Unterschiedliche Kursstellung der Online-Broker

Chart

Die Kursstellung der Online-Broker – Warum ist sie oft unterschiedlich?

Für den Handel ist die Kursstellung ausschlaggebend, keine Frage. Nur, wer sich am Kurs und dem Chart orientieren kann, kann auch Indikatoren einsetzen, um eine technische Chartanalyse vorzunehmen. Korrekte Kurse sind wichtig für den optimalen Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkt.

Doch die Kurse sind bei vielen Brokern unterschiedlich. Woran liegt das? Warum sind sie nicht identisch mit den Börsenkursen? Bedeutet das, dass Broker den Kurs grundsätzlich manipulieren oder ihn sich einfach „ausdenken“?

Was sind Realtime-Kurse?

Realtime-Kurse sind Echtzeit-Kurse, die den aktuellen Kurs (Preise und Quotes) der Basiswerte an der Börse darstellen. Viele Finanzportale übernehmen die Börsenkurse durch ein Push-Verfahren, d.h. in einer sehr kurzfristigen Taktung erhalten sie immer den aktuellen Wert.

Den Kunden stehen die Realtime-Kurse der Finanzportale oft kostenlos zur Verfügung. Um die Kurse jedoch überhaupt in Echtzeit zu erhalten, müssen die Anbieter dafür Gebühren direkt an die Börse oder einen anderen Kursanbieter zahlen, über den sie die Push-Funktion nutzen können.

Die verschiedenen Börsen stellen für jede Anlageklasse Datenpakete mit Realtime-Kursen zusammen. Im Internet sind zwar die Standard-Werte frei über die Kursanbieter erhältlich, weitere Kurspakete der Börsen sind jedoch vergleichsweise teuer, je nach Markt zwischen etwa 50-200 EUR monatlich.

Wer Aktien oder Aktien-CFDs handelt, erhält bei seinem Broker oder der Bank häufig ein kostenloses Standard-Paket mit Realtime-Kursen, welches gegen monatliche Gebühren erweitert werden kann.

Bei einigen CFD-Brokern sind keine Aktien-CFDs, sondern nur Forex, Indizes und/oder Rohstoffe handelbar. Das liegt in aller Regel daran, dass der Anbieter auf die Investition für eine kostenintensivere Infrastruktur und Datenversorgung durch die Börsen für den Aktienhandel verzichtet. Es ist ihm schlichtweg zu teuer.

Woran man erkennt, dass Broker nicht für die Kursübermittlung bezahlen (wollen)

Halbwegs findige Broker finden Mittel und Wege, um die Kostenpflicht für Realtime-Kurse oder Kursübermittlung mit Verzögerung zu umgehen. Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum einige Broker in ihrem Asset Index unter Indizes nicht den DAX, sondern Bezeichnungen wie GER30 oder andere Bezeichnungen verwendet, die kein Mensch kennt.

Der DAX ist ein geschütztes Produkt der Deutschen Börse. Broker, Banken und andere Marktteilnehmer dürfen den DAX und dessen Kurs deshalb nicht einfach verwenden. Sie würden sonst ein geschütztes, an der Börse gehandeltes Produkt widerrechtlich nutzen und illegalen Handel damit treiben, wenn sie ihn in ihren eigenen Handel mit aufnehmen. Deshalb ist die Nutzung des geschützten Namens DAX (Deutscher Aktien-Index) kostenpflichtig.

Einige Broker haben sich deshalb Fantasienamen für eine Abbildung des DAX überlegt und er ist unter diversen Bezeichnungen wie eben GER30, L&S DAX oder gar Deutsche Bank DAX unter den Indizes aufgeführt. Dieses Vorgehen trifft natürlich auch auf diverse andere Indizes zu, nicht nur in Deutschland, sondern auch international. Wer im Asset Index zahlreiche Namen findet, die er noch nie gehört hat, die gängigen der großen Indizes jedoch vermisst, kann davon ausgehen, dass diese eine andere Bezeichnung erhalten haben.

Woher kommen die Forex-Kurse?

