In Venture Capital investieren

Venture Capital

Venture Capital – auch Wagnis- oder Risikokapital – lässt auf risikoreiche Investitionen schließen. Sie bieten aber auch große Chancen, wenn das Start-up Unternehmen die verschiedenen Finanzierungsphasen im Sinne der Investoren gewinnbringend zur Steigerung des Unternehmenswertes genutzt hat. Steigen Investoren nach der erfolgreichen Etablierungsphase eines jungen, innovativen Unternehmens über die unterschiedlichen Exit-Optionen aus, können sie hohe Gewinne erzielen.

Was ist Venture Capital?

Venture Capital (VC) bezeichnet das außerbörsliche Beteiligungskapital, welches ein Investor oder ein Venture Capital-Unternehmen zur Finanzierung eines jungen, nicht börsennotierten und noch nicht am Markt etablierten Unternehmens bereitstellt. Das auch Wagnis- oder Risikokapital genannte Eigenkapital kann durch verschiedene Finanzierungsformen in das sogenannte Start-up Unternehmen eingebracht werden.

Je nach Lebenszyklus wird zwischen verschiedenen Finanzierungsphasen von der Früh- bis zur Expansionsphase eines Unternehmens unterschieden.

Im Gegensatz zu Private Equity-Finanzierungen erfolgt die Beteiligung des Risikokapitalgeber nicht an bereits am Markt etablierten, sondern – als eine der drei typischen Finanzierungsphasen – an jungen, noch in der (Vor-) Gründungs- oder Expansionsphase stehenden Unternehmen. Je nach Art des Kapitalgebers begleitet er das Unternehmen auch durch Mitspracherecht und unternehmerische Beratung während der Beteiligungsphase.

Venture Capital-Finanzierungen gehören zu den sogenannten Alternativen Investments. Die Zielunternehmen der meisten Risikokapitalgeber sind technologieorientierte Start-up Unternehmen, zumindest sollte das Produkt oder die Dienstleistung aber innovativ sein und keine „billige“ Nachahmung.

Die Finanzierungsphasen einer Venture Capital-Finanzierung

Seed Stage Capital – Finanzierung für Forschung & Entwicklung

Seed Stage Capital (seed finance) bezeichnet die früheste Finanzierung für ein Start-up Unternehmen. Hier wird sinngemäß der Samen für die Unternehmensentwicklung gelegt.

Venture Capital Seed

Es befindet sich noch in der Frühphase, d.h. Kapital wird für Forschung & Entwicklung benötigt, um das Produkt, Konzept oder die Dienstleistung marktreif zu entwickeln. Die Seed-Finanzierung gilt als höchst risikoreich, weil sich zunächst alles lediglich um Idee und Entwicklung dreht und der spätere Markterfolg und die Möglichkeiten der Markteinführung schwer einzuschätzen sind.

Für Investoren, die zu diesem frühen Zeitpunkt eine häufig sehr hohe Beteiligungsquote zu einem niedrigen Preis bei gleichzeitig hohem Risiko eingehen, ist dies die erste, aber unsicherste Finanzierungsphase.

Early Stage Capital – Phase 2 im Finanzierungs-Countdown

In der Early Stage-Phase stehen bereits Produkt, Konzept oder Dienstleistung und Kapital wird für Produktionsaufbau, Tests oder Probeverkäufe und Marketing für die Markteinführung benötigt. Die Entwicklung ist abgeschlossen. Ein vielversprechendes, fertiges Produkt oder Konzept garantiert aber noch keinen kommerziellen Erfolg.

Auch in dieser Finanzierungsphase besteht deshalb ein zwar geringeres Risiko als während der vorangegangenen Seed Stage-Phase, dennoch ist es immer noch hoch.

Later Stage Capital – Wachstumsfinanzierung

In der Later Stage-Phase, auch Wachstums- oder Expansionsfinanzierung genannt, werden mit dem marktreifen Produkt, Konzept oder der Dienstleistung bereits Verkaufsumsätze erzielt. Produktion, Vertrieb und Marketing müssen weiter ausgebaut werden, um den kommerziellen Erfolg zu sichern und fortzuführen.

Für den Investor wird diese Phase teurer als die beiden vorigen Finanzierungsphasen. Um sich an dem Unternehmen zu beteiligen und vom weiteren Erfolg zu profitieren ist höheres Kapital erforderlich, denn das Unternehmen gewinnt an Wert und das Risiko sinkt.

