Trendumkehr – Der U-Turn an der Börse als Handelsstrategie

Wer auf eine Trendumkehr setzt, erwartet einen Trendwechsel in die entgegengesetzte Richtung des bisherigen Kursverlaufs. Hierzu sind erweiterte Handelskenntnisse notwendig, die insbesondere auf der technischen Chartanalyse basieren. Denn ein „Das kann doch nicht ewig in dieser Richtung weitergehen“ leitet noch lange keinen U-Turn ein. Wer jedoch die Zeichen rechtzeitig erkennt, kann durch Vorsprung profitieren und seine Renditechancen erhöhen.

Wie Sie eine bevorstehende Trendumkehr erkennen und welche Chart-Formationen Sie hierbei beachten und richtig einschätzen sollten, lesen Sie in unserem Beitrag.

Was ist eine Trendumkehr?

Eine Trendumkehr bedeutet eine definitive Änderung der Marktrichtung bzw. des bisherigen Kursverlaufs in die Gegenrichtung. Im Englischen wird diese Umkehr Reversal genannt. Kehrt sich ein Aufwärtstrend um in einen Abwärtstrend oder umgekehrt, handelt es sich um eine Trendumkehr.

Dieser Richtungswechsel kann praktisch jederzeit stattfinden und ist von ganz unterschiedlichen Einflüssen auf den Kurs abhängig. So z.B., wenn ein Aktienunternehmen mit bisher stabilem Aufwärtstrend für die Aktionäre eher unerfreuliche Ergebnisse, Strategieänderungen veröffentlicht und sich die Fundamentaldaten ändern. Häufig stürzt der Kurs dann sogar erst einmal in die Gegenrichtung regelrecht ab. Bei Insolvenzen natürlich umso mehr im freien Fall.

Umkehrt gilt dies natürlich genauso für beispielsweise über den Erwartungen liegenden Unternehmensergebnissen oder einer profitablen Übernahme eines Wettbewerbers. Positive Ergebnisse können einen Abwärtstrend aufhalten und sich in die Gegenrichtung zu einem Aufwärtstrend entwickeln.

Zu beachten ist, dass eine Trendumkehr nicht mit einer Korrektur verwechselt werden darf.

Wie identifiziert man einen Trend?

Bevor auf eine Trendumkehr spekuliert wird, muss der Trader natürlich erst einmal wissen, welchem Trend die Kursrichtung bisher folgt. Eine Trendlinie lässt sich auch bei einem unregelmäßig erscheinenden Kursverlauf, der keinen eindeutigen Trend nach oben oder unten mit bloßem Auge erkennen lässt, einfach einzeichnen und verbinden. Bei einem Aufwärtstrend des Kurses bestehen beispielsweise mehrere Hochs nach oben und auch höhere Tiefs hintereinander. Diese Peaks (Kursausschläge) werden durch eine Linie jeweils oben und unten miteinander verbunden, so dass zwei parallel verlaufende, horizontale Linien entstehen.

Der idealtypische Aufwärtstrend eines Kursverlaufs im Chart (Quelle: boerse.ard.de)

Genauso anwendbar ist diese Trendlinie für einen Abwärtstrend. Hier sind tiefere Hochs und auch tiefere Tiefs hintereinander erkennbar. Je länger ein Trend besteht und je gerader und eindeutiger er verläuft, desto einfacher ist er für geübte Trader auch ohne Linienverbindungen mit bloßem Auge zu erkennen.

Berühren sich allerdings diese beiden Hilfslinien bzw. läuft eine auf die andere zu, kommt es möglicherweise zu einer Trendumkehr. Fällt der Kurs nach einer Aufwärtstendenz, berührt die obere Linie die untere und der Trend setzt sich statt nach oben nach unten fort. Steigt der Kurs nach einer Abwärtstendenz, bewegt sich die untere Linie auf die obere zu.

 

Trends vs. reguläre Kursschwankungen

Da ein Kurs nie statisch in gerade Linie verläuft und immer in einer mehr oder weniger ausgeprägten Auf- und Ab-Bewegung ist, muss zunächst die tatsächliche Trendbewegung bezogen auf einen steigenden oder fallenden Kurs bestimmt werden.

