Entnahmeplan oder Sofortrente – Was lohnt sich für wen?

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Wer über einen höheren Geldbetrag verfügt, sei es durch Erbschaft, Abfindung, Auszahlung einer Lebensversicherung, Immobilienverkauf oder Kapitalerträge, kann diesen natürlich anlegen, aber möglicherweise für einen längeren Zeitraum nicht frei darüber verfügen.

Eine Alternative bietet ein Entnahmeplan oder eine Sofortrente, um aus dem Kapital neben Zinserträgen ein monatliches Zusatzeinkommen zu erhalten.

Was sind die Vor- und Nachteile von Entnahmeplan und Sofortente? Und welche Auszahlungsmethode eignet sich für wen?

Dies und mehr lesen Sie in unserem nachfolgenden Beitrag.

Was tun mit unerwartetem Geldsegen oder höheren Kapitalbeträgen?

Wer erwartet oder unerwartet zu Geld kommt oder über höhere Kapitalbeträge von beispielsweise 100.000 EUR oder mehr verfügt, kann das Geld für die Anlage in eine Sofortrente oder einen Entnahmeplan nutzen und verfügt so  über ein Zusatzeinkommen, welches ihm monatlich ausgezahlt wird sowie Erträge durch Zinsen oder Rendite erzielt.

Sofortrente und Entnahmeplan unterliegen unterschiedlichen Bedingungen und je nach persönlicher Situation kann sowohl das eine als auch das andere sinnvoll sein, um angespartes Vermögen schrittweise aufzubrauchen.

Was ist eine Sofortrente?

Auszahlungen aus Kapitalanlagen als Sofortrente werden als Geldanlage-Produkt von Versicherungsunternehmen angeboten. Es handelt sich um eine lebenslange, monatliche Auszahlung aus dem zuvor eingezahlten Anlagebetrag. Nach Kapitalanlage wird die Anlagesumme verzinst und die Auszahlung erfolgt in immer gleichen, garantierten Beträgen bis zum Lebensende.

Die Sofortrente hat den Vorteil, dass sie absolute Planungssicherheit gewährleistet. Die Höhe der monatlichen Auszahlung ändert sich auch bei Erreichen eines hohen Lebensalters und somit langer Auszahlungsdauer nicht. Diese Sicherheit lässt sich der Versicherer allerdings mit hohen Gebühren bezahlen.

Private Versicherer gewähren bei der Sofortrente in den meisten Fällen eine Rentengarantiezeit. Das bedeutet, dass Angehörige bis zum Ende der Rentengarantiezeit weiterhin die Sofortrente beziehen, wenn der Rentenbezieher vorzeitig verstirbt.

Eine Sofortrente ist mit im Vergleich zu einigen Entnahmeplan-Varianten mit unflexiblen Vertragsbedingungen verbunden. So kann der Vertrag beispielsweise nicht vorzeitig beendet werden, weil man möglicherweise unvorhergesehen liquide Mittel benötigt. Nachträgliche Anpassungen, beispielsweise an eine geänderte, individuelle Lebenssituation, sind ebenfalls nicht möglich.

Was ist ein Entnahmeplan?

Entnahmepläne gibt es in unterschiedlichen Varianten. Sie werden von Banken und Fondsgesellschaften zu unterschiedlichen Laufzeiten angeboten.

Bank-Entnahmeplan – Sichere Zahlungen, aber geringe Zinserträge

Der Bank-Entnahmeplan sieht monatliche Auszahlungen während der vereinbarten Vertragslaufzeit vor. Die Laufzeit kann unterschiedlich lange vereinbart werden, z.B. 5 oder 25 Jahre, jedoch sind die Zinsen der Banken vor allem derzeit sehr gering. Bei längerer Laufzeit verringern sie sich infolge des Zinsänderungsrisikos nochmals, so dass nur wenig Zinsertrag erzielt wird und die Auszahlungen praktisch nur aus dem Anlagekapital erfolgen. Diese Anlageform wird auch als Anlage mit sogenanntem Kapitalverzehr bezeichnet. Das Kapital wird durch die Auszahlungen aufgebraucht. Bei Ende der Laufzeit erfolgt keine Ausschüttung von vorhandenem Restkapital.

Auch der Bank-Entnahmeplan ist sicher kalkulierbar, die Zinsen sind fest vereinbart, ebenso die Laufzeit. Doch wie bei der Sofortrente sind die Vertragsbedingungen recht starr. Vor Laufzeitende besteht keine Möglichkeit des Ausstiegs aus dem Vertrag durch vorzeitige Kündigung. Auch bei der Höhe der Auszahlung besteht kein bis nur wenig Spielraum.

