Die Martingale Strategie – Erfolgreiche Strategie oder Zocker-System?

Privatanleger werden insbesondere im Forex-, CFD- & Binäre Optionen-Handel mit einer Vielzahl von Handelsstrategien konfrontiert. Zum Teil sind diese hochprofessionell, mathematisch und von Laien kaum zu verstehen, zum Teil durchaus auch von Einsteigern anwendbar. Dazwischen liegt eine Schnittmenge, die vor allem von Fortgeschrittenen mit höherer Risikobereitschaft angewendet wird, aber an sich auf einem reinen System und nicht auf einer Analyse beruht. Hierzu gehört auch die Martingale Strategie.

Erfahren Sie in unserem nachfolgenden Beitrag alles Wichtige über Anwendung, Risiko und Vor- & Nachteile der bekannten Strategie, die auf einem Wahrscheinlichkeitsprinzip beruht.

Was bedeutet Martingale?

Martingale stammt aus dem Französischen und leitet sich von der südfranzösischen Stadt Martigues (Dép. Bouches-du-Rhône) in der Provence am Rande der Carmargue ab. Die Einwohner von Martigues galten seinerzeit als eher einfältig und die provenzalische Redewendung jouga a la martegalo bezeichnet jemanden, der sehr riskant und leichtsinnig spielt.

Martingale gilt als das bekannteste Spielsystem und wird vor allem im Roulette und anderen Glücksspielen angewendet. Die Bezeichnung bezeichnet auch das Spielsystem allgemein und die sogenannte Martingale-Theorie ist ein Teilgebiet der Wahrscheinlichkeitstheorie, die dem Martingale-Spielsystem zugrunde liegt.

Verschiedene Unterarten der Matingale Strategie

Die bekannteste Art, Martingale in seiner klassischen und einfachsten Form einzusetzen, ist das Doublieren (Verdoppeln) des Einsatzes bei vorangegangenem Verlust.

Es gibt viele weitere Unterarten, die zwar weit verbreitet, aber vor allem in Spielcasinos und bei Wetten angewendet werden und im Trading genaugenommen nichts zu suchen haben. Dies sind z.B.

  • Montante Américaine oder Labouchère, Labby, Annulation Américaine
  • Montante Hollandaise oder Annulation Hollandaise
  • Progression d’Alembert (nach dem Mathematiker Jean Baptiste le Rond d’Alembert)
  • Fitzroy-System
  • Montant et démontant

Die unterschiedlichen Arten der Martingale Strategie beinhalten beispielsweise die Steigerung des Einsatzes nach Verlust oder bei Gewinn oder auch das konsequente Spiel mit immer dem gleichen Einsatz, unabhängig von Gewinn oder Verlust.

Mathematisch ist die Martingale Strategie bzw. deren Wahrscheinlichkeitstheorie ein klarer Beleg dafür, dass wirklich sichere Gewinnstrategien nicht existieren.

Wie funktioniert Martingale?

Am Beispiel der klassischen Put & Call-Optionen im Binäre Optionen-Handel funktioniert die Martingale Strategie folgendermaßen:

Der Trader beginnt mit einem Einsatz von 5 EUR (eine Einheit) und verliert die Option. Bei der nächsten Platzierung setzt er den doppelten Betrag von 10 EUR und verliert wieder, er erhöht den Einsatz auf 20 EUR usw. Erfolgt ein Gewinn, hat er zwar die vorangegangenen Verluste wieder ausgeglichen, jedoch keinen nennenswerten Gewinn erzielt, nämlich nur 5 EUR, also eine Einheit. Nach einem Gewinn beginnt der Trader wieder von vorn mit einem Einsatz von 5 EUR.

Es bleibt dem Trader überlassen, ob er bei der einmal gewählten Optionsart (Put oder Call) bleibt oder die gegenteiligen von der wählt, die er zuletzt verloren hat und man merkt auch hieran bereits, dass das Martingale-System nichts mit fundiertem Trading-Wissen zu tun hat, sondern der Übergang zum Zocken sehr fließend ist.

