Spread Betting in Deutschland

Spread Betting in Deutschland

Was ist Spread Betting und ist diese Art von Finanzwetten auch in Deutschland erlaubt? Gibt es überhaupt deutsche Anbieter? Wir informieren Sie über die Hintergründe zum Thema und klären über die Unterschiede zu Binären Optionen und FX/CFDs auf.

Was bedeutet Spread Betting?

Spread Betting, auch e-Spreads in Bezug auf das sogenannte Financial Spread Betting genannt, heißt wörtlich übersetzt „Differenz-Wette“. Im allgemeinen Trading-Sprachgebrauch ist der Spread die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreises eines Basiswertes, auch hier wird die Einheit als Pip oder Punkte bezeichnet. Spread Betting bezeichnet allerdings als Begriff alle Wetten auf eine Differenz innerhalb einer Laufzeit und bezieht sich nicht nur auf das sogenannte Financial Spread Betting, die Bedeutung des Begriffs Spread ist in diesem Fall also zu unterscheiden.

Ursprünglich stammt diese Wettform aus Großbritannien und ist dort äußerst beliebt, zumal die Gewinne dort steuerfrei sind. Gewettet wird nicht nur auf Sport- oder Finanzergebnisse, sondern auf nahezu alles, was sich auch nur irgendwie in Differenzen ausdrücken kann.

Der Pionier des Financial Spread Betting ist der IG-Gründer John Stuart Wheeler, britischer Geschäftsmann, Politiker und als obsessiver Poker-Spieler bekannt. In 1974 gründete er die Vorgängergesellschaft IG Index des heutigen CFD-Brokers IG als Spread Betting-Unternehmen.

Spread Betting als Sportwette

In erster Linie sind Spread-Wetten in Deutschland vor allem auf Sport-Ereignisse bekannt. Besonders beliebt ist diese Wettform im Fußball. Sportwetten-Anbieter ermöglichen die Abgabe von Wetten auf viele verschiedene Ereignisse während eines Fußballspiels. Wetten können nicht nur auf Tore oder Torverhältnis, sondern auch auf die Anzahl von Eckbällen, roten und gelben Karten, Minuten bis zum ersten Tor usw. abgegeben werden.

Die Wette selbst bezieht sich auf die Differenz zwischen einer Vorgabe des Wettanbieters und dem tatsächlich eingetroffenen Ereignis oder Ergebnis. Die Quote errechnet sich aus der Höhe der Differenz am Ende der betreffenden Laufzeit des Ereignisse. Je höher die Differenz, desto höher die Quote und auch der Gewinn bzw. Verlust. Bei Abschluss der Wette ist die Quote also nicht bekannt. Hier kann nur der maximal mögliche Gewinn oder Verlust ermittelt werden.

Ein Beispiel aus dem Sportwettensektor auf die Minuten bis zum 1. Tor während eines Fußballspiels:

Die Vorgabe des Sportwetten-Anbieters ist ein erstes Tor zwischen der 30. und 35. Minute. Sie schließen eine Wette auf „Unter“ ab, weil sie mit einem viel schnelleren 1. Tor rechnen und setzen 10 EUR.

Gewinn:

Fällt ein schnelles Tor unter 30. Minuten, idealerweise bereits in der 1. Minute, berechnet sich der Gewinn aus 30-1 = 29 x 10 EUR und Ihr Gewinn beträgt 290 EUR.

Verlust:

Erfolgt der Treffer erst nach 45 Minuten, wird der Verlust aus 45-35 = 10×10 EUR und das Wettkonto wird mit minus 100 EUR belastet.

Financial Spread Betting

Die Spread-Wette auf Finanzwerte wird auf die Kursentwicklung eines Basiswertes (Assets) in Pips oder Punkten als Einheit für eine Differenz abgeschlossen und kann sowohl auf steigende als auch fallende Kurse erfolgen.

Trade, Buy & Sell

Vereinfacht gesagt und ohne Berücksichtigung von Handelskosten, Margin und Hebel stellt sich Spread Betting auf Finanzwerte wie folgt dar:

Auf die Kursveränderung eines Basiswertes wird ein Geldbetrag per Punkt gesetzt, z.B. 10 EUR für 10 Punkte auf einen steigenden Kurs. Tritt die vorhergesagte Kursentwicklung ein und der Kurs steigt um 10 Punkte, ergibt sich ein Gewinn von 10×10 EUR = 100 EUR. Bei entgegengesetzter Richtung ergibt sich ein Verlust entsprechend der Punkte (Differenz) je 10 EUR, die der Kurs sich im Ergebnis von dem ursprünglich gesetzten Zielkurs nach unten bewegt hat.