Fonds-Entnahmeplan – Sehr flexibel bei weniger Renditesicherheit

Ein Fonds-Entnahmeplan gibt sich im Vergleich zum Bank-Entnahmeplan wesentlich flexibler. Die Höhe der Auszahlung lässt sich flexibel an die Bedürfnisse anpassen, d.h. die Entnahme kann ganz entfallen oder auch eine höhere Summe entnommen werden. Wer sich die gesamte Anlagesumme auszahlen lassen möchte, kann dies durch vorzeitiges Beenden des Entnahmeplans ebenfalls tun.

In welche Fonds man investiert, steht einem frei, entweder in die Fonds des Anbieters oder in andere Fonds. Es können auch Umschichtungen vorgenommen werden, wenn man die Geldanlage lieber auf einen anderen Fonds verlagern möchte, weil beispielsweise zu Rendite erzielt wird.

Diese Flexibilität schlägt sich jedoch in den anfallenden Kosten nieder. Die Gebühren für Fonds-Entnahmepläne sind hoch.

Der Nachteil von Fonds-Entnahmeplänen liegt vor allem in der Renditesicherheit. Eine Planungssicherheit gibt es nicht, Kurseinbrüche oder die falsche Zusammensetzung des Portfolios kann das Zusatzeinkommen erheblich schmälern oder ganz vernichten. Als alleinige Altersversorgung eignet sich ein Fonds-Entnahmeplan deshalb nicht, obwohl andererseits natürlich auch hohe Renditeerträge möglich sind, die das monatliche Zusatzeinkommen auch erfreulich höher ausfallen lassen.

Fonds-Entnahmeplan mit ETFs – Kostensparend & flexibel

Die Investition kann nicht nur in die aktiv gemanagten Fonds der Fondsgesellschaft erfolgen, sondern auch in ETFs (Exchange Trades Funds), die direkt über die Börse gehandelt werden und zu 100% einen Index wie beispielsweise den DAX oder den MDAX kopieren. Der Vorteil von ETFs liegt vor allem an den weitaus geringeren Kosten im Vergleich zu den klassischen, gemanagten Investmentfonds, bei denen bis zu 5% Ausgabeaufschlag des eingezahlten Kapitals berechnet werden können, während bei ETFs die Gebühr meist zwischen 0,2-0,5% beträgt.

Der Wert kann bei ETFs, die wie die enthaltenen Aktien fortlaufend an der Börse gehandelt werden, jederzeit festgestellt werden, während der Kurs anderer Fonds nur einmal täglich festgestellt wird. Ein optimaler Ein- oder Ausstiegszeitpunkt lässt sich so bei ETFs wesentlich leichter und schneller ermitteln.

Worin besteht der Unterschied zwischen Entnahmeplan und Sofortrente?

Bei der Sofortrente wird der Betrag lebenslang ausgezahlt, bei einem Entnahme- bzw. Auszahlungsplan endet die Auszahlung nach der vereinbarten Laufzeit. Da man nicht weiß, wie alt man wird, klingt die Sofortrente zunächst attraktiver, denn schließlich kann bei einem Entnahmeplan möglicherweise noch lange Zeit nach Laufzeitende bis zum Lebensende vergehen und eine finanzielle Lücke entstehen.

Das haben aber auch die Anbieter bei Sofortrenten mit der Verpflichtung zur lebenslangen Auszahlung berücksichtigt und die Höhe der monatlichen Auszahlung einer hohen Lebenserwartung angepasst. Bei der Sofortrente muss man also mit relativ geringen monatlichen Auszahlungsbeträgen im Verhältnis zum Gesamtkapital rechnen. Je niedriger das Lebensalter, desto geringer natürlich auch die monatliche Rente. Laut „Öko-Test“ beträgt der Auszahlungsbetrag ab dem 65. Lebensjahr bei einem eingezahlten Kapital von 100.000 EUR 325 EUR monatlich inkl. Todesfallschutz zugunsten der Angehörigen, ohne somit bei 365 EUR.

Besteuerung von Zusatzeinkommen aus Sofortrente und Entnahmeplan

Die Sofortrente bietet jedoch ein Steuervorteil gegenüber dem Entnahmeplan. Der Anteil der erzielten Erträge aus dem Kapital wird zum persönlichen Einkommenssteuersatz besteuert. Der Entnahmeplan bei Banken und Fondsgesellschaften unterliegt dagegen der vollen Abgeltungssteuer von 25%, unabhängig vom persönlichen Steuersatz. Die Differenz zum persönlichen Steuersatz kann aber über die Einkommensteuererklärung steuerlich geltend gemacht werden.

