In Kunst und Kultur investieren

Kunst Moderne Kunst

Wenn selbst Banken in Kunst und Kultur investieren, muss ja etwas dran sein an dieser Form der Geldanlage. Viele private Anleger fragen sich, welche Alternativen sie zu Niedrigzinsen haben und wo nachhaltige Wertsteigerung von Investments möglich ist.

Der Markt unterliegt starken Schwankungen und für viele Anleger, die in Kunst nicht sehr bewandert sind, ist es ein äußerst schwieriger Markt. Nicht einfacher wird er durch sich ändernde Moden und der hohen Liquidität neuer Kunst-Investoren aus China, Russland oder den Arabischen Emiraten, die Kunstobjekte für exorbitante Preise als Statussymbol erwerben. Echte Kunstliebhaber sehen diese Entwicklung als Bedrohung, denn sie investieren in die Kunst an sich, der Vermögensaufbau ist für sie nachranging oder spielt gar keine Rolle. Einige Kunstwerke, die in Museen der Öffentlichkeit zugänglich sein sollten, sind aufgrund leerer Museumskassen vom Markt verschwunden und fristen ihr Dasein in den privaten Salons der Neureichen.

Doch nicht alle Kunstobjekte sind museumstauglich und können als Geldanlage durchaus vielversprechend sein. Dafür ist jedoch ein umfassendes Kunst- und Marktverständnis erforderlich.

Was macht den Kunstmarkt so speziell?

Im Gegensatz zu den Finanzmärkten ist der Kunstmarkt weit weniger transparent und folgt anderen Gesetzen als z.B. der Aktien- oder Geldmarkt. Regen Zulauf verzeichnen Investitionen in Kunst und Kultur insbesondere seit den 80er-Jahren und vor allem nach der Finanzkrise mangels Alternativen an Geldanlagen.

Wirtschaftliche Einflüsse wie hohe Arbeitslosenzahlen, die sich unmittelbar auf die Finanzmärkte wie beispielsweise Aktienidizes wie den DAX negativ auswirken, oder signifikante globale Ereignisse wie Terroranschläge können dem Kunstmarkt nichts anhaben, er ist regelrecht immun gegen äußere Faktoren dieser Art. Der Boom am Kunstmarkt nach der Finanzkrise 2008 war u.a. auch der hohen Liquidität durch „billiges“ Geld der Notenbanken zu verdanken, die sie in die Märkte pumpten.

Vor allem Moderne Kunst findet Interessenten, wohl auch, weil Käufer die Chance auf eine vielfache Wertsteigerung von bis dato unbekannten Künstlern sehen. Für etablierte, teure Künstler wie Gerhard Richter werden Millionen im zweistelligen Bereich gezahlt. Dagegen sind ehemals stark nachgefragte Künstler wie der Engländer Damian Hurst stark rückläufig. Viele Auktionshäuser lehnen Angebote ab, auch Antiquitäten sind derzeit kaum gefragt. Zu imageschädigend wäre eine Sotheby‘s-Auktion, wenn kein Käuferinteresse an dem Objekt besteht. Das macht deutlich, dass der Kunstmarkt stark den sich laufend ändernden Trends unterliegt.

Kunst Sothebys Auktion

Für viele Kunstinvestoren ist es zudem eine Prestigefrage, in welche Werke sie investieren. Häufig zahlen sie deshalb dafür beinahe jeden Preis. Ihnen geht es nicht (nur) darum, eine Sammlung zu vervollständigen oder einen Wertzuwachs ihres Vermögens zu verzeichnen, sondern um die Anerkennung, Besitzer des Kunstobjektes zu sein – im Gegensatz zum Mäzenatentum wohlhabender Sammler, die ihre Werke Museen oder anderen Institutionen als Leihgabe für die Öffentlichkeit zugänglich machen oder sie verschenken oder vererben. Die Interessen am Kunstmarkt sind durchaus sehr verschieden. Das erschwert eine reale Preisfindung und Angebot und Nachfrage sind schwer einschätzbar.

Investitionen in Kunst und Kultur erfordern deshalb ein detailliertes Insider-Wissen und vor allem ein umfangreiches Kunstverständnis, um in dem risikoreichen Marktumfeld erfolgreich zu sein. Da viele Anleger nicht über diese speziellen Kenntnisse verfügen, tummelt sich eine Vielzahl von guten und schlechten Kunstberatern in der Szene.

Wie wichtig sind Berater in diesem Markt?