Spread Betting erfolgt auf Margin-Basis und unter Verwendung von Hebeln, was eine erhebliche Multiplizierung des Volumens mit geringem Einsatz bewirkt, auf das gewettet wird.

Die Erträge des Anbieters generieren sich aus dem im Trading überlicherweise als Spread bezeichneten Differenzbetrag zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs des Basiswertes. Dieser Spread bezieht sich also nicht auf das Spread Betting an sich.

Unterschiede zwischen Spread Betting, Binären Optionen und FX/CFDs

Spread Betting wird fälschlicherweise häufig auch als Bezeichnung oder gar Oberbegriff für den CFD- und Forex-Handel, aber auch hin und wieder für Binäre Optionen verwendet. Hier bestehen jedoch Unterschiede und Spread Betting ist für sich genommen auch keine Unterart von CFDs, obwohl beide zu den sogenannten Differenzgeschäften gehören. Einige Kritiker bezeichnen Financial Spread Betting auch als CFDs unter neuem Namen, deren Einführung das Broker-Marketing ankurbeln soll. Am ehesten lässt sich Spread Betting aber mit dem Handel von Futures oder traditionellen Optionen vergleichen.

Zwar ist Spread Betting dem Forex- und CFD-Handel durchaus sehr ähnlich, unterscheidet sich aber vor allem darin, dass bei FX/CFDs ein Betrag oder Lot (Kontrakt) eines Basiswertes gehandelt wird. Beim Spread Betting wird eine Wette plaziert, die sich auf die Kursbewegung in Pips oder Punkten bezieht. Während sich im sogenannten Basket einer CFD-Position also z.B. der Wert von 10.000 Aktien als 100 Kontrakte abgelegt ist, befinden sich im Basket einer Spread-Wette 10 Pips. Gemeinsamkeit ist die Tatsache, dass beide mit einem Barwert ausgeglichen werden und kein physischer Kauf oder Verkauf von Wertpapieren erfolgt.

Forex Online-Trading

Auch bei Binären Optionen wird auf die zukünftige Kursentwicklung spekuliert, allerdings mit dem Unterschied, dass Einsatz, Rendite und möglicher Verlust von vornherein für den Trade feststehen. Beim Spread Betting ist der Gewinn und Verlust nahezu unbegrenzt durch die Hebelwirkung und den Handel auf Margin (Leverage). Höhe des Gewinns bzw. Verlustes hängen davon ab, wie weit die Vorhersage vom tatsächlichen Ergebnis in Pips oder Punkten entfernt liegt.

Spread Betting – Rechtliche Situation in Deutschland

Binäre Optionen wurden von der Europäischen Kommission (EU-Kommission) als höchste europäische Kontrollinstanz der Einhaltung des Europarechts durch die EU-Mitgliedsstaaten klar als Finanzinstrument eingestuft. Die Spekulation auf die Kursentwicklung eines Basiswertes als Binäre Option fällt somit in den Bereich der Finanzprodukte wie beim Handel mit CFDs oder Forex.

Im Gegensatz dazu zählt Spread Betting insgesamt und damit auch das Financial Spread Betting zur Kategorie der Online-Glücksspiele (Casino).

Ab 2010 sah es zunächst so aus, als wäre auch Deutschland ein Markt für Financial Spread Betting wie es seit 2008 der Handel mit Binären Optionen vormachte. Nicht zuletzt das hohe Risiko hat das Interesse an Financial Spread Bedding allerdings schnell wieder sinken lassen. Zudem ist Financial Spread Bedding in Deutschland nicht etablierbar, da die Gesetzgebung diese Finanzwetten nicht als legal und als Finanzinstrumente einstuft, sondern sie offenbar eher als nicht existent ansieht. Damit ist auch keine Regulierung durch eine Finanzmarktaufsicht möglich wie z.B. für Binäre Optionen-Broker, die häufig auf Zypern anzutreffen sind.

Die höchst risikoreiche Struktur dieser speziellen Form von Finanzwetten unter Verwendung von Hebeln ist im Grunde genommen genau das, was die deutsche Gesetzgebung zum Schutz von Spielern eigentlich zu vermeiden versucht. Beim Spread Betting weiß der Spieler bei Abschluss der Wette nicht, wie hoch sein Verlust sein kann. Die Höhe lässt sich nicht wie bei Binären Optionen von vorherein ein- und auf den Einsatzbetrag begrenzen und je nach Broker können auch Nachschusspflichten in erheblicher Höhe bei entsprechendem Kursverlauf gegen die vorgesagte Entwicklung bestehen. Damit wird Spread Betting zu einem kaum kalkulierbaren Risiko für den Spieler, der möglicherweise auch keine Erfahrung mit dem Handel von Hebelprodukten wie CFDs hat und das typische hohe Handelsrisiko im Derivate-Handel nicht kennt.