Währungen (Forex) werden außerbörslich gehandelt, d.h. der Devisenhandel ist ein dezentraler Markt und nicht über eine regulierte Börse organisiert. Einen Börsenkurs für ein Währungspaar, wie beispielsweise für Aktien, die während der Handelszeiten an der Deutschen Börse gehandelt werden, gibt es also nicht. Der Devisenkurs wird vom Interbanken-Markt ermittelt, was bedeutet, dass jede Bank einen anderen Kurs berechnet. Forex-Broker übernehmen den Kurs einer Bank oder ermitteln aus mehreren Kursen für eine Währung einen Mittelwert. Deshalb sind die Forex-Kurse der Broker von vornherein unterschiedlich.

Als quasi Referenzwert gilt auch der Kurs der Zentralbanken, wie beispielsweise der Europäischen Zentralbank (EZB), die einmal täglich einen Kurswert in Absprache mit den betreffenden anderen Notenbanken veröffentlicht, z.B. EUR/USD. Verbindlich ist dieser Kurs aber nicht.

Der Umrechnungskurs von Fremdwährungen wie beim Auslandseinsatz von Kreditkarten erfolgt über die Bank, die der Kreditkartenanbieter als Referenzbank dafür nutzt. Währungsumrechner im Internet beinhalten auch die Auswahl, den aktuellen oder historischen Kurs der EZB, des Interbanken-Marktes oder der Kreditkarten-Unternehmen mit durchschnittlichem, prozentualen Aufschlag zu ermitteln.

Anders verhält es sich bei Währungs-Futures. Sie werden an der Börse gehandelt, z.B. EUR-Futures. Trader sehen hier also einen Börsenkurs im Chart, keinen Interbanken-Kurs.

Kurse von Binäre Optionen-Brokern sind keine Realtime-Kurse

Binäre Optionen-Broker verwenden keine Echtzeit-Kurse. Sie sind sogenannte Market Maker und stellen die Kurse selbst. Zwar in Anlehnung an den Börsenkurs, aber eben nicht identisch damit. Das gesamte Geschäftsmodell reiner Binärer Optionen-Broker baut auf Market Making und damit eigener Kursstellung für außerbörslichen Handel auf.

Kurse von FX- & CFD-Brokern unterscheiden sich je nach Handelsmodell

Forex- & CFD-Broker arbeiten mit unterschiedlichen Handelsmodellen, was sich auch auf die unterschiedlichen Kurse auswirkt.

ECN-Broker mit direkter Marktausführung

ECN-Broker leiten die Kurse aus dem Interbanken-Markt ihrer Handelspartner 1:1 an ihren Kunden weiter. Es erfolgt eine direkte Marktausführung des Trades mit dem jeweiligen Partner. Die Handelspartner bilden einen sogenannten Pool und bestehen aus Banken, Investmentbanken u.a.

Der Trader handelt über die Handelsplattform mit dem Partner, der ihm den besten Kurs bietet. Durch die Konkurrenz der Handelspartner im Wettbewerb um das Handelsgeschäft mit dem Trader entsteht eine Kursspanne, aus der man sich für die günstigste am Markt entscheiden kann.

Das ECN-Handelssystem bildet den bestmöglichen Kurs als günstigsten Spread ab (Quelle: Admiral Markets)

Das ECN-Handelssystem bildet den bestmöglichen Kurs als günstigsten Spread ab (Quelle: Admiral Markets)

Market Maker mit eigener Kursstellung

Bei Market Makern wird auch im Forex- und CFD-Handel der Kurs vom Broker selbst gestellt. Eine direkte Marktausführung erfolgt nicht, der Kunde handelt nur mit (oder gegen) den Broker.

Market Maker sichern Forex- und CFD-Positionen unter den offenen Kunden-Positionen ab, d.h. Verkäufe werden gegen Käufe abgesichert und umgekehrt. Sind zu wenig Gegenpositionen vorhanden, sichert er sie auch am Markt ab, um sich vor Verlusten zu schützen, was allerdings auch zum Nachteil des Kunden ausfallen und Interessenskonflikte erzeugen kann. Deshalb sind Market Maker vor allem bei sehr erfahrenen Tradern und Profis meist nicht sehr beliebt, sie bevorzugen die direkte Marktausführung zum Interbanken-Kurs und keine Kursstellung durch den Broker.

