Geldanlage: Ein einfacher Leitfaden

Geldanlage Investment

Geldanlage dient nicht nur der gewinnbringenden Vermehrung von Kapital, welches kurzfristig nicht benötigt wird, sondern bildet auch eine Reserve für unerwartete Ausgaben, geplante Anschaffungen, der privaten Altersvorsorge oder der Vorsorge bei Berufsunfähigkeit. Unterschiedliche Anlagemöglichkeiten eignen sich für Privatanleger mit hohem oder niedrigem Sparpotential.

Wie hoch ist das jeweilige Risiko? Mit welchen Renditen kann man rechnen? Und welche Geldanlage eignet sich für wen?

In unserem einfachen Leitfaden für die Geldanlage erfahren Sie, welche Geldanlage zu Ihnen passt.

Geldanlage für Berufseinsteiger – Bildung von Notfall-Reserven & Sparen mit Fonds

Berufseinsteiger haben zunächst einige Kosten zu bestreiten. Neben der eigenen Wohnung, gegebenenfalls einem Umzug in eine andere Stadt, Mietkaution, Anschaffungen wie Wohnungseinrichtung, Kleidung für den Beruf, Technik wie ein neues Notebook & Smartphone usw. fallen nun eine regelmäßige Miete & Nebenkosten, Fahrtkosten, Einkäufe und natürlich auch Kosten für die Freizeitgestaltung wie Sport, Treffen mit Freunden & den neuen Kollegen, Restaurants oder Kulturangebote an, die bezahlt werden wollen.

Zunächst ist es sicher sinnvoll, die ersten Gehälter abzuwarten und davon die wichtigen Dinge bei angemessenem Ausgabeverhalten im Verhältnis zum verfügbaren Nettoeinkommen abzüglich der neuen, laufenden Kosten anzuschaffen.

Finger weg von Raten- & Überziehungskrediten und Ratenkäufen

Gefährlich sind Anschaffungen auf Ratenkauf oder Raten- und Überziehungskredite bei Banken. Nach Ablauf der Probezeit im neuen Beruf sind viele Banken in der Regel schnell bereit, einen Ratenkredit anzubieten oder einen Überziehungsrahmen für das Girokonto, auf dem nun das monatliche Gehalt eingeht, einzuräumen. Meist handelt es sich zunächst 3 volle Netto-Gehälter oder gar mehr. Viel Geld, um einen ausgeschöpften Überziehungsrahmen von dem tatsächlich verfügbaren Netto-Gehalt zurückzuzahlen.

Raten- oder Dispositionskredite sind teuer und bescheren den Banken lukrative Zinsen und Gebühren. Für den Kreditnehmer sind sie letztendlich schädlich. Erst recht, wenn sie immer wieder aufgestockt oder auf einen neuen Ratenkredit umfinanziert werden, um das Girokonto von Zeit zu Zeit auszugleichen. Starten Sie deshalb nicht mit laufenden Schulden ins Berufsleben und bauen Sie Ihren neuen Lebensstandard langsam und solide auf.

Zusätzliche Versicherungen & Vorsorge – Was ist wichtig?

Zunächst sollten Sie sich auch überlegen, welche zusätzlichen Versicherungen Sie neben der nötigen Haftpflicht-, Hausrat- und Kfz-Versicherung benötigen und wie sie in eine private Altersvorsorge einsteigen können.

Berufsunfähigkeits-Versicherungen genau vergleichen

Berufsunfähigkeits-Versicherungen sind zwar vergleichsweise teuer, schützen aber vor dem Risiko, bei Krankheit oder Unfall vorübergehend oder dauerhaft arbeitsunfähig zu werden. Bei Berufsunfähigkeit ist ein genauer Vergleich erforderlich, die Leistungen, Prämien und Bedingungen sind höchst unterschiedlich.

Private Altersvorsorge – Riesterrente & andere Vorsorgeprodukte

Je eher junge Menschen in die private Altersvorsorge investieren, desto mehr können sie im Alter davon profitieren. Das angesparte Kapital stockt die defizitäre gesetzliche Rentenversicherung auf und mit staatlich geförderten private Vorsorge-Produkten der Riesterrente für Arbeitnehmer schöpfen Berufseinsteiger die volle Förderung über einen längstmöglichen Zeitraum und den Steuervorteil aus. Gut verdienende Arbeitnehmer, die relativ hohe Beiträge einzahlen können (bis zu 2.100 EUR jährlich), sollten die Riester-Vorsorgeprodukte ebenfalls prüfen. Sie sind als klassische (mit monatlichen Beiträgen), fondsgebundene (risikoreicher, jedoch mit höherer Rendite) oder als Sofortrente (hohe Einmalzahlung erforderlich und nur für rentennahe Jahrgänge interessant) bei Banken, Versicherungen und Investmentgesellschaften erhältlich.