Auf EU-Ebene bezieht die zuständige Behörde CESR (Committee of European Securities Regulators – Ausschuss der Europäischen Wertpapierregulierungsbehörden) keine eindeutige Position zum Spread Betting. Es wird lediglich bestätigt, dass Spread Betting überwiegend auf Sportergebnisse bezogen ist, der Status von Financial Spread Betting wird damit nicht definiert.

Ungeklärte Regelungen zu Online-Glücksspielen in Deutschland

In Deutschland wurde das Glücksspiel durch den in den 50er Jahren in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrag geregelt. Glücksspiele waren lange Zeit ein ausschließlich staatliches Monopol. Die gesetzliche Regelung des Glücksspiels hat zum Ziel, Spielsucht zu bekämpfen und den Schutz von Jugend und Spielern durch Angebotsbegrenzung zu gewährleisten. Auch die ordnungsgemäße Spieldurchführung und Vermeidung von Betrug und Kriminalität durch illegales Glücksspiel soll damit erreicht werden.

Während die EU sich in der Vergangenheit für die Öffnung der Märkte eingesetzt hat, ist Deutschland dieser Tendenz in anderen EU-Ländern wie z.B. Italien oder Spanien mit einem den bisherigen Glücksspielstaatsvertrag ablösenden Gesetz weitestgehend nicht gefolgt. Online-Glücksspiele werden in der aktuellen Gesetzgebung im Ersten Glücksspieländerungsvertrag vom 01. Juli 2012 weiterhin nicht erwähnt, die wesentliche Änderung bezog sich lediglich auf die Öffnung des Marktes für Sportwetten.

Die europäische und deutsche Gesetzgebung widersprechen sich in ihrer aktuellen Auslegung zum Online-Glücksspiel und es gibt bisher keine einheitliche Regelung oder finale, übergeordnete Entscheidung der EU. Online-Glücksspiele werden in Deutschland bisher mehr oder weniger stillschweigend geduldet, der Markt ist nach wie vor eine gesetzliche Grauzone. Offiziell ist das Online-Glücksspiel in Deutschland demnach nicht erlaubt, aber eben auch nicht explizit verboten. Für Spieler, die im Übrigen bisher für ihre Aktivitäten im Online-Glücksspiel noch nie belangt wurden, da die eindeutige gesetzliche Grundlage fehlt, bedeutet das, dass sie gegen Anbieter von Online-Glücksspielen nicht juristisch vorgehen können. Sollten Spieler also Forderungen gegen diesen haben, wie z.B. die Nichtauszahlung von Gewinnen o.ä., können diese nicht eingeklagt werden.

Wer bietet Spread Betting an und wo?

In Deutschland machte vor allem der irische Spread Betting und CFD-Broker Worldspreads seinerzeit Schlagzeilen, der in 2012 Insolvenz anmeldete und seine Kunden zudem im großen Stil betrogen hat. Worldspreads war seit 2010 der einzige Anbieter von Financial Spread Bettings in Deutschland und führte sie unter der Bezeichnung e-Spreads über die Münchner Fidor-Bank, einer reinen Online-Bank, ein. Trotz FCA-Regulierung war es dem Broker möglich, Kundengelder mit dem Unternehmenskapital zu mischen und nicht, wie es gemäß den Regulierungsbestimmungen sowohl in Großbritannien bei der FCA als auch in der Gesamt-EU zwingend ist, auf separaten Bankkonten zu verwahren. Das Deutschland-Geschäft von Worldspreads befand sich seinerzeit noch in der Anfangsphase, so dass „nur“ rund 500 deutsche Kunden betroffen waren, insgesamt belief sich die Summe fehlender Kundengelder aber auf über 15 Mio. EUR.

Deutsche Anbieter von Spread Betting auf Finanzwerte gibt es derzeit nicht. Spread Betting wird lediglich von einigen deutschen, lizenzierten Sportwetten-Anbietern auf sämtliche Sport-Wettereignisse und besonders im Fußball angeboten.

 
Jetzt bei IG Markets anmelden!und mobil online traden!

Britische Broker bieten Spread Betting nur für Kunden in UK und Irland

Anders als in Deutschland sieht es dagegen in Großbritannien aus. Spread Betting ist bei den wettfreudigen Briten nicht nur legal, sondern auch steuerfrei. Wetten auf Finanzwerte werden wegen des „Börsenhintergrunds“ von zahlreichen bekannten und seriösen CFD-Brokern wie beispielsweise CMC Markets, IG oder AvaTrade, angeboten, die durch die britische Finanzmarkaufsicht FCA (Financial Conduct Authority) reguliert werden. Financial Spread Betting ist jedoch nur den Kunden in UK und Irland vorbehalten. Nach Auskunft von u.a. IG auf Anfrage steht Spread Betting für alle anderen EU-Kundenkonten, die keinen Wohnsitz in UK oder Irland haben, nicht zur Verfügung. Dies gilt ebenso für alle anderen britischen Broker, die Spread Betting in ihrer Produktpalette führen.