Kunstberater übernehmen zunächst praktisch die Funktion eines Agenten für den Anleger. Idealerweise sollen sie aber nicht nur vielversprechende oder die gesuchten Werke am Markt ausfindig machen, den Kontakt zum Verkäufer herstellen und die Verhandlungen begleiten, sondern dem Anleger gegebenenfalls auch das nötige Wissen und Kunstverständnis vermitteln. Natürlich erhält der Kunstberater für erfolgreiche Vermittlung bei Kauf oder Verkauf eine erfolgsabhängige Provision.

Während sich das Kunstobjekt im Besitz des Anlegers befindet, können Kunstberater auch die Kontakte zu Museen oder Ausstellungs-Institutionen übernehmen, um eine Leihgabe vorzubereiten und die fachgerechte Präsentation und Pflege zu gewährleisten.

Bei späterem Verkauf steht zunächst eine Wertermittlung im Vordergrund, um das Kunstobjekt zu einem angemessenen Preis verkaufen zu können. Auch hier ist ein qualifizierter Kunstberater der Ansprechpartner, der auch Kontakt zu Sachverständigen herstellt, die den Wert fachgerecht beurteilen können.

Kunstberater führen oft eigene Galerien, sind als Kunsthistoriker oder selbst als Kunst-Sachverständige für bestimmte Kunstrichtungen oder -objekte tätig.

Warum investieren Unternehmen in Kunst und Kultur?

Was nur Wenige wissen: Banken zählen zu den wichtigsten Käufern und Verkäufern von Kunst und verfügen über die größten Sammlungen weltweit. Auch hier ist vor allem Moderne Kunst vertreten. Für Museen und Ausstellungen sind sie wichtige Leihgeber und Sponsoren. Hauseigene Kunsthistoriker betreuen die Sammlungen und organisieren auch eigene Ausstellungen innerhalb der Häuser, die für die Öffentlichkeit oder geladene Gäste zugänglich sind. Zum einen dient das dem Prestige des Geldinstituts, zum anderen der Kundenbindung. Wer an Kunst interessiert ist, hat meistens auch das notwendige Vermögen, was den Bankberatern für vermögende Privatkunden mühsame Akquisition erspart.

Natürlich ist eine Kunstsammlung auch eine Wertanlage für die das Unternehmen. Große Geldinstitute und Konzerne überführen die Sammlung aber auch häufig in eigens gegründete Stiftungen.

Doch nicht nur aus diesen vermeintlich eigennützigen Gründen gehören Unternehmen zu den Kunstinvestoren. Sie wollen einen gesellschaftlichen Beitrag leisten und Kunst und Kultur bewahren, der Öffentlichkeit zugänglich machen und arbeiten mit Museen oder Stiftungen zusammen.

Kunst Galerie

Was sind die Vor- und Nachteile von Investitionen in Kunst und Kultur?

Der weitestgehend unabhängige Kunstmarkt hat durchaus seine Vorteile, weil er nicht von den Einflüssen abhängig ist, die unmittelbar in die Finanzmärkte einschlagen, erfordert aber sehr spezielles Wissen und Kunstverständnis, welches viele Anleger nicht haben. Vermittelt werden kann dies durch einen erfahrenen, guten Kunstberater, der aber entsprechende Expertisen und Nachweise vorlegen sollte. Er kümmert sich auch um die Anbahnung von Kauf und Verkauf, kennt den Markt und hat weitreichende Kontakte innerhalb der Kunstszene.

Bei der Geldanlage in Kunst und Kultur handelt es sich um langfristige Investitionen. Ein Kunstobjekt erhöht seinen Wert nicht in wenigen Wochen oder Monaten – also nichts für Daytrader.

Die Anlage gilt als hoch risikoreich, der Markt unterliegt der Mode und auch echte Kunstkenner haben schon häufig danebengelegen, wenn es um den Marktwert oder die Prognose zur Wertsteigerung von Objekten ging. Auch werden in Auktionen oft nicht die Preise erzielt, die als Wert angesetzt sind oder Verkaufsangebote werden mangels Nachfrage von vornherein abgelehnt.

Hohe Liquidität und Nachfrage aus den Schwellenländern als neue Marktteilnehmer treibt die Preise für bestimmte Kunstrichtungen erheblich nach oben. Wie lange diese Blase anhält, lässt sich nur schwer einschätzen.

Die Spekulationsfrist für Kunst, die sich in Privatbesitz befindet, beträgt nur 1 Jahr. Nach Ablauf sind beim Verkauf Gewinne aus Wertsteigerungen steuerfrei.

Welche Anlagemöglichkeiten gibt es?