Steuerfrei ist das Zusatzeinkommen aus dem Entnahmeplan nur für Rentner, die eine Grundsicherung aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen. Entsprechend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Rentner mit Grundsicherung zu einem höheren Kapitalbetrag kommt, den er als monatliches Zusatzeinkommen anlegen kann.

Kurze Laufzeiten von Entnahmeplänen bringen höhere Zinserträge

Trotz Abgeltungssteuer können Entnahmepläne aber unter dem Strich höhere Zinserträge und damit auch höhere Auszahlungsbeträge erzielen. Werden Verträge mit kurzen Laufzeiten von beispielsweise 10 Jahren oder 5 Jahren abgeschlossen, gewähren Banken aufgrund des Zinsänderungsrisikos höhere Zinsen als bei Verträgen mit z.B. 25 Jahren Laufzeit.

Wer auf höhere Zinserträge spekuliert kann auch mehrere einzelne Entnahmepläne hintereinander mit jeweils kurzer Laufzeit vereinbaren.

Entnahmepläne ohne Kapitalverzehr – Einkommen aus Zinsen

Wer über sehr viel Kapital verfügt – oder weniger Rente ohne Zusatzeinkommen benötigt –, für den eignen sich Entnahmepläne ohne Kapitalverzehr. Er zahlt das Kapital ein, erhält aber monatlich nur die Zinsen aus der Geldanlage. Am Ende der vereinbarten Laufzeit wird das angelegte Kapital ausbezahlt.

Fazit zu Entnahmeplan oder Sofortrente

Bei größeren Geldeinnahmen infolge von Verkäufen von Vermögenswerten, Erbschaft, Abfindung, Auszahlung einer Lebensversicherung, Kapitalertrag oder angespartem Vermögen usw. stellt sich die Frage, was tun mit dem Geld. Man kann es am Kapitalmarkt anlegen, Aktien kaufen, in Immobilien anlegen oder als Unternehmensbeteiligung einbringen usw.

Viele Menschen wünschen sich aber ein langfristiges Zusatzeinkommen, zusätzlich zu Gehalt oder Rente. Um das Kapital schrittweise zu verbrauchen und praktisch ab sofort davon durch ein insgesamt höheres Einkommen zu profitieren, eignen sich die Sofortrente oder der Entnahmeplan. Anbieter sind Versicherer, Banken oder Fondsgesellschaften. Im Internet finden sich viele Anbietervergleiche und Rankings.

Entnahmeplan und Sofortrente jeweils für sich genommen, haben ihre Vor- und Nachteile. Entscheidend ist die persönliche Lebenssituation, Höhe der Auszahlung und ob die absolute Sicherheit einer Sofortrente mit fehlender Flexibilität, aber garantiert lebenslanger Auszahlung oder die sehr flexible Fonds-Entnahmeplan-Lösung zu höheren Kosten und weniger Renditesicherheit gewünscht ist. Weitere Faktoren sind die erzielbaren Zinserträge bei Bank-Entnahmeplänen und die Laufzeiten.

Entnahmepläne werden zu unterschiedlichen Laufzeiten abgeschlossen. Zwar erhält man bei kürzeren Laufzeiten höhere Zinsen und auch höhere Auszahlungsbeträge, was aber dann problematisch wird, wenn nach Ablauf und Kapitalverbrauch eine finanzielle Lücke entsteht, weil das Zusatzeinkommen fehlt. Abhilfe können mehrere Entnahmepläne hintereinander schaffen.

Bei der Sofortrente kann man sich auf die festen Auszahlungsbeträge lebenslang verlassen. Allerdings kalkulieren die Versicherer mit einer hohen Lebenserwartung, so dass die monatlichen Beträge relativ niedrig ausfallen. Eine Beendigung der Sofortrente ist nicht möglich, d.h. die Ansparsumme kann nicht wie bei einer Lebensversicherung vorzeitig in Anspruch genommen werden, weil z.B. unerwartet Liquidität benötigt wird.

Entnahmepläne sind sowohl als Bank-Entnahmeplan mit festem Zinssatz und garantierter Auszahlungshöhe als auch als flexibler Fonds-Entnahmeplan mit Renditechancen, aber auch -risiken erhältlich. Fondsgesellschaften lassen sich die hohe Flexibilität aber teuer durch Gebühren bezahlen. Der Ausgabeaufschlag kann bis zu 5% der Anlagesumme betragen. Weit günstiger sind Fonds-Entnahmepläne mit ETFs (Exchange Traded Funds). Die Kosten sind mit 0,2-0,5% weit weniger hoch.

