Die Buy-and-hold-Strategie

Foto Aktien

Was bedeutet Buy-and-hold und wie wird diese Anlagestrategie angewendet? Entspricht sie noch den heutigen Marktbedingungen? Welche Vor- und Nachteile haben passive Anleger im Gegensatz zu den aktiven Investoren, die auf die Kaufen und Verkaufen-Strategie setzen und ihr Portfolio häufig umschichten, um möglichst schnell zusätzliche Gewinne zu generieren?

Was bedeutet Buy-and-hold?

Buy-and-hold bedeutet Kaufen und Halten. Gehalten wird die Investition immer über einen langfristigen Zeitraum. In der Zwischenzeit verhält sich der Anleger passiv, er verkauft nicht und braucht sich um das Investment nicht weiter zu kümmern. Die Buy-and-hold-Strategie verhält sich somit gegensätzlich zu den kurzfristigen Anlagegeschäften wie z.B. Kaufen und Verkaufen (Buy-and-sell), um kurzfristige (Zusatz-)Gewinne mitzunehmen oder bei sinkenden Kursen weitere Verluste zu vermeiden. Da das gesamte Investment im Depot verbleibt, fallen keine Transaktionskosten wie bei Umschichtungen des Portfolios an.

Anleger, die die Buy-and-hold-Strategie anwenden, stehen auch in schlechten Zeiten zu ihrem Investment und spekulieren auf die langfristige Wertentwicklung. Der Zeitraum kann dabei auch 20 oder 30 Jahre betragen. Die Buy-and-hold-Strategie dient deshalb auch häufig der Altersvorsorge.

Anleger profitieren außerdem von einem effektiven Steuervorteil bei Buy-and-hold, dem sogenannten Barwertvorteil, da die Abgeltungssteuer erst zum Zeitpunkt des Verkaufs fällig wird und der Steuerbetrag in der Zwischenzeit angelegt werden kann.

Passt die Buy-and-hold-Strategie noch zu den heutigen Marktbedingungen?

Die Meinungen, ob die Buy-and-hold-Strategie noch zeitgemäß ist und zu den aktuellen Marktbedingungen passt, gehen weit auseinander. Langfristige, passive Investments gelten unter vielen Finanz-Experten als überholt, zumal sich auch die Produkte und ihre Zusammensetzung geändert haben.

Ein Hauptargument gegen die passive Anlagestrategie ist auch der schnelle Wandel der Märkte, auf den Anleger, die ihr Portfolio selbst managen, erst spät und damit häufig zu spät reagieren können. Informationen erhalten sie erst, wenn die Marktveränderungen bereits eingetreten sind. Empfehlungen lauten deshalb, besser in Fonds zu investieren und die Entscheidungen den Profis, sprich den Fondsmanagern zu überlassen.

Marktanalyse

Andere Meinungen tendieren zu Buy-and-hold als Zeit, Nerven und Geld schonende Möglichkeit, sein Geld über viele Jahre einfach in Ruhe arbeiten zu lassen und sich am Ende über eine schöne Rendite zu freuen. Ob das in die heutige, schnelllebige Zeit an den Märkten und auch in Zukunft bei Laufzeiten von immerhin durchschnittlich 20-30 Jahren noch passt wie zu Zeiten des Börsengurus André Kostolany, der Buy-and-hold seinerzeit als die einzige wahre Anlagestrategie pries, sei einmal dahingestellt.

Vor- und Nachteile von Buy-and-hold

Während bei aktiven Investments die Aufmerksamkeit des Anlegers im Verlauf der gesamten Haltedauer gefragt ist, fallen die Entscheidungen bei Buy-and-hold nur am Anfang, erfordern aber eine umso sorgfältigere Abwägung, denn schließlich will der Anleger am Ende nach 10, 20 oder 30 Jahren eine Rendite erzielen.

Die Zusammenstellung des Portfolios ist dabei abhängig von der Höhe des zur Verfügung stehenden Kapitals, der Risikobereitschaft und der in Frage kommenden Finanzprodukte, wobei auch auf die unbedingt nötige Risikostreuung geachtet werden sollte. Unterschiedliche Anlageklassen entwickeln sich nie gleich, die Risikostreuung in verschiedene Anlageklassen verringert deshalb das Risiko, hohe Verluste in nur einer Anlageklasse zu erleiden.