Direkter Erwerb von Kunstobjekten

Die meisten Anleger wollen die Kunstobjekte auch besitzen, d.h. sie erwerben sie direkt oder über Kunstberater aus weltweiten Sammlungen oder auf Auktionen, versichern sie hoch und präsentieren sie privat oder im Rahmen einer Ausstellung als (Dauer-) Leihgabe.

Risikoreiche Kunstfonds konnten sich bisher nicht durchsetzen

Neben dem direkten Erwerb von Kunst über Auktionshäuser oder von privaten Sammlern werden aber auch Kunstfonds aufgelegt, in die Anleger investieren können. Die Problematik dieser Fonds liegt allerdings darin, dass sie – so wenig transparent wie der gesamte Markt – hohe Renditen von durchschnittlich 10% oder mehr versprechen, die Preisindizes und Umsätze aber nur die erfolgreichen Verkäufe erfassen, nicht die gescheiterten Verkäufe. Wie erfolgreich ein Fonds ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Bisher hat sich diese Anlageform in Kunst bei den Anlegern auch nicht durchsetzen können. Zu hoch das Risiko, zu gering die Transparenz.

Außerdem handelt es sich bisher um meist geschlossene Fonds, die Privatanlegern nicht zur Verfügung stehen und nur für institutionelle Anleger offen sind. Ansonsten entspricht das Fondsmodell der üblichen Struktur mit gedeckeltem Fondsvolumen, fester Laufzeit und einer Mindestanlage von beispielsweise 2.500 EUR für den Kunstfonds einer Hamburger Investmentgesellschaft. Ein Luxemburger Kunstfonds verlangt allerdings 500.000 EUR, hinzu kommt die Fonds-Managementgebühr, die bei rund 2% liegt.

Nach Erreichen des Fondsvolumens werden die Kunstobjekte während einer mehrjährigen Ankaufsphase erworben. Nach etwa 5-6 weiteren Jahren wird dann mit dem Verkauf begonnen. Insgesamt kommt der Anleger damit auf eine Laufzeit von mindestens 10 Jahren. Durch die feste Laufzeit erhöht sich das Risiko, dass die Werke möglicherweise zu früh verkauft werden müssen oder der ideale Verkaufszeitpunkt verpasst wird. Alles in allem eine hochspekulative Investition.

Kunst Investment

Welche Möglichkeiten bestehen für einen Verkauf?

Auch hier kann nach einer aktuellen Wertermittlung der Verkauf über Auktionshäuser, Galerien oder an private Sammler erfolgen.

Viele Kunstliebhaber sind mit ihren Objekten aber auch emotional verbunden. Sie wollen sie in den „richtigen“ Händen wissen und einen kulturellen Beitrag für die Gesellschaft leisten, wenn das Kunstobjekt dies an Wert und Bedeutung hergibt und sie es tatsächlich verkaufen wollen. Ganze Sammlungen oder gezielte Verkäufe von Einzelobjekten daraus können sowohl Museen angeboten werden als auch einem Nachfolger oder einer Kunststiftung.

Fazit zu Investitionen in Kunst und Kultur

Investitionen in Kunst und Kultur gelten als schwieriger Markt. Zum einen ist der Kunstmarkt im Gegensatz zu den Finanzmärkten höchst intransparent und unterliegt auch nicht den üblichen Markteinflüssen wie die Aktien-, Geld- oder Rohstoffmärkte. Zum anderen sind Angebot und Nachfrage schwer nachzuvollziehen. Der Kunstmarkt unterliegt den aktuellen Trends, so dass nicht nur ein exzellentes Kunstverständnis, sondern auch umfangreiches Insider-Wissen erforderlich ist.

Viele Marktteilnehmer haben sehr unterschiedliche Interessen und durch hohe, verfügbare Liquidität werden Kunstwerke auch zu völlig unrealistischen, stark überhöhten Preisen gekauft, mit der Folge von anziehenden Preisen für ganze Kunstrichtungen, die letztlich völlig überbewertet sind. Kunstsammler aus China, Indien, Russland und den Arabischen Emiraten kaufen gerne in Europa und den USA ein. Vor allem zeitgenössische Kunst ist sehr gefragt und gilt häufig als Statussymbol. Ein Platzen der entstandenen Kunstblase ist schwer vorherzusagen, noch ist enormes Vermögen vorhanden. Nicht zuletzt durch mangelnde Alternativen der Geldanlage, vor allem in den Schwellenländern, in denen die Elite der Reichen auch ohne Kunstverständnis nahezu jeden Preis bezahlt, um in den Besitz der Werke zu kommen.