London

Was sind die Alternativen zum Spread Betting auf Finanzwerte?

Wer als Trading-Einsteiger nach einem leicht verständlichen Handelsinstrument mit einem klar kalkulierbarem möglichen Verlust sucht, sollte sich zunächst mit den bei privaten Anlegern beliebten Binären Optionen beschäftigen. Trader spekulieren bei den klassischen Put & Call-Optionen auf eine steigende oder sinkende Kursentwicklung über bzw. unter einer festgelegten Kursmarke während einer bestimmten Laufzeit und können mit niedrigen Einsätzen handeln.

Der maximal mögliche Verlust kann nicht mehr als den Einsatz betragen und es sind Renditen von meist um die 80% erzielbar. Es spielt während der Laufzeit einer Binären Option keine Rolle, ob und wie oft sich der Kurs des Assets in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Hier ist nur der Kursstand am Ende der Laufzeit der entscheidende Punkt und ob die Spekulation auf die Kursentwicklung richtig war.

Uhr-Münzen

Im Gegensatz zum CFD-Handel ist bei Binären Optionen auch keine Kursbeobachtung während der Laufzeit nötig, da ohnehin keine Änderungen wie z.B. Stop Loss-Marken vorgenommen werden können.

 
Jetzt zu Avatrade und Neukundenbonus kassieren!

Fazit zu Spread Betting

Financial Spread Betting gehört im Gegensatz zu Binären Optionen und anderen Finanzinstrumenten wie CFDs oder Forex-Handel zur Kategorie der Glücksspiele. Die Finanzwette mit Hebelwirkung birgt ein äußerst hohes Risiko, da Verluste auch das vorhandene Guthaben auf dem Trading-Konto übersteigen können und die Verlusthöhe nicht kalkulierbar ist bzw. von der Abweichung der Differenz zum Ablaufzeitpunkt und dem verwendeten Hebel abhängt. Unbekannt ist beim Spread Betting auch die Gewinnquote, sie lässt sich erst am Laufzeitende ermitteln, da sie ergebnisabhängig ist.

Britische, regulierte Broker bieten zwar neben dem Handel mit CFDs und Forex auch Spread Betting an, für Kunden außerhalb UK und Irland steht diese Option aber nicht zur Verfügung. Von daher erübrigt sich die Suche nach dem optimalen Spread Betting-Anbieter unter den Brokern mangels Angebot.

Eine weitaus überschaubarere Alternative zum Financial Spread Betting für Trading-Einsteiger sind Binäre Optionen mit einem klar definierten maximalen Handelsrisiko, denn hier kann ein Verlust kann nur den Einsatz betreffen und auch die Höhe der Rendite wird vorher genau festgelegt. Zwar wird auch hier wird auf eine steigende oder sinkende Kursentwicklung spekuliert, die Struktur klassischer Binärer Put & Call-Optionen ist aber weitaus einfacher verständlich. Bei Binären Optionen werden keine Hebel oder technischen Trading-Werkzeuge wie Stop Loss-Marken, Trailing Stops, Limit-Orders usw. wie im CFD-Handel verwendet, die ein umfangreiches Trading-Wissen und Handelserfahrung voraussetzen.

 
Jetzt CMC Markets und vom Hebel bis zu 1:500 profitieren!

Jetzt den richtigen Broker in unserem Vergleich der TOP-Broker 2015 finden & traden

In unseren unabhängigen Erfahrungsberichten haben wir alle Ergebnisse unserer Tests & Bewertungen der Broker zusammengefasst. Wir bewerten neben Seriosität, Kosten, Bedingungen und Service auch die handelbaren Märkte, Art und Umfang des Asset Index und die verfügbaren Handelsarten der Broker, so dass Trader einen vollständigen Angebotsüberblick des jeweiligen Anbieters erhalten.

Vergleichen Sie deshalb unsere jeweiligen Erfahrungsberichte zu den TOP-Brokern 2015 für den Binäre Optionen-, Forex- und CFD-Handel und melden sich dort direkt beim Anbieter Ihrer Wahl an.

Neben unserem Broker-Vergleich finden Sie auch zahlreiche Beiträge zum besseren Verständnis der verschiedenen Handelsarten und Fachbegriffe im Online-Trading, die Anfängern den Einstieg in den Handel erleichtern und sich für Fortgeschrittene, die beispielsweise neue Finanzinstrumente traden oder Strategien anwenden möchten, zum Nachschlagen eignen.

 

Spread Betting in Deutschland was last modified: Februar 9th, 2016 by AngelaZ