Indirekte Market Maker im Forex- & CFD-Handel mit eigener Kursstellung

Vereinzelte Broker bezeichnen sich zwar als ECN-Broker mit direkter Marktausführung, tatsächlich handelt es sich aber um indirekte Market Maker. Nämlich dann, wenn die direkte Marktausführung nur über einen Handelspartner, wie z.B. der Commerzbank bei comdirect, erfolgen kann. In diesem Fall stellt nur die Commerzbank den Kurs, kein Interbanken-Pool. Das macht bezüglich der Kursstellung faktisch keinen Unterschied zum reinen Market Maker.

Realtime-Kurse über die MetaTrader-Handelssoftware

Broker, die die für den professionellen Handel geeignete und mit zahlreichen Features für die Chartanalyse und den automatischen Handel ausgestattete MetaTrader-Handelssoftware nutzen, können generell technisch problemlos Realtime-Kurse anbieten. Die von Binäre Optionen-Brokern oft genutzte Handelsplattform SpotOption ist hierauf ohnehin nicht ausgerichtet.

MetaTrader Logo

Warum gibt es unterschiedliche Kurse zum gleichen Basiswert beim selben Broker?

Ein häufiges Thema in Trader-Foren ist die Tatsache, dass derselbe Broker einen unterschiedlichen Kurs zum gleichen Basiswert angibt. Das ist dann der Fall, wenn über unterschiedlichen Handelsplattformen gehandelt wird, weil der Broker ein ECN- als auch ein Market Maker-Konto anbietet. Für die direkte Marktausführung über das ECN-Konto werden dann Realtime- bzw. die Kurse des Interbanken-Marktes angegeben. Für das Market Maker-Konto erscheint ein abweichender Kurs, weil der Broker diesen selbst stellt.

Welche Kurse soll man zur Analyse heranziehen?

ECN-Broker übernehmen zwar die Kurse vom Interbanken-Markt ihrer Handelspartner, doch auch diese orientieren sich bei börsengehandelten Produkten an der Börse.

Auch Market Maker ziehen für die Kursermittlung in aller Regel die Börsenkurse heran. Seriöse Broker stellen ihre Reputation am Markt nicht durch Fantasiekurse in Frage, so dass man der Kursstellung in der Tendenz durchaus trauen kann, sie sind nur keine Realtime-Börsenkurse. Für die Analyse eignen sich trotzdem meistens die direkten Börsenkurse am besten, wenn diese in Echtzeit übermittelt sind.

Im Forex-Handel sollte man die Kurse analysieren, die vom eigenen Broker zur Verfügung gestellt werden. Im außerbörslich gehandelte Devisenmarkt bestehen zwischen den Kursgebern teils erhebliche Unterschiede. Das gilt besonders für die ruhigen Handelsphasen außerhalb der Handelszeiten, in denen normalerweise besonders hohe Volatilität herrscht. Zwar findet der Devisenhandel rund um die Uhr statt, ab 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit lässt die Marktaktivität jedoch sichtbar nach, so dass sich dann auch die Spreads (Differenz zwischen Geld- und Briefspanne, An- und Verkauf) erhöhen.

 
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Fazit zur unterschiedlichen Kursstellung der Online-Broker

Die unterschiedliche Kursstellung bei Online-Brokern ist zunächst einmal abhängig von dem Datenanbieter, über den sie bezogen wird. Die zuverlässigste Kursangabe ist der jeweilige Realtime-Kurs der Börse. Realtime-Kurse sind sowohl über die diversen Finanzportale im Internet, aber auch bei vielen Forex- und CFD- und natürlich Aktien-Brokern kostenlos erhältlich.

Für Broker sind die Echtzeit-Kurse der Börse kostenpflichtig. Von den Börsen bzw. anderen Anbietern der Realtime-Börsenkurse erhalten sie Datenpakete für die verschiedenen Anlageklassen. Wer ein über die Standard-Pakete hinaus als Trader Zugang zu den Echtzeit-Kursen über seinen Broker haben will, muss deshalb oft eine monatliche Gebühr zahlen.

Nicht börsengehandelte Produkte wie Währungen gehören zu den sogenannten OTC-Produkten (over the counter). Auch Binäre Optionen gehören zum OTC-Handel. Sie werden rund um die Uhr im freien Markt gehandelt und nicht über eine regulierte Börse. Devisenkurse unterscheiden sich deshalb oft in nicht unerheblichem Umfang. Sie werden vom Interbanken-Markt, den verschiedenen Marktteilnehmern wie Banken, Investmentbanken oder großen Währungs-Brokern, ermittelt. Forex-Broker übernehmen diese Kurse von ihrem jeweiligen Handelspartner, so dass der Devisenkurs sich sowohl zwischen den Brokern, aber auch bei den Kursangaben der Finanzportale im Internet unterscheidet.