Indikatoren der Chartanalyse erkennen eine einen Trend sowohl bei steigenden als auch fallenden Märkten und die Analyse erfolgt über einen längeren Zeitraum der Kurshistorie. Wird ein Trend erkannt, d.h. besteht dieser also bereits, befindet sich nicht erst in der Entwicklung oder zeigt die Tendenz einer zu werden, sondern ist bereits vorhanden.

Problematisch sind Signale der Chart-Indikatoren zur Trend-Bestimmung bei einer überwiegenden Seitwärtsbewegung des Kurses. Dann generiert praktisch jeder Ausbruch nach oben oder unten ein Fehlsignal und markiert falsche Ein- oder Ausstiegszeitpunkte. Das System der technischen Chartanalyse reagiert in diesem Fall sozusagen hypersensibel und erkennt keine normalen Schwankungen, da diese von der generellen Seitwärtsbewegung rein technisch zu sehr abweichen und keine flexiblen Toleranzen eingebaut werden können. Es gilt also, die fehlerhaften Signale auszusortieren und sich auf die tatsächliche Trendlinie zu konzentrieren.

 

Wie erkennt man eine bevorstehende Trendumkehr?

Eine Trendumkehr kann sich, sofern sie nicht abrupt z.B. durch die Veröffentlichung negativer Unternehmensnachrichten verursacht wird, im Kursverlauf gegebenenfalls ankündigen. So kann es z.B. zu einer Trendumkehr kommen, wenn Kursausschläge nach oben oder unten immer weniger werden. Dies ist aber nur eine sehr allgemeine und unzuverlässige Definition, die auch von weiteren Faktoren abhängt. Ob im Kursverlauf ein bestimmtes Muster zu erkennen ist, zeigt sich bei der Chartanalyse als technischer Indikator für eine Trendumkehr.

Technische Chartanalysen für die Trendumkehr

Die wichtigsten Chart-Formationen für eine voraussichtliche Trendumkehr

Erfolgreiche Trader greifen auf eine Vielzahl von Informationen und eine ganze Reihe von Chart-Instrumenten und technischen Indikatoren zurück, um ihr Handelsverhalten zu verbessern und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, mehr Gewinne zu erzielen.

Die wichtigsten technischen Chart-Analysen, die auf eine Trendumkehr des Kursverlaufs hindeuten, und wie diese sich in der Chart-Formation darstellen, stellen wir Ihnen nachfolgend kurz vor:

Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation

In der vereinfachten Darstellung besteht die Schulter-Kopf-Schulter-Formation in einem Chart aus einem Zwischenhoch (der ersten Schulter), einem höheren Hoch (Kopf) und einem Rückfall auf das Kursniveau des vorgenannten Zwischenhochs (nun der zweiten Schulter). Danach steigt der Kurs zwar wieder an, jedoch nur bis zu dem Niveau der ersten, linken Schulter. Damit ist die Schulter-Kopf-Schulter-Formation vollständig. Eine Verbindungslinie zwischen dem Rückfallniveau der linken und rechten Schulter wird als Nackenlinie bezeichnet.

Eine typische Schulter-Kopf-Schulter-Formation am Beispiel der Fielmann-Aktie (Quelle: www.finanztreff.de)

Im Chart sind bei einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation insgesamt drei Zwischenhochs zu erkennen, von denen das mittlere Zwischenhoch (Kopf) das höchste Kursniveau erreicht hat. Durchbricht der Kurswert nun im weiteren Verlauf die Nackenlinie, folgt ein Verkaufssignal.

Umgekehrt handelt es sich bei der Formation in der spiegelverkehrten Darstellung (der Kopf bildet in diesem Fall das tiefste Kursniveau) um die inverse (umgekehrte) Schulter-Kopf-Schulter-Formation. D.h. wird die Nackenlinie nach Ausbildung der Formation im Chartverlauf durchbrochen, folgt ein Kauf-Signal, der Kurs steigt.

Doppeltop – Das „M“ im Chart

Eine Trendumkehr signalisiert auch die Doppeltop-Formation, die im Chartverlauf ein deutliches „M“ zeigt.

Die Doppeltop-Chartformation bildet ein Hoch und eine nachfolgende Konsolidierung ab, d.h. der Kurs stabilisiert sich nach Erreichen dieses Peaks wieder und fällt auf ein niedrigeres Niveau ab. Durch Käufe wird das Kursniveau jedoch wieder zurück auf das Niveau des vorangegangenen Hochs gebracht. In der Folge sinkt der Kurs nach dem zweiten Hoch, dem Doppeltop (auch Zweifachhoch genannt), die Trendumkehr ist damit eingeleitet.