Eine sinnvolle Kombination stellen Bank- und Fonds- bzw. ETF-Entnahmeplan mit unterschiedlichen Laufzeiten dar. Wenn das Zusatzeinkommen langfristig als zusätzliche Renteneinnahme dienen soll, muss aber beachtet werden, dass die Laufzeiten über eine realistische Lebenserwartung zu legen sind und die jeweiligen Kapitalinvestitionen entsprechend niedriger ausfallen, weil sie verteilt werden müssen. Wer auf Nummer Sicher gehen will und nicht auf Zinserträge und Rendite der Entnahmepläne zugunsten höherer Auszahlung setzt, ist mit der lebenslangen Sofortrente besser bedient.

Bei Produkten von Banken und Fondsgesellschaften ist im Gegensatz zur Sofortrente die Abgeltungssteuer von 25% fällig. Die Differenz zum persönlichen Steuersatz kann über die jährliche Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden. Steuerfrei sind Entnahmepläne nur für Rentner, die eine Grundsicherung als Rente erhalten, wobei es unwahrscheinlich erscheint, wenn sie dann über das Kapital für einen Entnahmeplan verfügen.

Die Sofortrente bietet einen Steuervorteil. Es werden nur die Erträge aus der Anlage zum persönlichen Steuersatz versteuert.

Wer es sich leisten kann und über eine ausreichend hohe Anlagesumme verfügt, kann natürlich auch von den Zinsen leben. Hier bietet sich ein Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr bzw. mit Kapitalerhalt an. Monatlich werden dann nur die Erträge (Zinsen) ausgezahlt. Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger sein Kapital vollständig zurück.

Im Internet finden Sie zahlreiche Rechner für Entnahmepläne. Durch Eingabe der erforderlichen Parameter wie Anlagesumme, Laufzeit, Auszahlungsweise (monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich) und ob mit oder ohne Kapitalerhalt berechnen sie die Auszahlungshöhe und die Zinsen für den Entnahmeplan. Bei Anbietern von Sofortrenten ist die Anlagesumme und das Lebensalter relevant, um die monatliche, lebenslange Auszahlungssumme zu errechnen.

Insgesamt gesehen hängt die Entscheidung für eine Sofortrente oder einen Entnahmeplan von der Höhe des Kapitals ab und wie lange man davon leben kann bzw. muss. Ist man auf das Zusatzeinkommen nicht angewiesen oder benötigt es nur vorübergehend, erweist sich die Sofortrente als Knebel. Es besteht keine Möglichkeit an die Anlagesumme heranzukommen, wenn man auf die monatlichen Zahlungen auch gut verzichten kann, weil sie ohnehin nicht sehr hoch und bis zum Lebensende garantiert sind.

Benötigt man irgendwann doch einmal Liquidität, können aus Fonds-Entnahmeplänen auch größere Summen ausgezahlt und im Gegenzug auch für eine Zeitlang keine Gelder entnommen werden. Außerdem stellt eine Portfolio-Umschichtung oder eine vorzeitige Beendigung keinerlei Probleme dar. Hier sollte man sich überlegen, ob man für die durchaus hohe Flexibilität nicht die höheren Kosten in Kauf nimmt.

Vorsichtig sollte man auf jeden Fall bei der Investition der vollen zur Verfügung stehenden Anlagesumme allein in einen Bank-Entnahmeplan sein. Die Zinsen sind überaus gering und es bestehen starre Vertragsbedingungen. Nach kurzen Laufzeiten mit zwar etwas höheren Zinsen und monatlich Auszahlungen ist das Anlagekapital jedoch aufgebraucht. Ob das zusätzliche, monatliche Einkommen Ihnen dann fehlen wird, sollten Sie deshalb lieber vorher abwägen, soweit möglich. Vielleicht könnten Sie es später nach Laufzeitende in 10 Jahren besonders gut gebrauchen oder auch schon vorher darauf verzichten.

Es besteht aber nicht nur die Alternative zwischen Sofortrente und Entnahmeplan, um ein Zusatzeinkommen aus vorhandenem Anlagekapital zu erhalten. Passives Einkommen kann auch mit anderen Investitionsmöglichkeiten kombiniert erzielt werden. Lesen Sie hierzu auch unseren ausführlichen Beitrag zum Thema Passives Einkommen generieren.

Ist ausreichend Kapital vorhanden, sind vielleicht auch direkte oder indirekte Unternehmensbeteiligungen als Eigenkapitalfinanzierung eine Alternative. Die sogenannten Alternativen Investments bieten eine Vielzahl von Investitionsmöglichkeiten. Hierzu gehören beispielsweise auch Hedgefonds, Investments in Kunst und Kultur, Sport oder grünen Energien. Auch hier ist jedoch ausreichend investierbares Vermögen erforderlich.

 

Entnahmeplan oder Sofortrente – Was lohnt sich für wen? was last modified: September 11th, 2016 by AngelaZ