Der Weg bis zum Exit

Nachdem die Existenzgründung abgeschlossen ist und das Start-up Unternehmen sich nach und nach am Markt etabliert, verfolgt der Kapitalgeber mehr oder weniger eng dessen weitere Entwicklung und erhält als Anteilseigner eine vom Unternehmenserfolg abhängige Rendite. Renditen erfolgreicher, junger Unternehmen können sehr hoch ausfallen, 10-20% sind keine Seltenheit. Im Gegenzug erhält er oft ein Mitsprache- oder Kontrollrecht bzw. zumindest ein Recht auf laufende Information über die Unternehmensentwicklung.

Natürlich besteht aber weiterhin das Risiko, dass das Marktinteresse am Produkt nach einer Weile geringer wird und kaum noch Verkäufe erzielt werden, Vertrieb oder Marketing nicht gut funktionieren oder unternehmerische Fehlentscheidungen getroffen werden. Auch durch neue Konkurrenz, die vielleicht ein noch besseres Produkt entwickelt hat, kann es zu Umsatzschwäche kommen. Es gibt viele Start-ups, die zunächst sehr vielversprechend begannen und nach einem Jahr aufgeben mussten, die Gründe sind sehr vielfältig. Oft liegt es aber auch an mangelnder Managementerfahrung und fehlenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Im Idealfall bringen Risikokapitalgeber eigene Managementerfahrung und betriebswirtschaftliches Know-How in das noch unerfahrene Unternehmen mit ein oder vermitteln ein Netzwerk von z.B. Marketingspezialisten, Personalberatern usw.

In der Regel wollen Risikokapitalgeber aber nicht dauerhaft an Start-up Unternehmen beteiligt sein, sondern durch einen Verkauf seiner Anteile einen weit höheren Gewinn erzielen als mit der möglicherweise schwankenden oder unsicheren Rendite, die sie als Dividenden- oder Zinszahlungen erhalten.

Sie vereinbaren deshalb meist schon zu Beginn einen Ausstiegszeitpunkt, den sogenannten Exit. Der Exit erfolgt in der Regel nach zwei, fünf oder sieben Jahren. Der Kapitalgeber verkauft seine Anteile, die nun weit mehr wert sind als seinerzeit bei Einbringung in das Unternehmen. Der Verkauf erfolgt meistens zurück an das Unternehmen oder an andere Kapitalgeber, die in der etablierten Unternehmensphase nun Private Equity-Finanzierer sind.

Unterschiedliche Exit-Strategien für Venture Capital-Investoren

Für den Exit gibt es unterschiedliche Strategien. Sie sind abhängig von der Entwicklung und dem bisherigen kommerziellen Erfolg des Unternehmens.

Die verschiedenen Exit-Strategien:

IPO (Initial Public Offering)

Der Börsengang stellt die erfolgreichste Variante eines ehemaligen Start-up-Unternehmens dar. Die Unternehmensanteile werden zu einem großen Teil am Markt verkauft, hier kann der Kapitalgeber den höchsten Gewinn seines Investments erzielen.

Foto Börse Madrid

Trade Sale

Bei einem Trade Sale wird das Unternehmen häufig von der Konkurrenz oder als Ergänzung oder Erweiterung der eigenen Geschäftstätigkeiten eines anderen Unternehmens gekauft.

Secondary Sale

Der Kapitalgeber verkauft seine Anteile an einen anderen Investor oder ein bereits vorhandener Investor übernimmt die Anteile und vergrößert somit seinen Gesamtanteil.

Company Buy-back

Das Unternehmen kauft die Anteile vom Risikokapitalgeber zurück.

Liquidation (Auflösung) des Unternehmens

Bei Nichterfolg bleibt nur die Liquidation des Unternehmens, der Worst case für jeden Investor. Die Investition ist letztendlich gescheitert.

Warum suchen Existenzgründer und Start-ups private Risikokapitalgeber?

Das erforderliche Kapital für eine Unternehmensgründung ist bei den meisten Existenzgründern nicht vorhanden. Sie benötigen eine Finanzierung zur Entwicklung ihrer Geschäftsidee und zum Aufbau ihrer Unternehmung.

Ihr Problem ist, dass sie Banken nicht die nötigen Sicherheiten präsentieren können, um einen Finanzierungskredit zu erhalten. Zudem sind Bankberater häufig auch deshalb nicht von einer Existenzgründung zu überzeugen, weil sie das Unternehmenskonzept, Produkt oder Dienstleistung gar nicht verstehen. Von einer Partnerschaft wie einem privaten Risikokapitalgeber, der das Vorhaben nicht nur finanziell sondern möglicherweise auch mit Know-how oder seinen Geschäftsbeziehungen unterstützt, sind Banken natürlich ebenfalls weit entfernt. Parallel sollten auch möglich Förderprogramme wie z.B. von der KfW oder Anschubfinanzierungen durch Business Angels geprüft werden.

