Jahresergebnissen und Prognosen.

 
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Bullen, Bären, Tauben & Schwäne – Die Sprache der Börse was last modified: Februar 13th, 2017 by AngelaZ