Alternativ kann man auch private Lebensversicherungen zur Altersvorsorge investieren. Vorteil gegenüber den staatlichen geförderten Produkten, die nur als lebenslange Rente ab dem 60. bzw. 62. Lebensjahr ausgezahlt werden: Lebensversicherungen können auch eine vorzeitig gekündigt oder das Kapital während der Laufzeit beliehen werden.

Betriebsrenten sind neben gesetzlicher Rentenversicherung und privater Altersvorsorge ein weiterer Pfeiler der Altersversorgung. Wessen Arbeitgeber eine Betriebsrente anbietet, sollte deshalb zugreifen.

Bildung von kurzfristig verfügbaren Notfall-Reserven & Rücklagen

Bevor Berufseinsteiger mit der langfristigen Geldanlage beginnen, sollten sie – wie alle anderen Arbeitnehmer auch – zunächst einige Notfall-Reserven schaffen, die im Bedarfsfall auch kurzfristig abgerufen werden können. Hierfür eignen sich die traditionellen Sparanlagen wie Tages-, Festgeld- und Sparbücher, deren Konditionen zuvor verglichen werden sollten. Wer bei seiner Bank, bei der das Gehaltskonto geführt wird, keine Zinsen bekommt, kann sein Geld auch bei einer anderen Bank als Tages- oder Festgeld anlegen.

Die Höhe dieser Rücklagen richtet sich nach dem Einkommen und die Summe sollte idealerweise mindestens 3 Nettogehälter betragen. Wer z.B. – verschuldet oder unverschuldet – seinen Job verliert, muss dann nicht gleich in Panik verfallen und kann einige Zeit überbrücken. Sperrungen von Arbeitslosengeld oder der anteilige Betrag vom Nettoeinkommen können so im Ernstfall besser aufgefangen werden.

An 2. Stelle kommt die Geldanlage für geplante Anschaffungen oder Investitionen. Wer z.B. in 6 Monaten eine Anschaffung plant, erhält auf dem Festgeld-Konto höhere Zinsen als auf einem täglich verfügbaren Tagesgeld-Konto.

Wichtig für BaFög-Studenten: Rückzahlung des BaFög-Kredits einplanen. BaFög muss zwar erst nach 5 Jahren Erwerbstätigkeit zurückgezahlt werden, wird aber häufig vergessen oder auch gerne verdrängt. Viele Arbeitnehmer stehen dann vor einem Problem, weil sie diese künftigen Zahlungen bei ihrer Geldanlage und Vermögensplanung nicht berücksichtigt haben.

Traditionelle Sparanlagen: Tages- & Festgeld und Sparbücher

Die traditionellen Sparanlagen der Banken wie Tages-, Festgeld oder Sparbücher bringen dem Sparer aufgrund der derzeitigen Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB) so gut wie keinen Zinsertrag. Sie haben jedoch den Vorteil, dass die angelegten Beträge je nach Anlageart und -Zeitraum kurzfristig verfügbar sind, wenn sie benötigt werden. Zwar ebenfalls niedrig, aber etwas besser sind die Zinsen bei den Direktbanken, die im Vergleich zu den Filialbanken auch geringere Gebühren verlangen.

Fonds-Sparen ab geringen monatlichen Einzahlungen & guter Rendite

Sind die Rücklagen gebildet, können sich Sparer mit monatlichen oder Einmalzahlungen an Fonds beteiligen. Ab nur 25 oder 50 EUR monatlich eignet sich diese Geldanlage auch für Studenten und Berufsanfänger, die mit kleinerem Budget auskommen müssen.

Sparpläne werden über einen Zeitraum von 7 Jahren abgeschlossen, es handelt sich hier also schon um ein längerfristiges Investment. Davon wird 6 Jahre lang gespart, 1 Jahr ruht der Vertrag, während die bisherigen Einlagen und Erträge verzinst werden. Anschließend kann die Auszahlung erfolgen oder das Geld neu angelegt werden. Bei recht guten Renditen, z.B. gemanagten Aktien-Fonds, die allerdings höhere Gebühren verursachen, ist Fonds-Sparen im Vergleich zu direkten Aktieninvestments weniger risikoreich.

Günstige ETFs – Auch als Sparplan erhältlich

Günstiger sind die sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds). Einige sind auch als Sparpläne mit niedrigen Einzahlungen erhältlich.