Der Focus bei der Auswahl sollte auf möglichst geringen Kosten liegen. Hier eignen sich insbesondere ETFs (Exchange Traded Funds), die eine kostengünstige Alternative zu den herkömmlichen Investmentfonds darstellen. Während bei den übrigen Investmentsfonds der Fondsmanager über die Zusammensetzung  entscheidet, kopieren ETF Indexfonds die Zusammensetzung der Aktien eines Index wie z.B. dem DAX. Da ETFs geringe Verwaltungskosten verursachen als klassische Investmentfonds, können auch geringere Gewinne eine ansehnliche Rendite erzielen.

Zu den wesentlichen Vorteilen der Strategie gehört aber nicht nur das passive Anlegerverhalten während der Haltedauer, sondern auch der steuerliche Barwertvorteil und die Einsparung jeglicher Transaktionskosten bei den sonst üblichen Portfolioumschichtungen.

Bei langfristigen Geldanlagen sind Diszplin und Konsequenz gefragt

Langfristigen Investments erfordern eine hohe Disziplin der Anleger. Auch, wenn der Kurs über einen längeren Zeitraum wenig Freude macht und aktive Anleger schon lange verkauft hätten, verbleiben die Werte unangetastet im Depot.

Manchen Investoren fällt es verständlicherweise schwer, einer schwankenden Kursentwicklung tatenlos zuzusehen und sie zu ignorieren. Verändert sich ein ganzer Markt wie z.B. China kann das Investment auch durchaus schlaflose Nächte bereiten. Umso wichtiger ist die Risikostreuung in unterschiedliche Anlageklassen und Märkte.

Wer kurzfristig oder über die Jahre Liquidität aus seinen Geldanlagen benötigt, ist mit Buy-and-hold ebenfalls schlecht beraten. Die auf Langfristigkeit setzende Strategie ist nicht darauf ausgerichetet, einen Teil zu verkaufen, um an liquide Mittel zu kommen und diesen dann erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzufüllen.

Verhält sich der Markt volatil, wie z.B. in 2014 und 2015, kann aktives Anlegerverhalten und/oder eine Portfolioumschichtung jedoch auch weitaus gewinnbringender sein als das passive Liegenlassen. Zwar kostet jede Transaktion Gebühren, bei genügend Volatilität und geschicktem Handeln kann der Ertrag aber natürlich auch über den Transaktionsgebühren liegen und somit eine ansehnliche Rendite erzielt werden.

In ruhigen Börsenzeiten kann man theoretisch auch getrost sein Depot eher ruhen lassen. Gesehen über den langen Zeitraum von Buy-and-hold wird es allerdings womöglich einige Jahre geben, in denen aktives Portfoliomanagement gegebenenfalls rentabler oder ratsamer gewesen wäre. Der Schrecken der Finanzkrise 2008 sitzt bei den Anlegern immer noch tief.

Dollarkurs

Vergleichsweise ruhige Jahre können jedoch auch die Rendite nach unten ziehen, wenn beispielsweise durch die geringe Rendite bei schwacher Kursentwicklung die Inflationsrate ausgeglichen werden muss oder dadurch Verluste entstehen.

Der Steuervorteil von Buy-and-hold

Die langfristig ausgerichtete Strategie ermöglicht einen Barwertvorteil für den Anleger. Der eingebaute Stundungseffekt der Steuerschuld auf die Abgeltungssteuer aus Kapitalerträgen sorgt dafür, dass Steuern erst bei der Realisierung der Kursgewinne fällig werden, nämlich bei Ablauf der Haltedauer.

Zwischenzeitlich kann der Steuerbetrag angelegt werden und weitere Erträge erwirtschaften. Der Steuervorteil besteht faktisch aus einem Darlehen des Fiskus, mit dem Zinsgewinne erzielt werden können.

Foto Steuern

Handeln Anleger jedoch aktiv mit ihren Geldanlagen, werden nicht nur Gebühren fällig, sondern auch nach jeder gewinnbringenden Transaktion die Abgeltungssteuer.

Buy-and-hold – Unbeliebte Anlagestrategie bei Banken und Beratern

Banken beraten oft nur ungern zu der langfristig ausgerichteten Anlagestrategie. Bei passiven Investitionen verdienen sie weniger Provisionen und Gebühren als bei den aktiven „Rein-raus“-Anlagen, die für sie weitaus lukrativer sind.

Aktive Anleger sind bei den meisten Banken deshalb häufig lieber gesehen, ähnlich wie die Kreditkunden gegenüber den Kunden, die keine Finanzprodukte ihrer Bank in Anspruch nehmen oder kaufen und dort beispielsweise nur ein Gehaltskonto führen.

