Für wen lohnt sich die Riesterrente?

Riesterrente

Die Riesterrente zählt zu den Errungenschaften der deutschen Rentenreform von 2001 und soll Geringverdiener, Angestellte und Beamte, die verpflichtet sind, in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, vor drohender Altersarmut schützen. Bis Ende 2014 wurden rund 16 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen, die durch Zuschüsse und Steuervorteile staatlich gefördert werden. Das Riester-Image hat jedoch sehr gelitten und viele Arbeitnehmer fragen sich, ob die Riesterrente wirklich sinnvoll ist. Für wen lohnt sich diese Form der freiwilligen, privaten Altersvorsorge und wer sollte lieber auf andere Produkte zurückgreifen, um im Alter eine nennenswerte, zusätzliche Rentenversorgung zur gesetzlichen Rente zu erhalten?

Was ist die Riesterrente?

Die in 2001 aus der Rentenreform hervorgegangene private Altersvorsorge nach Riester soll im Alter all diejenigen vor Altersarmut bewahren, die ihre Rente nur aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen. Um seinen gewohnten Lebensstandard auch als Rentner zu bewahren, sind allerdings rund 80% des letzten Nettoeinkommens erforderlich. Mit der gesetzlichen Rentenversicherung ist das nicht zu erreichen. Wer kein zusätzliches Einkommen wie z.B. Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung oder Kapitalanlagen hat oder eine Erbschaft erhält, ist auf zusätzliche Vorsorge angewiesen.

Die Riesterrente ist eine durch staatliche Zuschüsse und Steuervorteile geförderte Form der privaten Altersvorsorge, die sich an alle Arbeitnehmer wendet, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Wer ausreichend in den Riester-Vertrag einzahlt, erhält maximal 154 EUR Zuschuss pro Jahr, die sogenannte Grundzulage. Für jedes kindergeldberechtigte Kind werden jährlich 185 EUR vom Staat gezahlt, für jedes jüngere Kind ab Geburtsjahrgang 2008 300 EUR.

Vor allem junge Menschen, die noch nicht abschätzen können, wie sich ihre Vermögenssituation im Laufe ihres Berufslebens entwickelt, sind infolge des gesetzlichen Rentensystems mit geringen Renten auf zusätzliche Altersvorsorge angewiesen. Für nach dem 31.12.1982 geborene, junge Arbeitnehmer zahlt der Staat deshalb eine einmalige um 200 EUR erhöhte Grundzulage.

Bedingung für Riester-Sparer ist, dass sie 4% ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens (maximal 2.100 EUR, mindestens 60 EUR pro Jahr) für die Vorsorge investieren müssen. Die Zulagen sind auf die jährliche Sparsumme anrechenbar. Bei einem Bruttoeinkommen von beispielsweise 40.000 EUR p.a. sind 1.600 EUR in den Riester-Vertrag einzuzahlen, abzüglich der Grundzulage und gegebenenfalls der Zuschüsse für Kinder. Die Sparbeiträge sind während der Beitragsphase steuerlich als Sonderausgaben im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung absetzbar. Der spätere Rentenbezug muss jedoch voll versteuert werden.

Riester-Produkte sind bei den zahlreichen Anbietern als Versicherung, Fonds, Zinskonto, Bausparplan oder Immobilien erhältlich.

Vor- und Nachteile der privaten Riester-Altersvorsorge

Neben vielerlei Vorteilen gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung, vor allem durch die garantierte Höhe der monatlichen, lebenslangen Rentenzahlungen ab Rentenbeginn, hat die Riesterrente auch einige Nachteile.

Vorteile der Riesterrente

Steuervorteile

Beiträge bis zu maximal 2.100 EUR p.a. können bei der Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Staatliche Zulagen

Die Grundzulage beträgt maximal 154 EUR p.a. Zusätzlich erhalten Riester-Sparer 185 EUR für jedes kindergeldberechtigte Kind sowie für jedes nach 2008 geborene Kind 300 EUR p.a.

Rendite bis zu 8,5%

Abhängig von der Einkommenshöhe und damit von den gezahlten Beiträgen sowie den Zulagen für Kinder aufgrund der Familiensituation ist eine jährliche Rendite von 0,4 bis 8,5% möglich.

Kapitalgarantie

Der Auszahlungsbetrag der monatlichen Rente aus den eingezahlten Beiträgen einschließlich der erhaltenen Zulagen ist bei Rentenbeginn garantiert. Kürzungen im Laufe der lebenslangen Rentenphase sind damit ausgeschlossen.