Neben dem Datenanbieter, von dem der Broker die Kurse bezieht, ist aber auch das Handelsmodell entscheidend für die Kursstellung. Handelt es sich um einen ECN-Broker mit direkter Marktausführung, erfolgt die Kursstellung aufgrund der Kursdaten der Handelspartner im Interbanken-Markt. Sie geben den Kurs 1:1 ohne (im Idealfall) oder mit nur sehr geringem Aufschlag an ihren Kunden weiter, der den Kauf oder Verkauf direkt mit dem Handelspartner am Interbanken-Markt ausführt.

Da ECN-Broker unterschiedliche viele und auch verschiedene Handelspartner im Interbanken-Markt haben, sind die Kurse auch hier bei den Brokern mit direkter Marktausführung (Non Dealing-Desk) nicht gleich. Einige haben 20 Handelspartner, andere 5 oder 6. Um einen angemessenen Wettbewerb zwischen den Handelspartnern zu gewährleisten, sollten es mindestens 12 sein.

Market Maker wiederum stellen ihre Kurse selbst. Zwar orientieren sie sich hierbei am Börsenkurs, übernehmen diesen aber nicht. Im Vergleich zwischen Market Makern sind die Kurse deshalb immer unterschiedlich. Genauso ist dies bei indirekten Market Makern der Fall. Indirekte Market Maker bestehen aus nur einem Handelspartner, arbeiten aber in der technischen Handelsausführung mit der direkten Marktausführung. D.h. der Trader schließt zwar das Geschäft direkt mit dem Handelspartner des Brokers ab, es findet aber kein Wettbewerb wie im Interbanken-Markt statt und er muss den Kurs nehmen, den er bekommt.

Werden von FX- & CFD-Brokern zum gleichen Basiswert zwei unterschiedliche Kurse angegeben, gelten diese für die jeweilige Marktausführung. Für ein ECN-Konto wird der Interbanken-Kurs der Handelspartner herangezogen, für ein Market-Maker-Konto der Kurs selbst gestellt. Bei einigen Anbietern können Trader zwischen unterschiedlichen Kontoarten wählen. Für ECN-Konten gilt dann ein niedrigerer Spread, für Market Making ein höherer.

Für die Analyse sollten Trader sich am besten auf die echten Börsenkurse beziehen, unabhängig davon, ob es sich bei dem Broker um einen ECN-Broker oder Market Maker handelt. Finanzportale wie beispielsweise Finanzen.net stellen Echtzeit-Kurse kostenlos zur Verfügung. Im Übrigen bietet auch Finanzen.net die Möglichkeit, ein Forex- und CFD-Handelskonto zu eröffnen. Zusammen mit den laufend aktuellen und umfangreichen Finanznachrichten zu Märkten und Börsengeschehen finden Trader dort alles unter einem Dach, was sie für den professionellen Handel benötigen.

Bei nicht börsengehandelten Produkten wie Währungen sind die vom Broker gestellten Kurse für die Chartanalyse relevant, da andere Anbieter auch andere Kursanbieter nutzen, so dass sich die Währungskurse immer mehr oder weniger stark unterscheiden können. Das kann für den optimalen Einstiegs- oder Ausstiegszeitpunkt durchaus sehr entscheidend sein.

Wer außerhalb der volatilen Haupthandelszeiten Währungen handelt, wird nach 20 Uhr mitteleuropäischer Zeit und zu Beginn der Handelswoche am Sonntagabend feststellen, dass sich kaum etwas am Devisenmarkt tut. Das hat zur Folge, dass sich die Spreads auch für die ansonsten liquidesten Märkte wie EUR/USD erhöhen, sofern über das Handelskonto nicht mit fixen Spreads gehandelt wird. Auch hier ist die Kursstellung dann vergleichsweise unterschiedlich.

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Unterschiedliche Kursstellung der Online-Broker was last modified: November 15th, 2017 by AngelaZ