 Fazit zur Buy-and-hold-Strategie

Übersetzt heißt Buy-and-hold Kaufen und Halten. Die langfristig ausgerichete Anlagestrategie bietet sowohl Vor- als auch Nachteile für den Anleger, denn die Haltedauer liegt bei 10, 20 oder 30 Jahren. Ein Zeitraum, in dem an den Märkten gerade in heutigen Zeiten viel passieren kann.

Buy-and-hold-Investments benötigen praktisch nur zu Anfang bei der Auswahl die Aufmerksamkeit des Investoren. Sobald sich die Anlage im Depot befindet, bleibt sie dort. Eine Umschichtung des Portfolios wie bei aktiven Anlagen, die bei anhaltend schlechter Kursentwicklung verkauft und durch vielversprechendere Werte ersetzt werden, wird nicht vorgenommen. Der Anleger verhält sich passiv, ignoriert Kursschwankungen und hofft nach der langen Haltedauer auf eine möglichst hohe Rendite.

Derart langfristige Geldanlagen dienen häufig der Altersvorsorge. Der Anleger kauft aktuell kostengünstige Anlagewerte, von denen er sich eine langfristig positive Wertentwicklung erhofft. Während der Haltedauer möchte er sich nicht mehr mit diesem Teil seines Depots beschäftigen. Er verhält sich also gegensätzlich zu den kurzfristig ausgerichteten Anlegern, die die Strategie Kaufen und Verkaufen (Buy-and-sell) anwenden, um kurzfristige Gewinne mitzunehmen und damit zusätzliche Renditen zu erwirtschaften bzw. ihr Portfolio vor Verlusten schützen wollen.

Zu den kostengünstigsten und am häufigsten genutzten Investitionsmöglichkeiten unter Anwendung der Buy-and-hold-Strategie gehört der Erwerb von ETFs (Exchange Traded Funds). Im Gegensatz zu den klassischen Investmentfonds mit hohen Verwaltungskosten und damit geringer ausfallender Rendite kopieren ETF Indexfonds einfach die Zusammensetzung eines Index. Das spart den Fondsmanager, der den Fonds betreut und die Zusammensetzung der Aktien immer wieder anpasst, um die Werte mit schlechter Kursentwicklung auszusortieren, und erhöht die Rendite.

Mit der langfristigen Anlagestrategie spart der Buy-and-hold-Stratege die für aktive Anleger anfallenden Transaktionskosten, die bei jedem Kauf und Verkauf anfallen. Unter dem Strich schmälern diese Gebühren teils erheblich die Rendite der kurzfristigen Investoren oder vernichten sie. Hier freut sich vor allem die Bank über die Provisionen.

Ein weiterer Vorteil ist der Steuervorteil der Langfrist-Anlagen, da die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge erst bei Realisierung des Kursgewinns und damit erst am Ende der Haltedauer fällig wird. Während einer Haltedauer von 30 Jahren der Anleger das zinsfreie Steuerdarlehen vom Fiskus anderweitig zinsbringend anlegen und von dem Barwertvorteil profitieren. Bei kurzfristigen Geldanlagen wiederum wird nach jeder gewinnbringenden Transaktion die Abgeltungssteuer fällig, weil Kursgewinne direkt realisiert werden.

Langfristige Geldanlagen fordern dem Anleger eine hohe Disziplin ab, wenn für kurzfristige Investments schon längst Handlungsbedarf durch Verkauf besteht. Entwickelt sich der Kurs nicht wie erwartet oder entstehen Realverluste, wird dies bei der Buy-and-hold-Strategie konsequent ignoriert, denn der Investor steht auch in schlechten Zeiten zum Unternehmen. Dafür gibt es keine Treuepunkte und natürlich gibt es auch Anlagen, die sich nicht mehr erholen oder auf einem Kursniveau stagnieren, wie z.B. die T-Aktie.

Sollte es einmal zu einem Liquiditätsengpass kommen und zwischenzeitlich während der Haltedauer der langfristigen Investition Geld benötigt werden, sind diese Anlagen nicht geeignet, um sich vorübergehend daraus mit Geld zu versorgen. Das erfordert eine hohe Konsequenz und das Vorhalten anderer, kurzfristiger verfügbarer Gelder.

Die Kernfrage bei Buy-and-hold ist, ob diese Strategie in heutigen Zeiten von sich derart schnell verändernden Marktbedingungen und Finanzprodukten in ihrer Zusammensetzung noch zeitgemäß ist.