Doppeltop im Chart der Daimler Benz-Aktie (Quelle: www.euro-am-sonntag.de/www.tradesignalonline.de)

Der Doppelboden – Das Gegenstück zum Doppeltop mit einer deutlichem „W“-Formation

Das Gegenstück zum „M“ der Chart-Linie beim Doppeltop bildet der Doppelboden in seiner W-Formation. Ein typischer Verlauf ist die Bildung eines Tiefs, dem ein anschließendes Hoch folgt, welches danach wieder abfällt, aber nicht das Niveau des zuerst gebildeten Tiefs erreicht. Nachfolgend steigt das Kursniveau wieder auf das zuerst gebildete Hoch. Nach erneutem Absinken über dem Niveau des letzten Tiefs folgt typischerweise ein starker Anstieg.

Um von einem Doppelboden ausgehen zu können und nicht von den sonstigen, sehr häufig im Chartverlauf vorkommenden „W“-Formationen fälschlicherweise auf die Trendumkehr zu schließen, geht man von einem Zeitraum zwischen den beiden Tiefs von einer Zeitspanne von etwa einem Monat aus. Legen Sie deshalb mindestens eine Kurshistorie von 30 Tagen zugrunde.

Grundsätzlich ist der Doppelboden durch seine einfache Struktur in Form eines „W“ leicht mit zahlreichen Kursverläufen zu verwechseln, die genauso aussehen, denen aber keine Trendumkehr folgt. Andererseits ist er oft nur in historischen Charts vollständig zu erkennen und folgt auch nicht immer dem Musterbeispiel im Chart. Die Trendwende wird bei der Doppelboden-Formation erst erreicht, wenn das letzte Hoch nach oben durchbrochen wird.

Technisches Chart des Kursverlaufs der Deutsche Post-Aktie mit potentiellem Doppelboden (Quelle: www.hsbc-zertifikate.de; HSBC Trinkaus)

Wann kommt die Trendumkehr?

Jeder Trend geht einmal zu Ende, so dass die Zeit der früher oder später kommen wird. Die Frage ist nur, wann und in welchen Zeitraum sollte man unter Anwendung dieser Strategie handeln?

Durch die vorherige technische Chartanalyse lässt sich eine Trendumkehr bzw. dessen Eintrittszeitpunkt zeitlich nicht exakt bestimmen, sondern lediglich vermuten. Der Markt unterliegt zahlreichen Faktoren und Einflüssen. Er ist zu unberechenbar, um ihn mit einer vergleichsweise einfachen Chart-Diagnostik vorhersehbar zu machen.

Nicht jede Chart-Formation, die den o.g. entspricht, bedeutet auch tatsächlich eine Trendumkehr. So macht es beispielsweise wenig Sinn, nach minimalen M- oder W-Formationen im Laufe des Handelstages zu suchen. Diese kommen täglich mehrfach vor. Insbesondere die Doppeltop-Formation bildet sich sehr häufig und lässt nicht unbedingt auf eine Trendumkehr schließen, die eine Trendumkehr Strategie und damit eine Handelsentscheidung rechtfertigen würde.

Verwechslungsgefahr zwischen Trendumkehr & Kurskorrektur

Auch darf die Trendumkehr nicht mit einer Korrektur verwechselt werden. Bei der Kurskorrektur handelt es sich um ähnliche Chartmuster, nämlich einer Gegenbewegung zum bisherigen, bereits länger anhaltenden Kursverlauf. Dabei spielt es wie bei der Trendumkehr keine Rolle, ob es sich um einen sich auf- oder abwärts bewegenden Kurs handelt. Ursächlich ist hier jedoch, dass viele Marktteilnehmer diesen bisherigen Kursverlauf als übertrieben gesehen haben. Bei Aktienkursen passt sich der Kurs dann den Daten aus der Fundamentalanalyse des Aktienunternehmens an, üblicherweise innerhalb von Tagen oder Wochen.

Wie zuverlässig ist die technische Chartanalyse?

Bei der Chartanalyse handelt es sich um eine rein technische Analyse, d.h. der Kursverlauf im Chart wird anhand von unterschiedlichen Indikatoren ausgewertet, um eine Beurteilung der Kurs- und Umsatzentwicklung (Handelsvolumen) zu ermöglichen, sowohl als Analyse historischer Daten als auch der Einschätzung der zukünftigen Entwicklung oder Trends.