Ruhen des Vertrages möglich

Während der Beitragsphase kann eine Ruhestellung des Vertrages vereinbart werden, d.h. die monatliche Einzahlung kann für einen bestimmten Zeitraum ausgesetzt werden, wenn der Beitragszahler einmal vorübergehend nicht zahlen kann. Somit ist sichergestellt, dass keine Kündigung erfolgt und die bisherigen Beiträge verlorengehen.

Pfändungs- und Insolvenzschutz

Gerät der Beitragszahler in eine Insolvenz besteht ein Pfändungsschutz für das eingezahlte Riester-Kapital, wenn die Zulagen beantragt werden. Bei Arbeitslosigkeit und Hartz IV wird die Altersvorsorge zudem nicht als Barvermögen berechnet.

Einmalzahlung bei Rentenbeginn

Zu Beginn der Rentenphase kann eine Einmalzahlung aus dem Rentenkapital erfolgen, d.h. der Rentenempfänger kann bei Verträgen, die bis 2005 abgeschlossen wurden, maximal 20% des gesamten Kapitals auszahlen lassen. Bei nach 2005 abgeschlossenen Verträgen beträgt die maximale Einmalzahlung 30%.

Lebenslange, garantierte Rente

Die Riesterrente wird lebenslang ab Beginn der Rentenphase ausgezahlt und kann durch die Auszahlungsgarantie nicht sinken.

Hinterbliebenenschutz als Zusatzvereinbarung

Als Zusatzvereinbarung kann ein Hinterbliebenenschutz vereinbart werden. Bei Tod des Beitragszahlers während der Ansparphase haben Angehörige Anspruch auf das bis dahin eingezahlte Kapital. Im Sterbefalls in der Rentenbezugsphase erhalten Hinterbliebene weitere Zahlungen für die garantiere Rentenzeit.

Nachteile der Riesterrente

Volle Versteuerung der Rentenzahlungen

Während der Rentenbezugsphase müssen die Auszahlungen der Riesterrente zum persönlichen Steuersatz voll versteuert werden.

Höchstbeitrag maximal 2.100 EUR p.a.

Während der Ansparphase kann der Höchstbeitrag maximal 2.100 p.a. betragen. Höhere Beiträge und damit eine höhere, spätere Rente sind nicht möglich.

Rentenauszahlung inkl. der Zulagen nur mit Wohnsitz innerhalb der EU

Eine Rentenauszahlung inkl. der erhaltenen Zulagen ist nur für Rentenempfänger mit Wohnsitz innerhalb der EU möglich. Ziehen Rentner ins außereuropäische Ausland, erhalten sie nur die Rentenauszahlung ohne die erhaltenen Zulagen, also die Beträge, die sie selbst eingezahlt haben, verteilt auf die Rentenbezugszeit.

Vergleichsweise hohe Vertragsabschluss-Kosten

Riester-Verträge sind mit hohen Vertragsabschluss-Kosten für belegt. Die Gebühren für Abschluss, Vertrieb und Vertragsverwaltung werden auf die ersten 5 Jahre ab Vertragsbeginn umgelegt. Diese Kosten sind von den Beiträgen der ersten 5 Beitragsjahre deshalb abzuziehen.

Persönlicher Verwaltungsaufwand für Riester-Sparer

Riester-Sparer müssen sich um die Beantragung der Zulagen regelmäßig selbst kümmern und darauf achten, dass sie ausreichend hohe Beiträge einzahlen, um die staatliche Förderung zu erhalten. Damit ist der persönliche Verwaltungsaufwand für die Riesterrente im Vergleich zu anderen privaten Altersvorsoge-Arten wie z.B. Kapitalmarktanlagen oder Lebensversicherungen eher hoch.

Rentenbezug erst ab dem 60. bzw. 62. Lebensjahr

Die Rentenauszahlung ist bei Verträgen, die bis 2012 abgeschlossen wurden, erst ab dem 60. Lebensjahr, bei Vertragsabschlüssen nach 2012 ab dem 62. Lebensjahr möglich. Bis dahin können nur Beiträge eingezahlt werden, aber keine Auszahlungen aus dem angesparten Kapital erfolgen.

Voraussetzung einer hohen Lebenserwartung

Die Rechenmodelle der verschiedenen Riester-Verträge setzen zum Teil eine sehr hohe Lebenserwartung voraus. Deshalb ist die berechnete Rente im Vergleich zum eingezahlten Kapital relativ niedrig. Erreicht der Versicherte das angenommene Alter nicht, hat er praktisch zu viel Kapital eingezahlt. Rentenbezieher, die das angenommene Alter überschreiten, profitieren von einer niedriger angenommenen Lebenserwartung im Verhältnis zum eingezahlten Rentenkapital.