Der Wandel der Märkte geht weitaus schneller vonstatten als noch vor 20 Jahren. Problematisch ist, dass auf laufende Veränderungen meistens erst dann reagiert werden kann, wenn die Situation bereits eingetreten ist. Am Beispiel der Finanzkrise 2008 zeigt sich, dass viele Anleger die Warnzeichen nicht erkannt haben und hohe Verluste hinnehmen mussten. Einige Produkte sind seitdem vom Markt verschwunden, den Anlegern blieb nur der Totalverlust ihres Investments. Was als Altersvorsorge gedacht war, wurde zum Anlagegrab.

Verfechter von Buy-and-hold sehen die Langfristigkeit als einzige, auf Dauer rentable Anlagestrategie, zudem schone sie Zeit, Nerven und Budget, da keine Portfolio-Umschichtungen nötig werden. Leider muss Buy-and-hold zuweilen auch als Ausrede für Fehlentscheidungen bei der Geldanlage hinhalten. Nämlich dann, wenn Anleger die falschen Werte gekauft oder nicht rechtzeitig wieder verkauft und erhebliche Verluste zu verzeichnen haben, denn man investiere ja langfristig.

Wer wie sein Portfolio zusammenstellt, ist sehr individuell und hängt sowohl von dem verfügbaren Kapital als auch der eigenen Risikobereitschaft ab. Sinnvoll ist es, nur einen Teil des Portfolios langfristig anzulegen und nicht alles auf eine Karte zu setzen. Das gilt auch für die übrige Risikostreuung in unterschiedliche Anlageklassen, was das Risiko verringert, in einer einzigen Anlageklasse hohe Verluste einzufahren, die nicht durch eine andere zumindest teilweise ausgeglichen werden können.

Zwar raten Finanz-Experten vor allem zur Anlage in Investmentfonds, weil sie den meisten Investoren die Fähigkeit der Strukturierung ihrer Geldanlage absprechen und gut an Provisionen verdienen, doch auch Fondsmanager können irren und schlecht gemanagte Fonds gibt es immer noch zur Genüge. Auch hier gilt es, eine möglichst breite Risikostreuung vorzunehmen und nicht nur in einen Fonds zu investieren.

Neue Produkte machen aber auch den Fondsmarkt zunehmend interessanter, die Investmentfonds gehen dazu über, nicht mehr vorwiegend die klassischen Aktienfonds zu strukturieren, sondern sogenannte Multi Asset Fonds anzubieten. Im Hinterkopf sollten Anleger aber bei Investmentfonds die vergleichsweise hohen Verwaltungskosten behalten, die die Renditen aus Fonds gegenüber Einzelwerten verringern.

Wer langfristig investieren will, sollte sich auch einmal die Alternativen Investments ansehen. Anlagen in nicht traditionelle Anlageklassen können eine weit höhere Rendite erzielen als die derzeit eher mageren Erträge bei Aktien und Anleihen. Viele Anlageklassen Alternativer Investments erzielen Renditen im zweistelligen Bereich p.a. Eine empfehlenswerte Investitionsmöglichkeit imit hohen Renditechancen und überzeugender Performance in den vergangenen 3 Jahren ist z.B. Wasser. Bei den nachhaltigen Geldanlagen ergibt sich auch ein gesellschaftlicher Nutzen. Der ökologische Grundgedanke spielt natürlich auch bei den Erneuerbaren Energien eine Rolle, die ebenfalls als Alternative Investments klassifiziert werden.

Zusammenfassend lässt sich sicher sagen, dass eine Mischung sowohl aus unterschiedlichen Anlageklassen, aber auch aus langfristigen und aktiven Anlagen die optimalere Wahl ist. Wer nur auf Buy-and-hold setzt, läuft Gefahr, veränderte Marktbedingungen aus den Augen zu verlieren und nicht rechtzeitig reagieren zu können. Wenn dann auch noch das gesamte Anlagekapital in dieser Strategie gebunden ist, besteht ein vermeidbares, hohes Risiko.

Buy-and-hold muss nicht falsch oder grundsätzlich überholt sein. Es kommt darauf an, in welche Anlageklassen investiert wird und wie die betreffenden Märkte sich voraussichtlich entwickeln könnten. Bei langer Haltedauer von 20 oder 30 Jahren kann nur eine weniger sichere Prognose abgegeben werden, so dass zukunftsorientierte, gut aufgestellte Aktien-Unternehmen, aber auch Alternative Investments die besten Chancen haben dürften.

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Die Buy-and-hold-Strategie was last modified: Mai 19th, 2017 by AngelaZ