Anders als die Fundamentalanalyse beinhaltet die technische Analyse keine betriebs- oder volkswirtschaftlichen Daten oder Faktoren, die sich ebenfalls auf den Kurs und das Handelsvolumen des Basiswertes (bei Aktien) auswirken können.

Die technische Analyse bleibt also rein technischer, statischer Natur und berücksichtigt keine äußeren Einflüsse wie Unternehmensnachrichten, wirtschaftliche, finanzwirtschaftliche oder politische Ereignisse. Deshalb eignet sie sich nur im Zusammenhang mit diesen Informationen für eine Prognose.

Für sich genommen ist die Aussagekraft der technischen Analyse kritikanfällig. Ob man anhand der rein technischen Analysedaten eine Vorhersage über die zukünftige Kursentwicklung machen kann, ist nicht erwiesen. Es stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob technische Chartanalysen nach Veröffentlichung das Anlegerverhalten beeinflussen und möglicherweise nur deshalb die prognostizierte Entwicklung eintritt.

Inwieweit kann man sich auf automatische Handelssignale aus der technischen Chartanalyse verlassen?

Unter Handelssignalen versteht man Informationen, die z.B. als Entscheidungshilfe dienen, ob beispielsweise das Öffnen einer Position, mit der nach Ablauf auch wirklich ein Gewinn erzielt werden kann, wirklich sinnvoll ist, oder auch ob eine Tendenz zu erkennen ist, bei der das vorzeitige Schließen einer Position von Vorteil wäre. Diese Informationen können aus vielerlei Quellen bestehen, z.B. Markttendenzen, Unternehmensnachrichten, wirtschaftlichen, finanzwirtschaftlichen oder politischen Ereignissen, aber auch aus technischen Chartanalysen und –mustern unter Verwendung von Tools und Indikatoren.

Einige Broker haben in ihren Kontomodellen kostenlose Handelssignale eingebaut. Sie basieren rein auf einer technischen Chartanalyse.

Doch auch die Broker sind nicht der Urheber der Handelssignale und betreiben keine eigenen Analysen. Signalgeber-Software gibt es viele, in vielen Fällen aber leider auch weniger gute, die es sich zu kaufen nicht lohnt. Die Broker greifen in aller Regel auf bekannte Serviceanbieter zurück und installieren deren Software auf ihrer Trading-Plattform. Geheim sind diese Anbieter nicht und auch Webservice-Unternehmen bieten Handelssignale für Binäre Optionen über das Internet an, die Händler nutzen können.

Handelssignale einer Testphase unterziehen & prüfen

Handelssignale sollten auf keinen Fall im Live-Handel getestet werden. Das Risiko, dies teuer mit einem Verlust zu bezahlen ist einfach zu groß. Das Demo-Konto eines Brokers eignet sich stattdessen ideal für risikofreie Trades, um Handelssignale zu testen. Wer sich noch nicht für einen Broker entschieden hat, sollte der Broker-Wahl auf kostenlose Demo-Konten achten, die unabhängig von einem Live-Account eröffnet werden können.

Sinnvoll ist es, sich zu notieren, ob man den Trade z.B. auch ohne das Handelssignal ausgeführt hätte und ob der Handel in Gewinn oder Verlust gelaufen wäre. Am Ende der Testphase ergibt sich dann eine eigene Erfolgsstatistik, ob die Handelssignale qualitativ tatsächlich eine gute Unterstützung sind und das persönliche Trading-Verhalten aufgrund richtiger Handelsentscheidungen verbessert haben.

Fazit zur Trendumkehr Strategie

Die Anwendung der Trendumkehr als Strategie setzt einiges technisches Verständnis aber auch Marktkenntnisse voraus. Sie eignet sich deshalb nur für fortgeschrittene Trader. Richtig angewendet, kann sie einen Vorsprung verschaffen und die Renditechancen bei reaktionsschnellen Handelsentscheidungen erhöhen.

Weitere Handelsstrategien sind beispielsweise Saisonalität, Volatilitätsstrategie und die Trendfolge-Strategie.

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Trendumkehr – Der U-Turn an der Börse als Handelsstrategie was last modified: Januar 1st, 2018 by AngelaZ