Ein ETF kopiert einen Index, wie z.B. den deutschen DAX mit den 30 größten deutschen Börsenunternehmen, in einen Anlagefonds und bildet ihn 1:1 nach. ETFs sind börsennotiert und nicht sparplangebundene ETFs können jederzeit am Markt ge- oder verkauft, aber natürlich auch langfristig gehalten werden.  Im Gegensatz zu den aktiven (gemanagten) Fonds handelt es sich bei ETFs um passive Fonds, die keinen Fondsmanager benötigen und deshalb nur geringe Verwaltungskosten (Gebühren) verursachen. Die Gebühren betragen durchschnittlich bis zu etwa 0,2% p.a. und sind damit weitaus günstiger als die gemanagten Fonds der Investmentgesellschaften.

Weitere Geldanlagen für Privatanleger

Direkte Investitionen in Einzelaktien

Aktien sind nach wie vor sehr gefragt, können jedoch hohe Gewinne oder Verluste bescheren, sie unterliegen einem hohen Handelsrisiko. Aktionäre beteiligen sich mit dem Kauf von Einzelaktien über ein Aktiendepot bei einem Broker direkt am börsennotierten Unternehmen.

Als Anteilseigner sind sie jederzeit berechtigt, Informationen – soweit für Aktionäre vorgesehen – wie Geschäftsberichte, Quartals-, Halbjahres- oder Jahresergebnisse sowie auf Anfrage auch Erläuterungen zu unternehmensrelevanten Themen zu erhalten und werden als stimmberechtigte Teilnehmer zu ordentlichen und außerordentlichen Hauptversammlungen eingeladen.

Je nach Unternehmenserfolg und damit auch der Aktie durch die getätigten Handelsabschlüsse von Käufern und Verkäufern (Angebot & Nachfrage) steigt oder sinkt der Kurs des jeweiligen Wertpapiers.

Um das Risiko von Investments in Einzelaktien zu begrenzen, ist eine möglichst breite Risikostreuung erforderlich, d.h. es ist sinnvoll in viele unterschiedliche Aktien mit einer Beimischung anderer Anlageprodukte zu investieren und nicht nur in ein einzelnes großes Aktien-Paket. Sinkt ein Wert im eigenen Portfolio, können andere diesen Verlust gegebenenfalls auffangen.

Indizes – Viele Anteile zahlreichen großen oder kleinen Börsenunternehmen

Indizes enthalten viele verschiedene Aktien- und Börsenwerte in unterschiedlicher Anzahl und Gewichtung. Sie bilden einen Markt oder Branche ab und werden als Kurs- oder Performance-Index dargestellt. An einem Index lässt sich ablesen, ob sich der jeweilige Markt nach oben oder unten bewegt; ein Index gilt deshalb als sogenanntes Börsenbarometer.

Investment-Anteile an einem Index werden unabhängig von der Höhe der Kapitaleinlage nur prozentual am Gesamt-Index und nicht in Aktienanteilen an den jeweils im Index enthaltenen Unternehmen dargestellt. Im Gegensatz dazu werden sie bei Investitionen in Einzelaktien werden sie als Stückzahl, den Stückaktien, angegeben.

Aktien-Fonds – Renditevorteile durch langfristige Geldanlage & Portfolio-Management

Mit der Geldanlage in Aktien-Fonds beteiligt sich der Investor nicht wie bei den Indizes an vielen börsennotierten Unternehmen, sondern an dem Fonds. Der Fonds selbst bzw. die fondsverwaltende Investmentgesellschaft übernimmt praktisch die Rolle der anteiligen Beteiligung an den darin enthaltenen Aktien der Unternehmen. Aktien-Fonds können unterschiedlich ausgerichtet sein, z.B. nach Unternehmen, Branchen, Ländern oder Regionen.

Der jeweils aktuelle Wert der Kapitaleinlage des Anlegers ergibt sich aus den Kursveränderungen der im Fonds enthaltenen Unternehmensaktien oder anderer börsennotierter Produkte, die vereinzelt beigemischt werden, um eine Risikostreuung innerhalb des Fonds vorzunehmen. Aktien-Fonds eignen sich für die langfristige Geldanlage und können erfreuliche Renditen aber auch Verluste erzielen.

Bei Aktien-Fonds handelt es sich um aktiv gemanagte Fonds. Fondsmanager der Investmentgesellschaften betreuen die Fonds und optimieren die Zusammensetzung der enthaltenen Aktienwerte durch Umschichtung bei positiven oder negativen Marktveränderungen. Aktive Fonds verursachen höhere Kosten durch Fondsmanagement und Verwaltung, die Gebühren sind deshalb höher als z.B. die passiven ETF Index-Fonds.