Die Geldanlage in Kunst und Kultur erfolgt vorwiegend durch den direkten Erwerb durch den Anleger. Kunstfonds haben sich als geschlossene Fonds auch bei institutionellen Anlegern bisher nicht durchsetzen können. Mangelnde Transparenz und hohes Risiko konnten die professionellen Investoren trotz hoher Renditeversprechen von 10 oder gar 15% nicht wirklich überzeugen.

Kunstinvestitionen unterliegen speziellen Bedingungen und Voraussetzungen. Neben dem nötigen Vermögen sind Kontakte zu einschlägigen Käufern, Verkäufern und Vermittlern unverzichtbar. Wird das Kunstobjekt beispielsweise von Christie’s mangels Nachfrage für den Verkauf in der Auktion abgelehnt, kann es auf dem privaten Sammlermarkt möglicherweise einen Liebhaberpreis über Wert erzielen. Diesen Sammler gilt es dann zu finden.

Kunstberater haben die Aufgabe, Kauf und Verkauf anzubahnen, Kontakte herzustellen und die Kauf- oder Verkaufsverhandlungen zu begleiten, Wertermittlungen durchzuführen bzw. Kontakte zu Sachverständigen herzustellen. Sie können aber auch ihrem Kunden, dem Käufer bzw. Verkäufer, umfangreiches Fachwissen vermitteln, vorausgesetzt natürlich, sie verfügen selbst darüber.

Wollen Investoren in Kunst investieren, handelt es sich um langfristige Geldanlagen. Mindestens 10 Jahre sollten dafür einkalkuliert werden, je nach Kunstrichtung und -objekt auch länger. Viele Faktoren können den Wert beeinflussen, abgesehen von Zustand und Restaurierungsbedürftigkeit oder Qualität von erfolgten Restaurierungen, die das Objekt selbst betreffen, kann bei zeitgenössischer Kunst z.B. auch eine Rolle spielen, ob der Künstler noch lebt oder nicht, wie alt er ist und wie viele Kunstwerke er, so makaber es klingt, zu Lebzeiten theoretisch noch erschaffen kann.

Prognosen über Wertentwicklungen sind weitaus schwieriger als die aktuelle Wertermittlung der Sachverständigen. Ob ein Künstler sich gut oder schlecht verkaufen lässt, entscheidet allein der Markt. Überraschende Rekord-Preise der großen Auktionshäuser sind allerdings weit seltener als gescheiterte Verkäufe mangels Kaufinteresse, nur wird über Letztere nicht öffentlich berichtet.

Kunstanleger profitieren von einem Steuervorteil, nach 1 Jahr endet die Spekulationsfrist für Kunst, d.h. danach sind Gewinne aus Verkaufserlösen steuerfrei. Zu beachten sind aber auch die im Kunsthandel üblichen Provisionen und Kosten. Auktionshäuser berechnen ein Aufgeld, Kunstberater erhalten Provisionen bei erfolgreicher Vermittlung und auch Sachverständige wollen für Wertgutachten bezahlt werden.

Je nach Bedeutung und (musealem) Wert eines Objektes und der Intention des Besitzers kommen statt eines Verkaufs auf dem freien Markt auch Museen oder Kunststiftungen in Frage. Während Sammler von Statussymbolen hierfür wenig Interesse aufbringen dürften, leisten verantwortungsvolle Kunstbesitzer häufiger ihren gesellschaftlichen Beitrag zur Erhaltung von Kultur, indem sie Sammlungen oder einzelne Objekte in die Obhut von Institutionen übergeben, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für sie ist Kunst häufig eher eine emotionale statt finanzielle Investition. Ein Verkaufserlös spielt deshalb eine untergeordnete Rolle.

Kunst Museum

Insgesamt sind Geldanlagen in Kunst und Kultur ein hochspekulatives und auch teures Investment, von verborgenen Schätzen und seltenen Dachbodenfunden einmal abgesehen, da es sich um gegenständliche Vermögenswerte handelt. Auch benötigt Kunst in den meisten Fällen entsprechende Pflege und gegebenenfalls Restaurierung sowie eine adäquate Aufbewahrung oder Präsentation. Hochpreisige Objekte sollten über eine Kunstversicherung in ausreichender Höhe versichert werden. Risikostreuung innerhalb verschiedener Kunstbereiche senkt das Investitionsrisiko kaum, deshalb sollte Kunst als Geldanlage nur einen eher geringen Teil des Gesamt-Portfolios als Ergänzung ausmachen.

 

In Kunst und Kultur investieren was last modified: Juli 5th, 2016 by AngelaZ