Trotzdem gilt Martingale als Strategie für Fortgeschrittene, da sich dieses System über einen langen Zeitraum hinziehen kann und Einsteiger meist doch verantwortungs- und risikobewusster mit ihrem Einsatz umgehen oder das Handelskapital von vornherein niedriger und deshalb schnell verbraucht ist. Durch die laufende Verdoppelung werden tatsächlich nur kleinere Gewinne erzielt und es geht in erster Linie um den Ausgleich von Verlusten unter hohem Risiko des Totalverlustes des Einsatzes, wenn eine Verdoppelung danach nicht mehr möglich ist.

Wie hoch ist die tatsächliche Gewinn-Wahrscheinlichkeit mit dieser Strategie?

Was zunächst doch recht vielversprechend aussieht, denn irgendwann muss der Gewinn in einer Strecke von Martingale-Trades ja kommen, ist in der Realität schon weit weniger überzeugend.

Unter Berücksichtigung eines Limits, der Höchstgrenze für den einzelnen Einsatz, von z.B. 1.000 EUR je Trade, ist bei einem Beginn mit 10 EUR Einsatz eine maximale Folge von nur insgesamt 7 Trades bei Verdoppelung ab dem 2. Handel möglich. Der maximale Einsatz beträgt 640 EUR, eine weitere Verdoppelung auf 1.280 EUR ist aufgrund des Limits bis zu 1.000 EUR ausgeschlossen. Voraussetzung ist natürlich auch das in der entsprechenden Höhe vorhandene Handelskapital.

Sind theoretisch z.B. 12 Trades möglich, bis die Höchstgrenze des Einsatzes je Tradeerreicht wäre, beträgt die Wahrscheinlichkeit, einen Trade zu gewinnen in etwa wie folgt:

Auch ohne jede Strategie oder ein System beträgt die Gewinnwahrscheinlichkeit 50% je Trade oder jedem anderen Spiel mit 2 Möglichkeiten, Put oder Call, Schwarz oder Rot, gleich wie beim Roulette.

Die rechnerische Wahrscheinlichkeit, alle 12 Trades in Folge zu verlieren beträgt lediglich etwa nur 0,0336%. Demnach müsste die Wahrscheinlichkeit, eine Martingale erfolgreich mit Gewinn zu beenden, demzufolge also 99,9664% betragen. Leider hat die Sache aber einen Haken, denn die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet den letzten möglichen Trade Nr. 12 zu gewinnen, liegt wieder bei 50%. Auch die Verteilung von Gewinnen oder Verlusten innerhalb dieser 12 Trades ist eine Unbekannte. Zu berücksichtigen ist auch der kleine Gewinn von lediglich einer Einheit bei gewonnenem Trade und andererseits einem Totalverlust.

Vor- & Nachteile der Martingale Strategie

Die Martingale Strategie ist ein sehr leicht verständliches System, das allein auf einer Wahrscheinlichkeitstheorie beruht. Für die Anwendung selbst sind also keine Analysen oder mathematischen Berechnungen notwendig.

Unterschätzt wird aber bei Nutzung dieses Systems oft das äußerst hohe Risiko, welches das ohnehin vorhandene, reguläre Handelsrisiko signifikant erhöht.

Einer der wichtigsten Nachteile im Trading von z.B. Binären Optionen ist das vom Broker festgelegte Limit, der Höchsteinsatz je Trade. Bei den meisten Brokern beträgt dieser zwischen 1.000 bis maximal 5.000 EUR. Wer seinen Einsatz also immer wieder nach Verlusten verdoppelt, hat diese Grenze vergleichsweise schnell erreicht. Zusammen mit der Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes des Einsatzes sieht die Martingale Strategie schon gar nicht mehr so vielversprechend aus, denn selbst wenn es keinen Höchsteinsatz gäbe und man das extrem hohe Handelsrisiko bei hohen Beträgen außer Acht lassen würde, sind die finanziellen Mittel des Traders nicht unbegrenzt. Irgendwann ist also Schluss mit der Verdoppelung.

Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, eine Reihe von Trades zu gewinnen umso höher, je länger diese Strecke andauert, der Gewinn ist jedoch bescheiden und beträgt nach einem Verlust immer nur eine Einheit wie oben beschrieben. Auf der Gegenseite steht das meist außerhalb der Wahrnehmung liegende Risiko, bei Verlust sein gesamtes Vermögen zu verlieren und einfach nicht mehr verdoppeln zu können. Der Trader relativiert dies zunächst oft damit, dass er notfalls weiter verdoppeln kann, irgendwann werden seine Investitionsmöglichkeiten aber ausgeschöpft oder der Höchsteinsatz für einen Trade erreicht sein.

Insgesamt gesehen ist die Gewinnwahrscheinlichkeit somit negativ und gewinnen würde nur der Broker. Viele Broker erlauben die Martingale Strategie ab einer gewissen Dimension deshalb auch nicht und schließen diese Art von Trades, um ihre Kunden vor einem Totalverlust und extrem leichtsinnigem Handel zu bewahren. Zusätzlich schützt natürlich der mögliche Höchsteinsatz mit einem festgelegten Limit vor waghalsigen Tradern.

Kombination von Handelsstrategie und aktuellen Marktinformationen ist erfolgversprechender

Neben aktuellen Marktkenntnissen gehört die Anwendung von Handelsstrategien zu den wichtigsten Voraussetzungen, um erfolgreich zu handeln. Hier muss man von den Zocker-Strategien und den auch von Trading-Profis angewendeten Strategien klar unterscheiden.

Je intensiver die Grundlagen des Binäre Optionen-Handels erlernt und natürlich auch verstanden werden, desto höher die Erfolgschancen und die Fähigkeit, Marktlage und Trends zu erkennen. Eine häufig angewendete Strategie, die auch bei der Spekulation auf steigende oder fallende Kurse angewendet werden kann, wie eben z.B. auch im Binäre Optionen- oder CFD-Handel, ist die Trendfolge-Strategie. Sie zählt zu den wichtigsten Handelsstrategien und ist auch von Einsteigern einfach anzuwenden.

Eine Kombination von guten Marktkenntnissen und einer sicheren Strategieanwendung sowie sorgfältiges, überlegtes Risikomanagement, sind die besten Voraussetzungen für eine positive Gewinnbilanz. Von Zeit zu Zeit kann es nötig sein, seine Handelsstrategie zu ändern und ihre Plausibilität beispielsweise bei geänderter Marktlage oder in der näheren Vergangenheit weniger erfolgreicher Trades mit überproportional vielen Verlusten zu überprüfen. Von reinen Glücksspiel-Strategien und -Systemen ist jedoch nur abzuraten.

Fazit zur Martingale Strategie

Die bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannte Spiele- und Wettstrategie stammt ursprünglich aus Frankreich und bezeichnet sowohl ein Spielesystem als auch einen Teilbereich der Wahrscheinlichkeitstheorie. Weder wurde Martingale also von Mathematikern, Informatikern, Analysten oder Profi-Tradern entwickelt oder entdeckt.

Es gibt verschiedene Unterarten, wobei das Verdoppeln des Einsatzes bei Verlust die bekannteste und am meisten genutzte ist, um die erlittenen Verluste wieder zu kompensieren. Weitere Variationen sind z.B. das Verdoppeln bei Gewinn oder das konsequente Beibehalten der Höhe des Einsatzes. Überzeugend, d.h. wahrscheinlicher für einen Gewinnerfolg, ist allerdings auch davon keine.

Es handelt sich um ein in sich logisches Rechensystem, wobei es zum einen an der tatsächlichen Wahrscheinlichkeit hapert und zum anderen die Begrenzung von Mitteln oder Höchstgrenzen von Einsetzen, die zwangsläufig zur Beendigung der Martingale führen, nicht berücksichtigt wird. Das System gilt als darum höchst risikoreich und wird hauptsächlich in Spielcasinos klassischerweise beim Roulette, Blackjack oder auch an Spielautomaten angewendet.