Mit sicheren Geldanlagen kurz-, mittel- und langfristig investieren

Keine Geldanlage ist ohne Risiko, selbst Tages-, Festgeld- und Sparbuch unterliegen den jeweiligen Zinsen, denn der Anleger kann nicht darauf vertrauen, dass er auf immer und ewig mindestens die gleichen oder steigende Zinsen für sein Kapital erhält, sondern nur, wenn diese für die Dauer einer bestimmten Laufzeit festgelegt werden. Zwar verringert sich das eingezahlte Kapital nicht, aber Zinsen können sinken und dann lohnt sich die Geldanlage nicht. Im Gegenteil, sie nützt nur dem Anlageunternehmen wie der Bank, weil der Anleger das Geld ohne Gegenleistung verleiht. Lediglich beim Festgeld steht der Zins bis zum Ende der Laufzeit fest. Dafür kann der Anleger aber auch bis zum Laufzeitende nicht über sein Kapital verfügen und es abrufen.

Bei Null- und Niedrigzinsen kommt es außerdem auf die Inflationsrate an. Ist diese höher als die Zinsen, erleidet der Anleger einen Realverlust. Das heißt, sein Kapital ist tatsächlich weniger wert, weil er für den Betrag, den er angelegt und der sich durch Zinsen nicht erhöht hat, weniger kaufen kann.

Zu den sicheren, kurzfristigen (bis zu 1 Jahr) Geldanlagen zählen:

  • Tagesgeld
  • Festgeld (Verfügbarkeit abhängig von der vereinbarten Laufzeit)
  • Sparbuch
  • Staatsanleihen & Bundeswertpapiere

Mittel- und langfristige (länger als 1 Jahr) Anlagen, die als sicher gelten, sind:

  • Fest verzinste Geldanlagen bei Kreditinstituten (Spareinlagen, Sparbriefe & Banksparpläne)
  • Bundesanleihen, -obligationen (= Staatsanleihen & Bundeswertpapiere mit einer Laufzeit von mehr als 1 Jahr)
  • Anleihen mit fester Verzinsung (festverzinsliche Wertpapiere) wie Unternehmensanleihen von soliden börsennotierten Unternehmen und Pfandbriefe der Hypotheken- & Landesbanken, wobei diese einem Kursrisiko unterliegen, wenn sie nicht bis zum Ende der vereinbarten Laufzeit gehalten werden (Auslaufen einer Anleihe)

Bei allen aufgeführten kurz-, mittel- und langfristigen Geldanlagen ist die Verzinsung bei Beginn bekannt, nur beim Tagesgeld variiert der tägliche Zinssatz und beim Sparbuch kann er sich im Laufe der Zeit ändern.

Voraussetzung für alle als sicher bezeichneten Geldanlagen bei deutschen Kreditinstituten (Banken), also ausgenommen Staatsanleihen, Bundeswertpapiere sowie Unternehmensanleihen, ist eine Einlagensicherung über den Bundesverband deutscher Banken e.V.

Hochspekulative & andere risikoreiche Geldanlagen für Privatanleger

Zu den hoch spekulativen Geldanlagen zählen z.B. Derivate und Hebelprodukte, Geldmarkt-Spekulationen oder Hedgefonds, die jedoch vorwiegend für institutionelle Anleger oder sehr vermögende Privatinvestoren investierbar sind.

Weitere Anlagemöglichkeiten sind andere Alternative Investments wie Private Equity, Venture Capital, Investments in grüne Energien, Kunst & Kultur, Sport, Immobilien oder spezielle Finanzprodukte des Kapitalmarktes wie geschlossene Fonds.

Für diese Kapitalanlagen sind vergleichsweise hohe Investitionen erforderlich. Sie bergen ein hohes bis sehr hohes Risiko und eignen sich nur für Anleger, die sich mit der jeweiligen Anlagemöglichkeit intensiv befasst und beraten lassen haben. Hier besteht keine Sicherheit, sein Kapital ganz oder teilweise zurückzubekommen und ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen.

Zu den risikoreichen Anlagen zählen auch die o.g. Investitionen in Einzelaktien, Zertifikate, Optionen, Optionsscheine und Anleihen unsolider Unternehmen mit schlechter Bonität sowie Kapitaleinlagen bei Banken, die keiner Einlagensicherung unterliegen.

Auf keinen Fall sollten Privatinvestoren ihr Kapital über einen Kredit finanzieren, um es anzulegen. Die Summe der investierten Beträge sollte in jedem Fall nur mit dem Geld erfolgen, welches je nach Anlageprodukt und dessen Laufzeit nicht kurz-, mittel- oder langfristig benötigt wird. Ausgenommen von dieser Regel ist Tagesgeld und Sparbuchguthaben, da es praktisch jederzeit verfügbar ist. Mit unterschiedlichen Anlageformen und einer sinnvollen Mischung stellen Privatanleger sicher, dass sie durch Risikostreuung Verluste und damit das Risiko begrenzen können.

 
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Geldanlage: Ein einfacher Leitfaden was last modified: Juli 8th, 2016 by AngelaZ