Zusatzkosten für Vereinbarungen zum Hinterbliebenenschutz

Für Vereinbarungen zum Hinterbliebenenschutz fallen Zusatzkosten zu den eigentlichen Beiträgen an, die die Zulagen und/oder den Steuervorteil übersteigen können, so dass der Beitragszahler von davon wiederum dann nicht mehr profitiert.

Eingeschränkte Vererbbarkeit des Riester-Kapitals

Im Todesfall des Beitragszahlers während der Ansparphase ist das Riester-Guthaben inkl. der erhaltenen Zulagen nur auf den Riester-Vertrag des Ehepartners übertragbar, d.h. er muss ebenfalls Riester-Sparer sein. Anderenfalls ist nur das Guthaben ohne Zulagen und Förderung an Erben vererbbar.

Umfangreiche Vertragsgestaltung von Riester-Verträgen

Riester-Verträge sind umfangreicher gestaltet als Standard-Verträge von Versicherern, Banken oder Bausparkassen. Hier sind nicht nur die Vertragsbedingungen komplex, sondern auch die Beitragsstruktur, mit der letztendlich die spätere Garantierente berechnet wird. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass die Zulage für kindergeldpflichtige Kinder entfällt, sobald sie nicht mehr kindergeldpflichtig sind. Wichtig ist deshalb eine ausführliche Beratung und Betrachtung der persönlichen Lebensverhältnisse in Bezug auf eine sinnvolle Beitragshöhe.

Für wen lohnt sich die Riesterrente?

Riester-Produkte gibt es als Versicherungen, Aktienfonds, Zinskonten, Bausparpläne oder Immobilien. Die Riesterrente gilt als sichere private Altersvorsorge, weil sie eine garantierte Rente ohne das Risiko einer möglichen Senkung garantiert. Trotzdem eignet sich die Riesterrente nicht für jeden Arbeitnehmer.

Profitieren können vor allem junge Riester-Kunden, die vergleichsweise hohe Beiträge zahlen und die staatliche Förderung bei langer Beitragsphase voll ausschöpfen können. Problematisch ist dabei, dass junge Menschen noch nicht wissen können, wie sie im Alter finanziell aufgestellt sind und deshalb nicht absehbar ist, ob die Riesterrente für den Einzelnen später wirklich Sinn macht. Gerade in sehr jungen Berufsjahren ohne Familie und Kinder sind 4% des noch recht geringen Bruttoeinkommens relativ viel für die private Altersvorsorge, die nur als Rente ausgezahlt werden kann.

Arbeitnehmer, die eine Betriebsrente erhalten, sind damit finanziell meist besser bedient und brauchen sich nicht mit den Riester-Vorschriften auseinanderzusetzen.

Mit niedrigen Beiträgen von Geringverdienern rechnet sich das Modell leider nicht und verfehlt damit das Ziel, im Alter die ohnehin geringe Rente nennenswert aufzubessern. Wer lange wenig Einkommen erzielt hat und auf die gesetzliche Grundsicherung der Rentenversicherung angewiesen ist, sollte keinen Riester-Vertrag abschließen, denn die Riester-Förderung wird mit der Grundsicherung verrechnet. Damit hätte der Riester-Kunde umsonst gespart.

Ob die vielzitierte Hausfrau mit oder ohne Minijob und 3 kleinen Kindern allerdings wirklich besser dran ist, wenn sie den Mindestbetrag von jährlich 60 EUR zahlen muss und eine Zulage von knapp über 1.000 EUR erhält, sei deshalb dahingestellt. Sind die Kinder nicht mehr kindergeldpflichtig, bleibt nur noch der jährliche Mindestbeitrag und die Grundzulage als Beitragszahlung in der Ansparphase. Damit ist letztlich kein Rentenloch zu stopfen.

Nicht versicherungspflichtige Beamte können zwar ebenfalls Riester-Verträge abschließen und Zulagen & Förderung erhalten, unterliegen aber besonderen Bedingungen und haben häufig weit bessere, anderweitige Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge durch spezielle Angebote für Beamte.

Fazit zur Riesterrente

Wie auch die Rürup-Rente, oft als kleine Schwester der Riesterrente bezeichnet, die als staatlich geförderte, private Altersvorsorge für Selbständige und Freiberufler ebenfalls im Zuge der deutschen Rentenreform von 2001 ins Leben gerufen wurde, bietet die Riesterrente den Vorteil einer garantierten Rente im Alter. Abhängig von der Höhe der Beitragszahlungen einschließlich der staatlichen Zulagen wie Grundzulage und Zuschüsse für kindergeldpflichtige Kinder erhalten Riester-Sparer bei Renteneintritt eine lebenslange, monatliche Rente, die nicht gesenkt werden kann.