Das leicht verständliche Prinzip sieht vor, bei zwei Möglichkeiten (Put oder Call, Rot oder Schwarz) entweder auf die eine oder andere Möglichkeit zu setzen und bei einem Verlust den Einsatz solange weiter zu verdoppeln, bis ein Gewinn erfolgt und die vorangegangenen Verluste damit ausgeglichen sind. Durch die Verdopplung fällt der rechnerische Gewinn an sich nur sehr klein aus, nämlich genau so viel, wie er beim Gewinn des ersten Einsatzes gewesen wäre. Weit höher kann aber der Verlust ausfallen, nämlich dann, wenn es nichts mehr zu verdoppeln gibt und ein Limit erreicht ist. Sei es durch die eigenen begrenzten finanziellen Mittel oder durch ein vorgegebenes Limit des Brokers oder des Spielcasinos. Dann ist der letzte Verlust ein Totalverlust.

Martingale gilt nicht nur im Trading als bekannte Strategie für Fortgeschrittene. Dies ist allerdings nicht der Erfahrung und dem Einsatz von zuverlässigeren oder komplizierteren Strategien zuzuschreiben, sondern der oft höheren Risikobereitschaft und auch der damit verbundenen Bereitschaft, leichtfertiger höhere Beträge zu investieren. Einsteiger und risikobewusste Trader werden diese Martingale vermutlich nur einmal über ihr Demo-Konto testen und sie hoffentlich nie über ihren Echtgeld-Account anwenden.

Die Martingale Strategie gilt grundsätzlich als sehr umstritten, sie ist auch in Online-Spielcasinos und bei vielen Brokern nicht erlaubt, um Kunden und Investoren vor herben Verlusten bei extrem hohem Risiko zu schützen. Ein generelles Verbot wurde bisher noch nicht durchgesetzt, ist aber immer wieder einmal im Gespräch.

Gerade in Bezug auf Anlegerschutz sind die europäischen Regulierungsbehörden darauf bedacht, Kunden vor finanziellen Verlusten zu warnen oder die entsprechenden Instrumente den Anbietern gleich ganz zu verbieten. Jüngst Ende 2016 so geschehen bei der zypriotischen Finanzmarktaufsicht CySEC, die den durch sie regulierten Brokern Bonusangebote untersagte, für welche ein Mindest-Handelsumsatz durch den Kunden erforderlich ist. Auch die britische FCA zog mit strengerer Regulierung unmittelbar nach und verbot diese zweifelhafte Marketing-Methode. Vereinzelt wurden seitens der Broker zwischen 20- bis 50-fache Mindest-Handelsumsätze auf den Bonusbetrag verlangt. Ein weiterer Schritt wird die Ankündigung der FCA bezüglich der Senkung der Hebel für Privatanleger im Forex- & CFD-Handel auf maximal 1:50 sein.

Alle Börsenstrategien gelten auf die ein oder andere Weise als umstritten, denn eine 100%ige Erfolgsgarantie kann keine der heutigen Handelsstrategien bieten. Unerheblich, ob diese auf technischen Chartanalysen oder bei Aktien auf einer Fundamentalanalyse der Unternehmensdaten beruhen. Sämtliche Strategien haben Vor- und Nachteile und sind auch nicht auf alle Märkte anwendbar. Deshalb gilt es, sich die Bewährteren unter ihnen genauer zu betrachten und ihre Definition und Anwendung zu verstehen. Hierzu gehören beispielsweise die Trendfolge-Strategie oder die Pivot-Punkte.

Wer sich mit einer (neuen) Strategie vertraut machen möchte, sollte dies zunächst über das risikofreie Demo-Konto seines Brokers tun. Demo-Konten sind mit einem virtuellen Startguthaben ausgestattet und der Handel erfolgt idealerweise zu realen Marktbedingungen, wie z.B. bei den empfehlenswerten Binäre Optionen-Brokern 365trading, BDSwiss oder 24option, die zudem über eine EU-Regulierung und ein umfangreiches Leistungs- & Serviceangebot verfügen. Auch Anfänger finden sich auf der leicht bedienbaren Handelsplattform der kundenorientierten Broker schnell zurecht und können über das Demo-Konto den Handel ohne Echtgeld-Einsatz erlernen.

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Die Martingale Strategie – Erfolgreiche Strategie oder Zocker-System? was last modified: Mai 19th, 2017 by AngelaZ