Hilfestellung erhalten Existenzgründer z.B. auch aktiv durch die in den vergangenen Jahren entstandenen innovativen Konzepte der Risikokapitalgesellschaften. Sie stellen nicht nur das finanzielle Wachstumskapital, sondern auch das sogenannte „smart capital“, intelligentes Kapital, zur Verfügung.

Diese auch als Inkubatoren bezeichneten Venture Capital-Unternehmen, es handelt sich bei Start-ups ja tatsächlich um so etwas wie ein Frühchen im Brutkasten, bieten intensive und umfangreiche Unterstützung, wie z.B. übernehmen Mitarbeiter des Inkubators als Erweiterung und Ergänzung des Gründerteams übergangsweise Aufgaben im Gründungsunternehmen, sie entwickeln Unternehmenskonzepte und erstellen Marktanalysen, helfen bei der Strategie- und Produktentwicklung und unterstüzten bei Marketingstrategien und der Suche von Kooperationspartnern und weiteren Kapitalgebern.

Wie investiert man in Venture Capital?

Für das Investitionsvorhaben in ein junges, vielversprechendes Unternehmen benötigt man zunächst natürlich das erforderliche Kapital. Handelt es sich zunächst nur um eine Idee des Existenzgründers, folgt die weitere Entwicklung des Produktes und ein Business Plan, in dem Produkt, Konzept und alle damit in Zusammenhang stehenden Schritte, auch betriebswirtschaftliche, aufgeführt sind. Ist der Risikokapitalgeber hiervon überzeugt, werden die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Kapitalgeber und Unternehmen aufgesetzt.

Risikokapitalgebern stehen verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Je nachdem ob es sich um einen privaten Investor oder eine Risikokapitalgesellschaft handelt, wird vollhaftendes Eigenkapital in das Unternehmen eingebracht oder es werden eigenkapitalähnliche Finanzierungsinstrumente genutzt, wie z.B. Wandelanleihen oder Mezzanine.

Fazit zu Investitionen in Venture Capital

Junge Unternehmer haben viel vor, niemand kann jedoch mit Gewissheit sagen, ob sie ihre Ziele erreichen werden. Das todsichere Produkt gibt es nicht. Ob das Unternehmen Erfolg hat, hängt von vielen Faktoren auch innerhalb der Unternehmensführung und dem Markt ab.

Für die Umsetzung ihres Vorhabens benötigen Existenzgründer und Start-ups Kapital. Ist dieses nicht aus eigenen Mitteln oder mit privater Unterstützung wie Friends & Family o.a. ausreichend vorhanden, sind Finanzierungen über private oder institutionelle Risikokapitalgeber, die das sogenannte Venture Capital (Wagnis- oder auch Risikokapital) zur Verfügung stellen, eine sinnvolle Alternative.

Risikofinanzierungen für Existenzgründer und Start-ups sind bei Banken höchst unbeliebt, es sind keine ausreichenden Sicherheiten vorhanden und Gründungskonzepte bleiben für viele Bankberater zeitlebens ein Buch mit 7 Siegeln. Es liegt also weit näher, sich private Kapitalgeber ins Boot zu holen, die der eigenen Geschäftsidee vertrauen und sie unterstützen.

In den unterschiedlichen Finanzierungsphasen von der (Vor-) Gründung bis zur Expansion erfolgen Seed Stage-, Early Stage- und Later Stage-Finanzierung. Höchst risikoreich sind vor allem Seed und Early-Stage, denn während dieser Lebenszyklen vor der Markteinführung ist noch alles offen. Das Produkt oder die Dienstleistung befindet sich noch in der Entwicklung, Markteinführung und kommerzieller Erfolg sind noch in weiter Ferne. Zu diesem Zeitpunkt in das Unternehmensvorhaben einzusteigen, ist zwar zu einem niedrigen Preis möglich, aber mit einem sehr hohen Risiko verbunden, dass der Plan schiefgeht.

Later Stage-Investitionen bieten da schon mehr Sicherheit, die Produktentwicklung ist abgeschlossen und bei Markteinführung sind auch schon kommerzielle Erfolge zu verzeichnen. Die Wachstumsfinanzierung wird für Expansionsvorhaben benötigt wie z.B. Ausbau von Produktionsanlagen, Marketing und Personal.

Venture Capital-Investitionen können dem Kapitalgeber jährliche Renditen zwischen 10-20% oder gar darüber einbringen. Ziel von Venture Capital ist aber der Verkauf der Unternehmensanteile, der natürlich ein Vielfaches der ursprünglichen Investition betragen soll.