Die Rentenzahlung errechnet sich nicht wie die gesetzliche Rentenversicherung nach der Rentenformel, sondern nach den geleisteten Beitragszahlungen während der Ansparphase. Während der Ansparphase profitiert der Beitragszahler von Steuervorteilen, da er die Rentenbeiträge zur privaten Altersvorsorge als Sonderausgaben im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung geltend machen kann. Die spätere Rente ist jedoch zum persönlichen Steuersatz voll steuerpflichtig.

Grundbedingung für Riester-Kunden ist, dass sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Rürup-Kunden wiederum sind als Selbständige & Freiberufler von der Zahlung von Rentenbeiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung befreit, d.h. die Rente muss vollständig durch private Altersvorsorge aufgefangen werden. Arbeitnehmer, die zur Zahlung in die gesetzliche Rentenversicherung verpflichtet sind, sollen mit der Riesterrente Gelegenheit haben, das Rentenloch zu stopfen und Altersarmut bei Bezug der gesetzlichen Rente im Rentenbezugsalter vorzubeugen.

Für Riester-Sparer gilt, sie müssen einen Beitrag von 4% ihres Vorjahres-Bruttoeinkommens, mindestens 60 EUR, maximal 2.100 EUR pro Jahr einzahlen. Als Grundzulage zahlt der Staat einen Zuschuss von maximal 154 EUR pro Jahr. Hat der Beitragszahler kindergeldpflichtige Kinder, erhält er je Kind einen Zuschuss von 185 (bis Geburtsjahr 2008) bzw. 300 EUR (ab Geburtsjahr 2008) pro Jahr. Grundzulage und Zuschüsse für Kinder sind auf den jährlichen Beitrag anrechenbar. Zusätzlich kann er die Beitragszahlungen inkl. der Zulagen als Sonderausgaben bis zu maximal 2.100 EUR steuerlich absetzen.

Dass die Riesterrente besonders für junge Menschen Vorteile bietet, die die volle Förderung während der langen Ansparphase voll ausschöpfen können, lässt sich auch aus der staatlichen Einmalzahlung der um 200 EUR erhöhten Grundzulage zu Beginn des Riester-Vertrages erkennen. Voraussetzung ist, dass der Riester-Sparer nach dem 31.12.1982 geboren ist.

Ursprünglich war die Riesterrente vor allem für alle Gering- und Normalverdiener gedacht, die neben der gesetzlichen Rentenversicherung keine private Altersvorsorge getroffen haben und im Alter infolge der in der Vergangenheit verfehlten Rentenpolitik der Altersarmut zum Opfer fallen. Die staatliche Förderung sollte ein Anreiz sein, geförderte Riester-Verträge mit niedrigen Beiträgen und garantierter zusätzlicher Rente abzuschließen. Das haben auch Millionen Arbeitnehmer getan. Das Ziel wurde jedoch insoweit verfehlt, dass Geringverdiener und Normalverdiener, die nur vergleichsweise niedrige Beiträge zahlen können, von dem Modell rein rechnerisch nicht profitieren. Die spätere garantierte Rente zusammen mit der gesetzlichen Rente fällt zu niedrig aus, um den gewohnten Lebensstandard bei Beginn der Rente halten zu können. Wer später mit einer Grundsicherung im Rentenalter rechnen muss, sollte keine Riester-Sparverträge abschließen, da die staatliche Förderung auf die Grundsicherung angerechnet wird.

Lohnen kann sich dieses Modell der privaten Altersvorsorge deshalb nur für junge Menschen, die die längstmögliche, volle Förderung beantragen können, und Gutverdiener, die Zuschüsse für kindergeldpflichtige Kinder erhalten und während der Beitragsphase von den Steuervorteilen profitieren wollen. Wer eine gute, zusätzliche Betriebsrente erwarten kann, sollte Riester getrost vergessen.

Riester-Sparer sollten sich vor Abschluss eines Vertrages genau über die jeweiligen Bedingungen und Kosten bei einem guten Berater der Anbieter informieren. Gerade staatlich geförderte Modelle beinhalten komplexe Bedingungen, Beitrags- und Gebührenstrukturen. Beitragsrechner für Riester-Produkte im Internet sind meistens zu ungenau und berücksichtigen die persönliche Situation des Einzelnen und die deshalb möglicherweise nicht passenden Vertragsbedingungen nicht.

 
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Für wen lohnt sich die Riesterrente? was last modified: Juli 3rd, 2016 by AngelaZ