Risikokapitalgeber richten sich meist auf einen Zeitraum von zwei bis sieben Jahren ein, in dem sie an dem Unternehmen beteiligt bleiben. Dann hat es sich am Markt etablieren können und Erfolge und Prognosen über die künftige Unternehmensentwicklung sind messbar. Während dieser Zeit profitiert der Kapitalgeber im Erfolgsfall von Dividenden- oder Zinszahlungen. Da dies den meisten Risikokapitalgebern aber nicht genügt, steigen sie nach Marktetablierung bei dem Unternehmen wieder aus (Exit), denn mit einem Verkauf ihrer nun im Wert gestiegenen Anteile können sie hohe Gewinne erzielen.

Für den Exit gibt es unterschiedliche Strategien. Zum einen den Börsengang (IPO) des Unternehmens, Rückkauf der Anteile durch das Unternehmen, Übernahme durch direkte Wettbewerber oder branchennahe Unternehmen als Ergänzung ihrer eigenen Geschäftsaktivitäten, Verkauf der Anteile an Dritte oder – im schlimmsten Fall – die Liquidition des Unternehmens, weil der Unternehmenserfolg ausgeblieben ist.

Gründe für Mißerfolge gibt es viele, sie reichen von schwindendem Marktinteresse oder besseren Produkten der Wettbewerber über zu unerfahrenes Management bis zu äußeren Einflüssen oder Entscheidungen, die der Unternehmer nicht in der Hand hat.

Äußere Einflüsse sollte man nicht unterschätzen. Sie können sehr vielfältig sein und die Unternehmung zum Scheitern bringen, je nach Produkt, denn es ist nicht immer nur der Markt, der an allem Schuld ist. Hat z.B. ein Entwickler von neuen E-Zigaretten enorme Umsatzerfolge, wird der Verkauf von E-Zigaretten aber dann durch politische Entscheidung verboten, hat er kaum Alternativen. Am häufigsten kann man bei Fehlschlägen aber von unternehmerischen Fehlentscheidungen durch unerfahrenes Management oder von mangelndem Marktinteresse ausgehen.

Venture Capital birgt im Gegensatz zu Private Equity, von dem es im Prinzip einen Teilbereich stellt, ein weitaus höheres Risiko. Während Private Equity-Investoren in etablierte Unternehmen investieren, befinden sich Risikokapitalgeber zunächst auf sehr dünnem Eis. Es gibt jedoch einige Sicherheitsmechanismen, die man einbauen kann, um das Risiko einzugrenzen, die vor allem von Venture Capital-Gesellschaften genutzt werden.

Zunächst wird das Kapital nicht durch Einmalzahlung zur Verfügung gestellt, sondern auf mehrere Tranchen verteilt. Die Zahlung von weiteren Tranchen ist jeweils mit Bedingungen verbunden, den sogenannten Meilensteinen, die seitens des Unternehmens erreicht werden müssen. Eine weitere Möglichkeit ist die Einbringung des Kapitals durch Wandelanleihen, die auch bei schlechter Unternehmensentwicklung noch Zinsenserträge bringen.

Unbedingt sollten Risikokapitalgeber zumindest ein Mitsprache- und Kontrollrecht bzw. ein Eingriffsrecht vereinbaren. So wird sichergestellt, dass der Unternehmer mit dem Kapital nicht machen kann, was er will und gegebenenfalls falsch oder leichtsinnig investiert. Die Rechte können so weit gehen, dass Anteilseigner den Unternehmer bei schlechten Leistungen auch absetzen können. Laufende Informationen über die Unternehmensentwicklung schützen ebenfalls vor bösen Überraschungen.

Insgesamt gesehen bieten Venture Capital-Investitionen die Möglichkeit, bei Ausstieg sehr hohe Gewinne zu erzielen und von der Beteiligung an jungen, innovativen Unternehmen zu profitieren, die bei Beginn der Investition vergleichsweise wenig kosten. Es handelt sich zwar meist um technologiebasierte Unternehmen, aber natürlich gibt es auch viele Start-ups in anderen Bereichen, vor allem im Dienstleistungsbereich.

Für Investoren gehört bei Venture Capital weit mehr Risikobereitschaft dazu als bei Private Equity-Finanzierungen und es gibt eine ganze Reihe von Erfolgsstorys, jedoch auch sehr viele Mißerfolge. Doch auch über lange Zeit erfolgreiche, etablierte Unternehmen sind ja nicht unsterblich.

 
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In Venture Capital investieren was last modified: Juli 2nd, 2016 by AngelaZ